Der gute Ton: Neue Musik von John Scofield und Anne-Sophie Mutter

    2. Oktober 2018, 12:00
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    Entschleunigender Jazz von Improvisator Scofield, Geigerin Anne-Sophie Mutter würdigt den Komponisten Krzysztof Penderecki zum 85er

    John Scofield: Combo 66

    John Scofield ist als Improvisator ein gewitzter Aphoristiker. Auf "Combo 66" zeigt das thematische Material, wie instinktsicher der Amerikaner allerdings auch als Komponist seine Pointen zu setzen versteht. Eine runde Sache also: Im Quartett zelebriert der Gitarrist Souljazziges (Orgelhilfe durch Gerald Clayton) oder abstrakten, aber swingenden Jazz mit gewissem Bebop-Einschlag. Welch Stilfarbe die Umgebung aber auch immer annimmt: Scofield bleibt markant, jeder Ton wird subtil ausgestaltet. So entstehen delikate instrumentale Situationen, die zeigen, dass Intensität auch entschleunigt daherkommen kann.

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    Martial Solal live

    Wer unlängst im Wiener Porgy & Bess war, hat nach dem Konzert von Martial Solal wohl eine seiner Einspielungen erworben. Wer nicht dabei war, kann auf "My One And Only Love" dieses Wunder an pianistischer Variationskunst (live in Güthersloh, bei Intuition) nacherleben. Der Franzose ist nicht nur ein gefinkelter Pianist. Die alten Standards, die er sich vornimmt, werden nicht einfach gedeutet, sondern regelrecht harmonisch und rhythmisch neu zusammengesetzt. Solal liefert quasi im Sekundentakt überraschende Wendungen und Umfärbungen des Materials. Außerdem sind seine Ansagen kabarettreif.

    jazz|ᴳᴿᴱᴱᴺ

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    Anne-Sophie Mutter: Hommage à Penderecki

    Geigerin Anne-Sophie Mutter gehört zum Klassik-Jetset. Zwischen Carmen-Fantasie, Mozart und Beethoven widmet sie sich aber auch der Moderne, indem sie Kompositionsaufträge vergibt. Etwa an Krzysztof Penderecki. Nicht unpassend also, dass zu dessen 85er an die langjährige Partnerschaft erinnert wird. Die Doppel-CD (Deutsche Grammophon) enthält auch die neu aufgenommene 2. Violinsonate. Und das fünfsätzige Werk (souverän Pianist Lambert Orkis) bietet der Virtuosin alle Möglichkeit, ihre "Farbkünste" zu entfalten. Ruppig da, intim dort. Romantisch versonnen oder kühl abstrakt. Immer aber souverän. (Ljubisa Tosic, 2.10.2018)

    • John Scofield: "Combo 66"

      John Scofield: "Combo 66"

    • Martial Solal: "My One And Only Love"

      Martial Solal: "My One And Only Love"

    • Anne-Sophie Mutter: "Hommage à Penderecki"

      Anne-Sophie Mutter: "Hommage à Penderecki"

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