Forscher schicken Ameisenbären aufs Laufband

    7. Oktober 2018, 08:00
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    Die erstaunlich kräftigen und beweglichen Tamanduas faszinieren Evolutionsbiologen. Nun will ein Team mehr über den Bewegungsapparat der Tiere herausfinden

    Tamanduas mischen überall mit: Anders als ihre nahen Verwandten beschränken sich die auch Kleine Ameisenbären genannten Säugetiere nicht auf einen Lebensraum. Wie die Großen Ameisenbären sind sie am Boden anzutreffen, wie die kleineren Zwergameisenbären leben sie aber auch auf Bäumen.

    foto: swen reichhold/universität leipzig
    Ein Ameisenbär im analytischen "Fitnesscenter".

    Ursprünglicher Körperbau

    Diese abwechslungsreiche Lebensweise erfordert spezielle körperliche Voraussetzungen. Tamanduas besitzen nicht nur eine äußerst kräftige Muskulatur der Vorderbeine, sondern weisen auch mehrere Modifikationen im vorderen Bewegungsapparat auf, die ihnen bessere Beweglichkeit verleihen. Um mehr über den Bewegungsapparat der Insektenfresser herauszufinden, haben Biologen um John Nyakatura von der Humboldt-Universität Berlin und Sandra Geiger von der Veterinärmedizinischen Universität Wien nun eine Untersuchung gestartet: Sie wollen Tamanduas erstmals mit einer speziellen Anlage in Bewegung röntgen.

    In einer sogenannten Fluokin-Anlage (Fluoroskopische Kinematographie) analysieren sie die Bewegungen zweier Ameisenbären beim Laufen, Klettern und beim Aufbrechen eines Termitenhügels. "Ameisenbären, Faul- und Gürteltiere gehören zu einer besonderen Gruppe von Säugetieren, den Nebengelenktieren. Sie haben viele ihrer ursprünglichen Merkmale erhalten und sind deshalb für uns Evolutionsbiologen besonders interessant", sagte Nyakatura.

    universität leipzig

    Hochgeschwindigkeits-Röntgenfilme

    Die Forscher wollen unter anderem herausfinden, welche Muskeln die Tiere wofür nutzen und welche Technik sie einsetzen, wenn sie an ihre Lieblingsnahrung kommen wollen. "Wir wollen dadurch besser verstehen, wie die Bewegungsabläufe bei den Tamanduas sind. Sie klappen die Hände beim Laufen zur Seite, um die Krallen zu schonen. Jetzt können wir sehen, was da genau abläuft. So konnten wir die Tiere noch nie beobachten", so Nyakatura.

    Die Fluokinanlage, die sich an der Universität Leipzig befindet, ermöglicht die Aufnahme von Hochgeschwindigkeits-Röntgenfilmen auch von größeren Tieren wie Pferden, Rindern und Schweinen auf dem Laufband. Mit dem Gerät können komplexe biomechanische Bewegungsabläufe erkannt und analysieren werden. (red, 7.10.2018)

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      foto: swen reichhold/universität leipzig
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