DER STANDARD-Usergeschichten: "Stndrd, wink amoi!"

    Userartikel2. Oktober 2018, 09:24
    459 Postings

    Der langjährige User "stndrd" erzählt von seiner Beziehung zum STANDARD und warum er selbst im Fußballstadion seiner Lieblingszeitung nicht entkommt

    Fan des SKN St. Pölten zu sein ist selbst in der Landeshauptstadt nicht unbedingt üblich. Die Nähe zu Wien und zu dessen Großvereinen sowie eine gewisse – umschreiben wir es einmal charmant – Lustlosigkeit der St. Pöltner an der Sache Fußball im Generellen bringen es mit sich, dass zu den Heimspielen des SKN St. Pölten meist nur ein paar tausend Zuschauer kommen. Wenn überhaupt.

    Beginnend mit meiner Übersiedlung von Wien nach St. Pölten im Jänner 2012 und der bald darauf erfolgten Eröffnung der neuen Heimstätte des Vereins, der NV-Arena, entwickelte sich bei mir nichtsdestotrotz eine ausgesprochene Liebe zu diesem Verein, an der auch das Sportforum des STANDARD seinen Anteil hatte. Gerade "zuagraste" Wiener wie ich verlieren in St. Pölten schwerlich ihr Fußballfanherz an die Blau-Gelb-Roten der Landeshauptstadt. Vermutlich auch deshalb, weil die legendäre Zeit des Vorgängervereins VSE St. Pölten am Voithplatz schon lange zurückliegt.

    Meine Begeisterung für den SKN brachte ich von Anfang an auch im Fußballforum des STANDARD in den eher mäßig besuchten Artikeln zur zweiten Spielklasse – in der der SKN bis 2016 noch spielte – euphorisch zum Ausdruck. Ich glaube, irgendwie fiel ich im Sportforum unter den vielen hundert Postern schon deswegen auf, weil ich damals der einzige Verrückte war, der gerade für diesen Verein, der nicht bei allen in Fußballösterreich geschätzt wird, im Sportforum Herzblut bewies.

    Ein Tag im November

    An einem bitterkalten Herbsttag, dem 30. November 2016, mitten in unserer ersten, ausgesprochen durchwachsenen Bundesliga-Saison, ging es gegen den WAC aus Wolfsberg. Das Spiel tröpfelte in der feuchten Herbstkälte des Traisentals ziemlich gemächlich dahin. Nach einer halben Stunde, beim Spielstand von 0:0, genau nach dem Genuss einer wärmenden Käseleberkäsesemmel, glaubte ich plötzlich meinen Ohren nicht zu trauen, als die eingefleischtesten aller SKN-Fans, die "Wolfbrigade 04", mitten auf der Heimtribüne in meine Richtung herüberschauten und einen Sprechchor anstimmten.

    "Stndrd, wink amoi! Stndrd, wink amoi!"

    Wie bitte? Was war jetzt los? Zum Glück hatte ich das Leberkäsesemmerl schon ganz aufgegessen, sonst wären mir sicher zwei Stück Käse, eines vom Wortanfang und eines vom Wortende des Käseleberkäses, wieder aus dem Mund geplumpst. (Falls jemand gerade den spontanen Wunsch verspürt, über die Qualität dieses Wortwitzes zu lästern, unter diesem Artikel ist vortrefflich Platz dafür ...)

    Nach einer gefühlten Ewigkeit der Ungläubigkeit riss ich mein Smartphone in die Höhe und erwischte den Auslöser schnell genug, um das gleichzeitig hochgehaltene Taferl mit der Aufschrift "stndrd wanted online or alive" noch auf digitales Zelluloid zu bannen.

    foto: privat

    Anschließend trabte ich einigermaßen perplex zu unseren Elitefans die Stufen hinunter, plauderte mit ihnen und bedankte mich für die witzige Aktion. Wie sich herausstellte, wollten sie einfach mal wissen, wer dieser ominöse SKN-Fan aus dem STANDARD-Forum eigentlich ist, den sie bislang nicht kannten.

    Dass mein Herzensverein das Spiel noch glatt mit 0:4 verlor, tat meiner Überraschung über die nette Aktion keinen Abbruch. Nach der üblichen Nachbesprechung des Matches im geheizten Fancorner des Stadions verewigte ich meine Eindrücke im Matchartikel der Sportredaktion.

    Warum bin ich hier?

    Das Posten im STANDARD-Forum ist für mich mittlerweile integrierter Bestandteil meines Alltags. Das mag für den einen oder anderen erschreckend klingen, aber es ist nun mal so, dass das Lesen von Onlineartikeln mit dem Wunsch nach Meinungsäußerung einhergeht und ich daher gerne und oft meinen Senf dazugebe.

