Ludwigs Mansplaining gegenüber Rendi-Wagner sorgt für Irritationen

28. September 2018, 15:45
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Bundesratspräsidentin Inge Posch-Gruska: SPÖ möge jetzt "öffentlich besser über Inhalte als über Köpfe diskutieren"

Wien – Die vor Publikum vorgetragenen männlichen Ratschläge, heutzutage auch gern Mansplaining genannt, von Wiens rotem Bürgermeister Michael Ludwig gegenüber der neuem SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner sorgen bei den Frauen in der Partei für Irritationen. Inge Posch-Gruska, in der zweiten Jahreshälfte Präsidentin des Bundesrats und Bürgermeisterin im burgenländischen Hirm, sagt: "Mein erster Gedanke bei Ludwigs Worten war, dass man das einem männlichen Politiker wohl nicht so ausrichten würde."

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Inge Posch-Gruska: "Einem männlichen Politiker würde man das wohl nicht so ausrichten."

Wenn Ludwig angesichts der frischgekürten SPÖ-Vorsitzenden "Ängste" hege und diese auch ansprechen wolle, sei das zwar "sein gutes Recht", aber, so Posch-Gruska: "Das äußerst man am besten nicht über die Medien, sondern in einem Gespräch. Ich finde, dass wir jetzt öffentlich besser wieder über Inhalte als über Köpfe diskutieren sollten."

Die 56-jährige Sozialdemokratin selbst hat keinerlei Bedenken, dass Rendi-Wagner ihren Job als Partei- und Klubchefin gut machen werde – und meint, dass die SPÖ nun mit ihr nach vorn blicken müsse, "auch wenn jede Umstellung zunächst einmal weh tut".

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"Sie ist sehr sympathisch, telegen und kompetent, jetzt muss sie auch auf die Leute zugehen": Ludwig über Rendi-Wagner.

Konkret hat Ludwig zur Wochenmitte nach Rendi-Wagners Personalumbau erklärt: "Ich persönlich glaube, es ist eine sehr starke persönliche Belastung, den Parteivorsitz und den Klubvorsitz zu machen, aber das ist ihre persönliche Entscheidung." Hintergrund: Bundesgeschäftsführer Max Lercher musste gehen, der geschäftsführende Klubchef Andreas Schieder, dem Wiener Flügel zuzurechnen, legte auf Rendi-Wagners Wunsch seine Funktion zurück. Am Donnerstag richtete Ludwig Rendi-Wagner dann quasi via "Heute" aus: "Jeder muss sich in der Praxis beweisen. Sie ist sehr sympathisch, telegen und kompetent, jetzt muss sie auch auf die Leute zugehen."

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Gabriele Heinisch-Hosek: "Es gibt genug überforderte Männer, bei denen das nicht erörtert wird."

Auch SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek hält wegen Ludwigs nicht gerade dezenten Hinweisen, dass Rendi-Wagner überfordert sein könnte, fest: "Ich habe noch nie erlebt, dass solche Fragen bei einem Mann öffentlich erörtert worden wären." Immerhin habe Ludwig aber erklärt, dass er das einem Mann auch so sagen würde. Deswegen möchte Heinisch-Hosek ihm keine bösen Absichten unterstellen – aber schon auch anfügen, dass es ja "genug überforderte Männer" gäbe. (Nina Weißensteiner, 28.09.2018)

WISSEN

Phänomen Mansplaining

Der Terminus "Mansplaining" ist eine relativ junge Wortschöpfung aus den Begriffen "Man" und "explaining" und beschreibt ein altes Phänomen – nämlich die oft ungebetene Belehrung von Frauen vonseiten der Männer, gern vor Publikum. Die Debatte darüber startete mit einem Essay der US-amerikanischen Publizistin Rebecca Solnit im Jahr 2008 und fand rasch Verbreitung im Internet – seitdem wird die Verwendung des Begriffs kontrovers diskutiert. (nw)

Nachlese:

Pro und Contra: Mansplaining als Problem

Frauenministerin ortet viele Erklärbären in der Politik

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