Dino-Fossil: Gigantischer Donnerschlag aus Südafrika

27. September 2018, 18:09
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Schon die Vorfahren der kreidezeitlichen Superdinos erreichten enorme Ausmaße, wie ein aktueller Fund zeigt – und sie gingen auf krummen Beinen.

illustration: viktor radermacher, university of the witwatersrand
Die Rekonstruktion von Ledumahadi mafube verdeutlicht: Die Ahnen der späteren Sauropoden stampften noch auf ganz anderen Beinen umher.

Wenn ein ausgestorbenes Tier einen solchen Namen verliehen bekommt, dann kann man davon ausgehen, dass es sich nicht gerade um einen Winzling gehandelt hat: "Gigantischer Donnerschlag in der Dämmerung". Tatsächlich war Ledumahadi mafube zu Lebzeiten vor annähernd 200 Millionen Jahren vermutlich das größte Landlebewesen der Erde – und bis vor kurzem völlig unbekannt. Die Überreste dieses riesigen Pflanzenfressers, bestehend aus einem runden Dutzend fossiler Knochen, wurden nun von südafrikanischen Paläontologen als Frühform der später noch viel beeindruckenderen Sauropoden identifiziert.

Nahe an den Sauropodenwurzeln

Entdeckt wurden die Gebeine bereits 2012 von Blair McPhee in der Provinz Freistaat, wie Jonah Choiniere von der Witwatersrand-Universität in Johannesburg berichtet. Schon damals sei auf den ersten Blick klar gewesen, dass sie hier etwas Großem auf der Spur waren, was sich letztendlich auch in der wissenschaftlichen Bezeichnung des Fundes widerspiegelt: Ledumahadi mafube ist Sesotho, eine in der Gegend der Ausgrabungsstätte gesprochene Bantusprache, und "trägt sowohl den Ausmaßen des Tieres Rechnung als auch der Tatsache, dass es im Stammbaum nahe an den Ursprüngen der Sauropoden anzusiedeln ist", sagt Choiniere.

illustr.: mcphee et al. / current biology
Auf Basis der freigelegten Knochen konnten sich die Paläontologen ein Bild von dem einstigen Riesen machen.

So groß wie zwei Elefanten

Nach bisheriger Auswertung der freigelegten Fossilien, hauptsächlich Wirbel- und Beinknochen, gehen die Wissenschafter davon aus, dass dieser Dinosaurier des frühen Jura zwölf Tonnen auf die Waage brachte und im Hüftbereich vier Meter hoch war. Damit erreichte er etwa die doppelte Größe eines ausgewachsenen Afrikanischen Elefanten. Die konservierten Wachstumsringe der Knochen lassen darauf schließen, dass der Dino im Alter von 14 Jahren gestorben ist. Außerdem bestätigten die knöchernen Mikrostrukturen, dass der Dinosaurier ein Übergangsstadium in der Entwicklungslinie zu den gigantischen Sauropoden der Kreidezeit darstellte.

foto: wits university
Mikrostrukturen in den geschliffenen fossilen Knochen lassen, ähnlich wie bei Jahresringen von Bäumen, auf das Alter des Dinosauriers schließen

Experimente auf vier Beinen

Um herauszufinden, ob Ledumahadi noch auf zwei Beinen unterwegs war, so wie seine Vorfahren, oder bereits auf allen vieren ging, vermaßen die Forscher die Beinknochen und verglichen die Werte mit heute lebenden Tierarten. Das im Fachjournal "Current Biology" veröffentlichte Ergebnis zeigte, dass der Angehörige der Sauropodomorpha nicht nur tatsächlich ein Vierbeiner war, sondern vor allem, dass sich diese Fortbewegungsart bei Ledumahadi und anderen Verwandten des Jura gleichsam noch im "Experimentierstadium" befand.

Ersichtlich wurde dies unter anderem am Aufbau der Gliedmaßen, die damals noch nicht den säulenartigen "Elefantenbeinen" glichen, auf denen etwa der 30 Tonnen schwere Brontosaurus 50 Millionen Jahre später daherkam.

grafik: wits university
Ledumahadi mafube stand ziemlich am Beginn der Sauropoden Entwicklung.

"Die Evolution der Sauropoden hin zum Gigantismus verlief demnach weitaus nicht so geradlinig, wie wir bislang angenommen hatten", sagt Choiniere. "Tatsächlich scheint es sogar so, als hätten die frühen Sauropodomorpha die Fortbewegung auf vier Beinen mindestens zweimal unabhängig voneinander entwickelt, ehe ihre Extremitäten jene gerade Form annahmen, die ihre Nachfahren so erfolgreich machte." (Thomas Bergmayr, 27.9.2018)

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