Reiseversicherungen: Wenn der Esel zum Lebensretter wird

    29. September 2018, 08:00
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    Wer im Ausland krank wird, sollte gut vorgesorgt haben. Die Kosten sind enorm, nicht alles wird durch E-Card oder Kreditkartenschutz gedeckt

    Fälle wie der folgende, von dem Erik Heusel, Chef von Allianz Partners, berichtet, stehen auf der persönlichen Wunschliste sicher nicht ganz oben. Ein Knöchelbruch bei einer Urlaubsreise in Ägypten: "Der Patient wird ins Spital gebracht (150 Euro), die Klinik verlangt möglicherweise ein ,Kopfgeld' vom Patienten, jagt ihn durch alle Maschinen, um die Rendite der Klinik zu heben, und daheim stellt der Arzt fest, dass der Trümmerbruch neu operiert werden muss."

    Was Heusel, damit sagen will, ist, dass generell mit der E-Karte, Kreditkarte oder einer Autofahrerclub-Mitgliedschaft bei weitem nicht alle Risiken oder Services im In- wie Auslandsurlaub abgedeckt sind. Es gibt Deckungslücken, die möglicherweise nicht bedacht werden. Im Grunde gehe es bei einer Reiseversicherung um Storno, Reiseabbruch und um die Service-/Schadensabwicklung. Jeder sollte sich daher vorab exakt informieren, welche Risken abgedeckt werden sollen.

    Dies ist nicht zuletzt wichtig, weil die Reiselust älterer Menschen sowie der Trend zu Nischenreisen unvermindert anhalten. Aber auch hier kann der Allianz-Manager über Ungemach berichten: Ein Bergwanderer in Nepal verunglückte – die Allianz leistet bis 6000 Höhenmetern (mit Partnern vor Ort) Hilfe. Im speziellen Fall hatte der Betroffene eine unvorhersehbare Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Atemnot, Kreislaufzusammenbruch, Angstzustände etc.). Auf dem unwegsamen Gelände konnte der Helikopter nicht landen, man war bereits über 5000 Meter unterwegs. Es gab nur eine Möglichkeit: Die Versicherungsvertreter vor Ort schickten einen Esel, um den Patienten bis zum nächsten Evakuierungspunkt zu bringen. Auch nicht jedermanns Sache, "wenn der Versicherte erfährt, er wird mit einem Esel weitertransportiert", berichtet Heusel.

    Gesundheitscheck

    Bereits bekannte Krankheiten sind bei einer Reiseversicherung ausgeschlossen; bei der Allianz gibt es jetzt neu bei der klassischen Versicherung einen Genesungscheck. Beispiel: Man hat eine Operation, der Arzt sagt, in drei Monaten sei alles wieder in Ordnung, und man bucht für sechs Monate später eine Reise – und nichts ist in Ordnung. Hier würde die Allianz nach einem Check mit eigenen Ärzten das Storno akzeptieren, so Heusel zum STANDARD.

    Wichtig sei auch, auf die für jedes Land unterschiedliche notwendige Deckungssumme zu achten. Die Spitals- und Arztkosten liegen oft in schwindelerregenden Höhen: In Ägypten seien für Knöchelbrüche schnell mal 15.000 Euro weg, in Italien koste eine Blinddarm-OP bis zu 5000 Euro.

    Für USA höchste Deckung wählen

    In den USA sei es ratsam, bei einer klassischen Reiseversicherung die höchste Deckungssumme zu wählen, rät Heusel. Der um Beispiele nicht verlegene Manager berichtet von einem österreichischen Arzt, der in Las Vegas an einem Ärztekongress teilnahm, stürzte, eine Gehirnblutung erlitt, zwei Wochen im Krankenhaus lag und per Einzeltransport in ein österreichisches Spital geflogen wurde. Die Kosten für die Allianz: 500.000 Euro. "Bevor in den USA nicht das Geld hinterlegt wird, kann man nicht ausreisen", erzählt Heusel. In Russland zahlte die Allianz für einen Innenbandriss im Knie für die stationäre Behandlung eines Kunden 10.000 Euro. In Serbien wurde für die Behandlung einer Lungenentzündung 2000 Euro fällig.

    Wer es sich leisten kann, nimmt einen All-Risk-Vertrag, wo alles abgedeckt ist: selbst die Stornokosten für kranke Haustiere oder Verwandte oder der Fall, dass der Chef plötzlich den Urlaub nicht genehmigt oder das Handy abhandenkommt.

    Angesichts des zunehmenden Pflegebedarfs könne nun auch bei der klassischen Allianz-Reiseversicherung eine Risikoperson genannt werden, damit die Stornokosten bezahlt werden. Darunter fällt auch Pflegepersonal für Angehörige. (Claudia Ruff, 29.9.2018)

    • In den Bergen Nepals konnte zunächst der Helikopter nicht landen, ein Esel brachte den Patienten zum nächsten Evakuierungspunkt.
      foto: reuters

      In den Bergen Nepals konnte zunächst der Helikopter nicht landen, ein Esel brachte den Patienten zum nächsten Evakuierungspunkt.

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