30 Staffeln: "The Simpsons" von A bis Z

    30. September 2018, 08:00
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    Am Sonntag startet in den USA die 30. Staffel der legendären Gelbmenschen aus der Feder Matt Groenings. Gute Gelegenheit für eine lexikalische Gesamtbetrachtung.

    Anfang, der Los Angeles, 1980er: Der junge Matt Groening hält sich mit Musikjournalismus und Zeichnen über Wasser. Seine Cartoonserie Life is Hell ist so erfolgreich, dass sie in hunderten Zeitungen erscheint und der Regisseur James L. Brooks eine animierte Version in der Tracey Ullmann Show habe will. Groening wollte die Rechte aber nicht an 20th Century Fox abtreten, weshalb er wenige Stunden vor dem Pitch die Simpsons hinkritzelt. So jedenfalls die Legende.

    the simpsons classic

    Bush, George H. W. Der damalige US-Präsident verkündete 1992 in einer Rede an die republikanische Nationalversammlung, dass die amerikanische Familie "viel mehr wie die Waltons und viel weniger wie die Simpsons" werden sollte. Die empörte Antwort von Bart in der 13. Episode der siebten Staffel: "Hey, wir sind genauso wie die Waltons! Wir beten auch für ein Ende der Depression."

    the simpsons

    D’oh! Ausdruck, den Homer Simpson benutzt, "um plötzliches Erkennen von dummen Fehlern oder ironischen Wendungen von Ereignissen zum Ausdruck zu bringen". So steht es jedenfalls im Oxford Dictionary, in das der Begriff 1998 aufgenommen wurde. Im Deutschen wurde das D‘oh zu einem schlichten "Nein!".

    Film Wenn Serien zu Filmen werden, geht das selten gut. Bei den Simpsons ist es doch einigermaßen gelungen. Die Gags funktionieren auch auf der Leinwand, die Simpsons brillieren auch in vierfacher Länge. Fortsetzung folgt.

    Fox An dem Sender, der bis vor kurzem noch dem rechten Medienmogul Rupert Murdoch gehörte, lassen die Simpsons kein gutes Haar. Zwar "nicht rassistisch, aber die Nummer eins bei Rassisten" sei Fox News, die "Stimme des Bösen" und ein "verrücktes Propagandanetzwerk". Streetart-Künstler Banksy inszenierte das Unternehmen in einem Couch-Gag sogar einmal als Sweatshop. Dass die Simpsons seit jeher auf Fox News laufen, stört die Showrunner nicht. James L. Brooks handelte schon zu Beginn große Freiheit zu Medienkritik aus. Einsprüche soll es noch nie gegeben haben. Dass Fox irgendwann einmal Disney gehören wird, sagten die Simpsons übrigens schon vor 19 Jahren vorher.

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    Groening, Matt Der Vater der Simpsons taucht zwar nur in einigen Folgen als Autor auf, sein Zeichenstil – Glupschaugen und Überbiss – findet sich aber in jeder Figur wieder. Auch die Namen kommen nicht von irgendwo: Groenings Mutter heißt Marge, sein Vater Homer, Maggie und Lisa hat er nach seinen Schwestern benannt. Nebenbei machte Groening noch die Science-Fiction-Parodie Futurama und seit neuestem die Fatansyserie Disenchantment auf Netflix.

    ted p. lewis

    Itchy und Scratchy Bart und Lisas Lieblingssendung handelt von der Maus Itchy, die den Kater Scratchy in jeder Folge aufs Neue auf brutale Weise quält und tötet. Eine Persiflage auf die stumpfe Gewalt im US-Fernsehen.

