Betörender Fisch lässt tauchende Forscher Hai übersehen

    Video29. September 2018, 14:06
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    Neonfarbene Spezies erhielt die Bezeichnung Tosanoides aphrodite – und der Hai nahm die Begegnung mit Menschen gelassen

    california academy of sciences

    "Ein Hai! Da oben! Da oben!", versucht Kameramann Mauritius Bell den beiden Meeresbiologen Luiz Rocha und Hudson Pinheiro zuzurufen. Doch die haben für sein vom Mundstück verzerrtes Gequäke gerade keine Ohren, so fasziniert sind sie von ihrer Entdeckung: einem bislang unbekannten Fisch, dessen pink-gelbe Färbung so kräftig ist, als wäre er mit einem Leuchtstift bemalt worden.

    Nach dem Tauchgang erhielt die Spezies den Namen Tosanoides aphrodite. Tosanoides ist die Bezeichnung einer schon seit dem 19. Jahrhundert bekannten Gattung von Fahnenbarschen – und Aphrodite rührt von der gleichnamigen griechischen Göttin der Liebe her, die jeden mit ihrem Anblick betörte. "Das ist einer der schönsten Fische, die ich je gesehen habe", sagt Rocha.

    foto: luiz rocha, 2018 california academy of sciences
    Knallbunt nur unter Lichtverhältnissen wie an der Oberfläche, in seinem Lebensraum hingegen ganz unauffällig: die Aphrodite unter den Fahnenbarschen.

    Auffällig ist die Optik allerdings nur unter so unnatürlichen Umständen wie dem Fall, dass ein Taucher einen Scheinwerfer auf den Fisch richtet. Unter normalen Bedingungen handelt es sich um eine Tarnung, da in einer Tiefe von 120 Metern, wo der Fisch lebt, Rottöne nicht mehr wahrnehmbar sind. Fundort war der Mini-Archipel der Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen, der etwa 960 Kilometer von der brasilianischen Küste entfernt ist. Dieser isolierte Lebensraum ist die Heimat einer Reihe endemischer Arten – der bislang unbekannte Tosanoides aphrodite hat seine Nische in Felsritzen rund um die kahlen Inselchen gefunden.

    "Er war so bezaubernd, dass er uns alles um ihn herum ignorieren hat lassen", sagt Rocha. Dazu gehörte auch der immerhin drei Meter lange Hai, der sehr nahe an die Forscher herankam. Gefahr bestand allerdings nicht wirklich: Die massigen Stumpfnasen-Sechskiemerhaie sind zwar imposante Erscheinungen, an Menschenfleisch aber nicht interessiert. Attacken auf Menschen sind bislang keine bekannt, die Tiere gelten als harmlos, solange man sie nicht provoziert. Und davon waren die beiden unter Aphrodites Bann stehenden Forscher weit entfernt. (jdo, 29. 9. 2018)

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