Ausschreitungen nach Demonstrationen in Katalonien

    2. Oktober 2018, 08:36
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    Absperrungen vor dem Regionalparlament wurden gestürmt, Straßen und Bahnstrecken waren blockiert

    Barcelona – Exakt ein Jahr nach dem verbotenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien haben in Barcelona am Montagabend rund 180.000 Menschen für die Abspaltung der Region von Spanien demonstriert. Im Anschluss an die Kundgebung kam es in der Nacht zu Ausschreitungen radikaler Unabhängigkeitsbefürworter.

    foto: imago / zuma press
    Demo der Unabhängigkeitbefürworter in Barcelona – danach kam es zu Blockaden und Ausschreitungen.

    Kurz nach 21 Uhr stürmten Demonstranten die Absperrungen vor dem Regionalparlament in Barcelona. Vermummte Aktivisten versuchten mit Mistkübeln Barrikaden zu errichten und warfen Steine auf die katalanische Polizeieinheit Mossos d'Esquadra.

    Regionalpräsident Quim Torra wurde bei der Kundgebung ausgepfiffen, Teilnehmer warfen ihm vor, der spanischen Zentralregierung nicht ausreichend Widerstand zu leisten. Zuvor hatten hunderte vorwiegend vermummte Unabhängigkeitsbefürworter die Gleise im Bahnhof von Girona besetzt, teilte der Bahnbetreiber Renfe mit. Torra begrüßte die Aktionen als Mittel, um "Druck zu machen".

    Viele Blockaden

    Fernsehsendern zufolge blockierten Demonstranten in Barcelona und Lleida außerdem wichtige Straßen. Nach Angaben der Behörden waren auch die Autobahn A7 zwischen Barcelona und Valencia und die A2 zwischen Barcelona und Madrid blockiert. Auf dem Gebäude der Regionalregierung in Girona wiederum ersetzten Aktivisten die spanische Flagge durch Fahnen der Unabhängigkeitsbefürworter.

    Zu den Aktionen hatten die Komitees zur Verteidigung der Unabhängigkeit (CDR) aufgerufen. "Vor einem Jahr riefen wir die Republik aus – schreiten wir zur Tat", erklärten die CDR-Basisgruppen auf Twitter.

    foto: ap / daniel cole
    "Vor einem Jahr riefen wir die Republik aus – schreiten wir zur Tat", erklärten die Komitees zur Verteidigung der Unabhängigkeit.

    Spaniens Außenminister Josep Borrell, selbst Katalane, mahnte Torra, das Aufrechterhalten der öffentlichen Ordnung liege in der Verantwortung der Regionalregierung. Der Regionalpräsident erinnerte im nordkatalanischen Ort Sant Julia de Ramis an die Volksbefragung vor einem Jahr. "Alles fing am 1. Oktober an, und alles geht auf den 1. Oktober zurück", sagte er vor einem weißen Banner mit der Aufschrift "Kein Vergessen, kein Vergeben".

    foto: reuters / jon nazca
    Polizeibus vor brennenden Barrikaden: Auf Barcelonas Straßen forderten am Montag tausende Studenten, dass die Ergebnisse des Referendums aus dem vergangenen Jahr anerkannt werden.

    Auf Barcelonas Straßen forderten am Montag tausende Studenten, dass die Ergebnisse des Referendums aus dem vergangenen Jahr anerkannt werden. Der jahrelange Streit über die Abspaltung Kataloniens war damals eskaliert. Das von Madrid untersagte Referendum wurde trotz eines massiven Polizeiaufgebots am 1. Oktober abgehalten; es gab ein Ja zur Unabhängigkeit bei allerdings geringer Beteiligung.

    Am 27. Oktober rief das katalanische Parlament einseitig die Unabhängigkeit aus. Die Zentralregierung unter dem damaligen konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy setzte daraufhin die Regionalregierung ab. Mehrere Unabhängigkeitsbefürworter wurden unter anderem wegen Rebellion inhaftiert, der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont und mehrere seiner Kabinettsmitglieder flohen ins Ausland.

    Nichts zu feiern

    Seit Anfang Juni regieren in Madrid die Sozialisten unter Ministerpräsident Pedro Sánchez. Regierungssprecherin Isabel Celaá sagte am Jahrestag des Referendums, es gebe nichts zu feiern. Die Abstimmung sei illegal gewesen und somit rechtlich ohne Konsequenzen. Regionalpräsident Torra rief sie auf, seine "Sprache zu mäßigen". Schließlich habe ihre Regierung "den Dialog mit den katalanischen Behörden" aufgenommen. Zugleich bezeichnete Celaá den massiven Polizeieinsatz vor einem Jahr als Fehler. (APA, AFP, red, 2.10.2018)

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