Wie Europas Chancen stehen, im digitalen Wettkampf mitzuhalten

27. September 2018, 17:57
35 Postings

Die Tech-Expertenschaft ist sich uneins, ob Europa bei der Digitalisierung noch mithalten kann. Als Hoffnungsträger für Innovation gilt die Industrie

Wien – Ob Europa die digitale Revolution verpasst oder nicht, dieses Thema spaltet die Experten auf dem ganzen Kontinent. Einer, der den "latenten Zweckpessimismus" jedenfalls nicht mehr hören kann, ist Wirecard-Chef Markus Braun. Erst kürzlich brachte der Österreicher seine 24-Milliarden-Euro-Firma in den deutschen Leitindex Dax, wodurch der Zahlungsdienstleister in die Liste der 30 wertvollsten Unternehmen Deutschlands rutschte.

"Die Digitalisierung steckt weltweit in den Kinderschuhen, noch hat jeder die Chance einzusteigen", sagte Braun bei der zweiten Innovationskonferenz Darwin's Circle im Wiener Haus der Industrie. 350 Besucher und 50 Experten aus den USA, Europa und Asien kamen zusammen, um technische Fortschritte oder längst verpasste Chancen zu besprechen.

Globales Denken

Brauns Eröffnungsrede war ein optimistisches Plädoyer für globales Denken. Man müsse die Schönheit des Fortschritts verstehen. Es gehe vor allem nicht um China, die USA oder Europa, sondern um einen globalen Zugang. "Europa muss die defensive Einstellung ablegen. Wer eine gute Technik hat, kann damit an den Start gehen." Diese durchaus amerikanische Einstellung teilt auch Amazon-Manager Jim Fanning. Er erinnerte daran, dass es eine Zeit gab, wo alle Nokia-Handys hatten und den Internet Explorer nutzten. Auch das stärkste Unternehmen sei nicht unschlagbar, und die besten Innovationen stünden ohnehin noch bevor.

Dass sich derartige Sätze mit einem erfolgreichen Unternehmen im Rücken natürlich leichter sagen, als mit einem, das die Digitalisierung verschlafen hat, darf jedoch nicht vergessen werden.

Digitaler Pessimismus

Den von Braun kritisierten pessimistischeren Zugang vertritt beispielsweise T-Mobile-Austria-Chef Andreas Bierwirth. Er meinte, Europa habe Techgiganten wie Tencent, Google oder Facebook praktisch nichts entgegenzubringen: "Bei konsumentenorientierten Diensten hat Europa schon verloren." Das begründete er mitunter damit, dass "wir uns bei Datenschutzregeln selbst blockieren".

Einen Rettungsanker sah allerdings das Gros der Teilnehmer, egal ob auf oder abseits der Bühne: digitale Anwendungen in der Industrie. In der Herstellung von hochspezialisierten Produkten gebe es in Europa viel Know-how. Das müsse man gekonnt und vor allem schnell einsetzen. (Andreas Danzer, 27.9.2018)

  • Einen Rettungsanker für Europa sieht das Gros der Teilnehmer der Konferenz "Darwin's Circle" in digitalen Anwendungen in der Industrie.
    foto: klaus ranger

    Einen Rettungsanker für Europa sieht das Gros der Teilnehmer der Konferenz "Darwin's Circle" in digitalen Anwendungen in der Industrie.

Share if you care.