    Nahasapeemapetilon, Apu Für die Figur des indischstämmigen Betreibers des Kwik-E-Marktes mussten die Simpsons kürzlich viel Kritik einstecken. Apu hat acht Kinder, einen starken indischen Akzent – und wird von einem Weißen synchronisiert. Eine stereotype Figur, findet unter anderem der indische Komiker Hari Kondabolu und brachte letztes Jahr den Dokumentarfilm The Problem with Apu heraus. In diesem interviewt er indische Kulturschaffende, die seine Meinung teilen. Die Replik der Simpsons – ein Dialog zwischen Lisa und Marge über politische Korrektheit – kam nicht gut an. Der Sprecher von Apu zog sich aus der Serie zurück.

    trutv

    Quoten Die Simpsons kommen oft als Sinnbild für das unbewegliche Vorabendprogramm zum Einsatz, bei ORF 1 und ProSieben gehört die Serie seit Jahrzehnten zum Programm. Allein im August lief auf ORF 1 50-mal Die Simpsons, zwischen 24.000 und 91.000 schauten zu. Auch in den USA läuft es eher mäßig: Die Erstausstrahlung der letzten Staffel erreichte mit durchschnittlich 3,45 Millionen linearen Zusehern einen historischen Tiefpunkt. Bei der ersten Staffel waren noch 27 Millionen dabei. Allerdings schauen viele aus der jungen Zielgruppe zu, die sich besonders gut verkaufen lässt. Auch außerhalb des Fernsehens sind die Simpsons eine profitable Familie: T-Shirts, Spielsachen und Vergnügungsparks mit den brachten bis 2013 4,6 Milliarden US-Dollar ein.

    Schmäh, der Eine Mischung aus Slapstick, Wortwitz und Anspielungen machen die Simpsons zu dem, was sie sind. Beziehungsweise waren, denn seit ein paar Staffeln verfällt die Serie regelmäßig dem Zwang zum schnellen Gag. Richtig subtil waren die Simpsons nie, seit Neuestem pflegt die Serie oft einen so offensichtlichen Humor, dass man sich als Seher für dumm verkauft fühlt. Das geht auf Kosten der Handlung, die im Gagfeuerwerk untergeht.

    Springfield Ein Ortsname, so durchschnittlich wie möglich – danach war Matt Groening auf der Suche. Alleine in den Vereinigten Staaten gibt es 64 Springfields. Den Streit um das "echte" Springfield wurde im Simpsons-Kinofilm aufgelöst. Demnach grenzt die Stadt an die Bundesstaaten Ohio, Nevada, Maine und Kentucky – die quer über die Vereinigten Staaten verstreut liegen.

    Wissenschaft Unter Mathematikern sorgen sogenannte "Standbild-Gags" immer wieder für Begeisterung. Es sind meist Formeln, die erst auffallen, wenn man das Bild anhält. Einmal widerlegte Homer beinahe den Großen Fermat’schen Satz, ein anderes Bild weist das ungelöste P-NP-Problem hin. Zu verdanken ist dieser Nerdhumor den vielen Mathematikern im Autorenteam.

    Zukunft, die 1999 kürte das Time Magazine die Simpsons zur wichtigsten Fernsehserie des 20. Jahrhunderts. Ein zweites Mal werden sie diesen Titel nicht mehr bekommen. Kontrovers sind die Simpsons schon lange nicht mehr. Die Rufe von Konservativen, Kirche und besorgten Eltern sind verstummt, auch der Präsident beschwert sich nicht mehr öffentlich über die gelbe Familie. Die Simpsons ein Teil der Popkultur geworden, die sie sonst immer auf den Arm nahmen. Auch die Serienlandschaft hat sich verändert. Aus den Milliarden, die Pay-TV-Sender und Streamingdienste in den Markt pumpen, entstehen Serien, die so gut und kritisch sind wie die Simpsons. Trotzdem bleibt die Serie gutes Fernsehen und macht immer noch süchtig. Eine 31. Staffel ist jedenfalls in Planung. (Philip Pramer, 29.9.2018)

    • Gelb ist eine gute Farbe: "Die Simpsons" unterhalten seit bald drei Jahrzehnten.

      Gelb ist eine gute Farbe: "Die Simpsons" unterhalten seit bald drei Jahrzehnten.

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