14 Jahre Haft wegen Mordes an Ehefrau für 55-Jährigen in Korneuburg

    1. Oktober 2018, 17:50
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    Angeklagter: "Ich nehme das Urteil an, es ist eine gerechte Strafe"

    Korneuburg – Mit einem einstimmigen Schuldspruch wegen Mordes für einen 55-Jährigen hat eine Geschworenenverhandlung am Montag in Korneuburg geendet. Der Weinviertler erhielt 14 Jahre Haft für den Mord an seiner Ehefrau im März im Bezirk Hollabrunn. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

    Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert, die acht Geschworenen entschieden einstimmig auf Mord. Mildernd wirkten sich bei der Strafbemessung laut dem vorsitzenden Richter das Geständnis, der bisher ordentliche Lebenswandel und die verminderte Dispositionsfähigkeit des Beschuldigten aus.

    Ein Erschwerungsgrund war die Tat gegenüber einer Angehörigen. "Ich nehme das Urteil an, es ist eine gerechte Strafe", sagte der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Rechtsmittel. Die Privatbeteiligten wurden mit ihren Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen, ihre Rechtsvertreter gaben keine Erklärung ab. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.

    Beziehungsstreitigkeiten Thema in Prozess

    Die 25-jährige Tochter des Angeklagten berichtete im Korneuburger Mordprozess, in der Ehe ihrer Eltern sei phasenweise viel gestritten worden, auch über Kleinigkeiten. Ihr um drei Jahre älterer Bruder erzählte, seine Mutter habe häufiger davon gesprochen bzw. damit gedroht, sich scheiden lassen zu wollen – das habe man gar nicht mehr ernst genommen.

    "Es ist nicht zu entschuldigen, was er getan hat", sagte die Tochter und fügte hinzu: "Wir lieben unseren Vater und wir brauchen ihn." Von der geplanten Scheidung hatte der Sohn, der im Elternhaus wohnte, seiner Aussage nach am Tag vor der Tat erfahren. Nach einem Anwaltstermin des Ehepaars sei ihr Vater fertig gewesen, erzählten die Kinder des Angeklagten. "Er war total am Ende, hat am ganzen Körper gezittert", sagte der Sohn als Zeuge.

    Angeklagter war laut Gutachter zurechnungsfähig

    Die Mutter der Angeklagten meinte: "Je länger sie verheiratet waren, umso mehr hat es nicht mehr gepasst." Die beste Freundin des Opfers berichtete, die 48-Jährige sei in ihrer Ehe unglücklich gewesen und habe nach der geplanten Scheidung in eine Wohnung in einen anderen Ort umziehen wollen. Sie beschrieb die Frau unter anderem als fröhlich, hilfsbereit und lebenslustig.

    Der Angeklagte habe seine Tochter "immer niedergemacht, das war seine Art", meinte der Vater des Opfers. Bekannte und Freunde des 55-Jährigen hatten hingegen nichts von einer kriselnden Ehe oder Streit bemerkt. Zeugen beschrieben den Angeklagten als ruhigen Menschen, aufbrausend hatten sie ihn nie erlebt.

    Der 55-Jährige war laut Gutachter zum Tatzeitpunkt "sehr heftig erregt" und "nahe am Verlust der Dispositionsfähigkeit", habe diese aber nicht zur Gänze verloren. Der Angeklagte ist dem psychiatrischen Sachverständigen Werner Brosch zufolge zurechnungsfähig. Der Gutachter sprach von einer "Affekttat".

    "Psychisch gesund"

    Der Angeklagte sei "in psychischer Hinsicht gesund", sagte der Sachverständige. Der 55-Jährige sei "ungeübt im Ausdruck von Gefühlen", er gebe lieber nach, statt einen Streit weiterzuführen und "versucht, Kränkungen wegzustecken".

    51 Stiche im Brustbereich

    Laut dem gerichtsmedizinischen Gutachten wurden dem Opfer 31 der insgesamt 51 Stiche im Brustbereich zugefügt, davon trafen sieben die Lunge und zum Teil Herz bzw. Hauptschlagader. Rettungskräfte hatten die 48-Jährige am 29. März leblos auf dem Küchenboden liegend aufgefunden. Der Eintritt des Todes hätte laut Gutachten auch durch sofortige ärztliche Hilfe nicht verhindert werden können.

    Dem Sachverständigen Wolfgang Denk zufolge, wurden die Stiche großteils mit erheblicher Wucht ausgeführt, andere Verletzungen waren nur oberflächlich. Eine Vielzahl an Stichen sei dem Opfer zugefügt worden, als es auf dem Boden lag. (APA, 1.10.2018)

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