Für Ryanair sind die fetten Jahre vorbei: Anleger springen ab

    1. Oktober 2018, 09:57
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    Jahrelang gab es für Aktionäre nur gute Nachrichten. Jetzt muss der irische Billigflieger Federn lassen, die Gewinnprognose wurde gekappt

    Irland – Billig, billiger am billigsten: Das war über Jahre das Rezept von Unternehmenschef Michael O'Leary, lange ging es auch auf. Ryanair ist seit mehr als 20 Jahren eine Airline, die Aktionäre lieben mussten. Sie wuchs zeitweise jährlich um mehr als zehn Prozent – bei Umsatz und Gewinn. O'Leary gelang es, Gewerkschaften, die mehr Geld für die Mitarbeiter durchsetzen könnten, vom Unternehmen fernzuhalten. Doch damit ist es vorbei. Der Aktienkurs ist schon in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Am Montag sackten die Aktien um bis zu 12,3 Prozent auf ein Zweijahrestief von 11,50 Euro ab.

    Doch nicht mehr so billig

    Auch das Versprechen vom Billigfliegen hält die Airline immer seltener ein, zumindest wenn man einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt vom Frühjahr glaubt. Dort kam man beim Vergleich dutzender Strecken zu dem Ergebnis: Wer einen Tag vor Abflug buchte, zahlte für ein Ryanair-Ticket mit fast 170 Euro nur knapp 30 Euro weniger als bei der Lufthansa-Tochter Eurowings, aber doppelt so viel wie bei der britischen Easyjet. Erst bei mindestens einem Monat Vorausbuchung war Ryanair günstiger als Easyjet.

    Nun muss Ryanair wegen der Streiks vieler Piloten und Flugbegleiter auch noch seine Gewinnprognose senken. Der bereinigte Betriebsgewinn werde in dem bis März laufenden Geschäftsjahr 2018/19 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro betragen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Das wären zwölf Prozent weniger Gewinn als ursprünglich mit 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

    Weniger Buchungen

    Grund seien Preissenkungen und geringere Buchungen infolge der Streiks, aber auch höhere Treibstoffkosten belasteten das Unternehmen: Ryanair kalkuliert jetzt mit 460 Millionen Euro Kosten, 30 Millionen mehr als bisher erwartet. Ein Verlust von 150 Millionen durch die Übernahme der Air-Berlin-Tochter Laudamotion ist bei dem Gewinnziel herausgerechnet.

    Das Angebot im Winter werde um ein Prozent gekürzt, teilte Ryanair mit. Deshalb werden an den Standorten Bremen, Niederrhein und Eindhoven insgesamt acht Flugzeuge ab Anfang November am Boden bleiben. Mit den betroffenen Beschäftigten werde nun über Regelungen gesprochen, mit denen Stellenabbau vermieden werden könnte.

    Streik folgt auf Streik

    Ryanair wird seit Monaten immer wieder von Streiks in mehreren europäischen Ländern überzogen. Die Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern verhandeln erstmals über Tarifverträge mit höherer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen. In Irland und Italien hat Ryanair dabei erste Abschlüsse erzielt. Auch bei der Tochter Laudamotion soll in Bälde ein Kollektivvertrag fertig verhandelt sein.

    In Deutschland hat Ryanair nach dem zweiten Streik vergangene Woche die Schließung des Standorts Bremen zu Anfang November und eine Verkleinerung der Flotte in Weeze in Nordrhein-Westfalen angekündigt. Beide Standorte hatten sich an den Streiks beteiligt.

    Einschüchterungen durch Vorgesetzte

    Die deutsche Gewerkschaft Verdi teilte mit, das Unternehmen habe seine Entscheidung unter anderem mit den Arbeitsniederlegungen der Beschäftigten begründet. "Wir fordern Ryanair auf, diese Entscheidung sofort zurückzunehmen und nicht die Existenz der Beschäftigten zu bedrohen", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

    Bereits in den vergangenen Wochen sei es zu massiven Einschüchterungsversuchen gegenüber Beschäftigten gekommen, kritisierte Verdi. Ryanair habe Streikende durch Vorgesetzte beobachten und fotografieren lassen und den Streik für illegal erklärt. Behle rief die Airline auf, die Schließungspläne und die Reduzierung von Flugzeugen unverzüglich zurückzunehmen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. (red, 1.10.2018)

    • Die vielen Streiks kosten das Unternehmen viel Geld.
      foto: apa/afp

      Die vielen Streiks kosten das Unternehmen viel Geld.

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