    Ich poste im STANDARD seit nunmehr neun Jahren sehr intensiv und nach wie vor mit Begeisterung. Von meinem Registrierungsdatum im Jahr 2000 (25. September 2000, 12.02 Uhr, Anm.) darf man sich nicht täuschen lassen. Es hat ganze neun Jahre gedauert, bis mein erstes Posting das Licht der Welt erblickte. Selbstverständlich ein Meisterwerk an Aussagekraft – und wo sonst als in einem Fußball-Liveticker?

    Dass das Posting nicht grüngestrichelt wurde, war gleich einmal eine herbe Enttäuschung. Ich blieb aber hartnäckig und postete weiter. Ich begann das Posten im Forum eigentlich nur deshalb, weil ich andere Menschen – manchmal vielleicht sogar auf eine leicht verbissene Art und Weise – von meiner Meinung überzeugen wollte. Heute sehe ich vieles wesentlich entspannter.

    Echtes Leben schlägt Forum

    Ein Grund für meine entspanntere Haltung mag auch sein, dass ich mittlerweile zahlreiche User im echten Leben kennengelernt habe. So ein Schritt zu einem Treffen außerhalb des Forums war für mich nicht einfach. Ich kann mich heute noch daran erinnern, wie ich vor einigen Jahren herzklopfend auf "Père Lachaise" und "NORACSA" wartete, als wir uns in einem Lokal treffen wollten. Es ist schon ein bisschen ein Wagnis, und es standen stets diese brennenden Fragen im Vordergrund: Was erzählt man von sich, und was passiert, wenn jemand anderer Informationen, die man preisgibt, im Forum postet?

    Inzwischen treffe ich immer wieder User zum Vergnügen, teilweise Fans der gegnerischen Mannschaften in Fußballstadien, teilweise Langzeitposter aus diversen Foren. Froh bin ich darüber, dass ich dabei noch nie schlechte Erfahrungen gemacht habe. Die eiserne Regel, nichts zu posten, was man bei einem Offlinetreffen erfahren hat, ist für die meisten selbstverständlich.

    Ich möchte auch anderen Usern hiermit Mut machen, Gelegenheiten zu Treffen zu nützen, wenn sie sich ergeben. Der Kommunikationskultur ist ein Austausch im echten Leben mit Sicherheit nicht abträglich. Postings von Usern, die man kennt, lesen sich anders, weil man den Menschen dahinter kennengelernt hat. Auch das eigene Postingverhalten verändert sich – man antwortet auf solche Postings möglicherweise auch auf passendere Art und Weise.

    Übrigens: "stndrd" – was ist das eigentlich für ein Name?

    Als ich mich registrierte, hatte ich beruflich mit SAP-Software zu tun. Zu jener Zeit war es Usus, im Programmcode Variablen auf Deutsch zu benennen. Um die Variablennamen zu kürzen, haben wir in erster Linie die Selbstlaute weggelassen. Den Variablennamen "LfdNr" kann nämlich zwar kein Mensch mehr flüssig aussprechen, aber beim Lesen weiß man mit etwas Vorwissen, dass es sich um eine "Laufende Nummer" handelt.

    Als ich mich registrierte, nahm die Suche nach einem Usernamen in etwa volle zehn Sekunden meiner Lebenszeit in Anspruch. Aus "Der Standard" wurde rasch das vokallose "stndrd", was sich gerade bei Treffen im echten Leben als einigermaßen unpraktisch entpuppt, da man sich am Beginn in etwa so vorstellt: "Hallo, ich bin der stöndörd!"

    Und ja, hätte ich gewusst, dass dieses Forum so eine Erfolgsgeschichte wird, hätte ich mir gewiss einen Namen von epochalerer Bedeutung ausgesucht.

    Einfach einmal Danke sagen

    Ich bedanke mich beim STANDARD für die Möglichkeit, zu seinem 30. Geburtstag einmal oberhalb eines Forums einige Zeilen verfassen zu dürfen, und ganz im Speziellen bei der Sportredaktion und allen werten Mitpostern und Mitposterinnen aus dem Fußballforum, über deren Postings ich in Fußball-Livetickern unzählige Male Tränen lachen durfte. Man liest sich. (stndrd, 2.10.2018)

    "Stndrd" ist seit September 2000 auf derStandard.at registriert und hat seither über 106.000 Postings verfasst. Abseits des Forums arbeitet er nach Jahrzehnten als Software-Entwickler nun schon seit einigen Jahren als Lehrer und unterrichtet Burschen und Mädchen in Programmieren und bereitet sie dabei auf die berufliche Praxis vor.

    Und Sie?

    Wollen auch Sie Ihre Geschichte mit dem STANDARD erzählen, dann schreiben Sie uns an ugc@derStandard.at

    • User "stndrd" in seinem zweiten Wohnzimmer im St. Pöltner Stadion.
      foto: tobias weber, skn st. pölten

      User "stndrd" in seinem zweiten Wohnzimmer im St. Pöltner Stadion.

    • Und plötzlich hörte man "stndrd, wink amoi!" auf der Tribüne.
      foto: privat

      Und plötzlich hörte man "stndrd, wink amoi!" auf der Tribüne.

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