Schulpaket: Aus Neu mach Alt

Kommentar1. Oktober 2018, 18:21
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Förderung müsste systemimmanent selbstverständlich und schon viel früher etabliert sein

Die Neue Mittelschule wird bald nicht mehr "neu" heißen, sondern als Mittelschule firmieren. Vier Jahre nach der flächendeckenden Umbenennung aller Hauptschulen in NMS also ein neues Türschild. Geschenkt – und eine symbolische Petitesse im "Pädagogikpaket", das Bildungsminister Heinz Faßmann vorgelegt hat.

Man darf dem parteifreien Ressortchef aufrichtiges Bemühen um eine Verbesserung der Schulsituation für alle Kinder zugutehalten. Aber man merkt dem Paket den türkis-blauen Hang zu einer härteren – und von der Forschungslage relativ unangekränkelten – Art, Politik zu machen, an.

Sitzenbleiben: Es sei Konsens in der Forschung, erinnerte Bildungsexperte Stefan Hopmann im Ö1-"Mittagsjournal", dass es "schädlich ist, keinem nützt, sondern langfristig schlechte Schulkarrieren begründet". Künftig soll es dennoch schon ab der zweiten Volksschulklasse wieder drohen. Die dunkle Wolke der Pädagogik, quasi.

Ziffernnoten: ein Fetisch, der nur schwer als pädagogisch substanzielle Maßnahme zu interpretieren ist. Es bringt mit Blick auf den Schulerfolg genau gar nichts.

Dort aber, wo die größte Hebelwirkung erzielt werden könnte, klaffen Leerstellen: Verpflichtende Förderung? Ja, bitte! Klar, das Kind muss hin, nur der wichtigste Adressat fehlt: Förderung müsste systemimmanent selbstverständlich und schon viel früher etabliert sein – und braucht mehr Ressourcen. Die gibt es aber nicht. Nicht genügend. (Lisa Nimmervoll, 1.10.2018)

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