Bootsunfall bei "Girls Camp": Bundesheer setzte keinen Notruf ab

27. September 2018, 10:54
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Die Lage wurde zunächst offenbar falsch eingeschätzt. Der Gesundheitszustand der Verunglückten ist weiter kritisch

Ein Schnupperwochenende beim Bundesheer nahm für zwei Teilnehmerinnen Anfang September ein tragisches Ende. Im Rahmen des "Girls Camp" wurde am 1. September eine Bootsfahrt auf der Donau bei Hainburg unternommen. Ein Pionierboot des Heeres mit 13 Insassen kenterte jedoch – offenbar nachdem es auf eine Welle gefahren war, die daraufhin hineingeschwappt sei. Insassen waren danach unter das gekenterte Arbeits- und Transportboot geraten.

Noch immer ist der Gesundheitszustand von zwei verunglückten jungen Frauen, die 40 Minuten lang unter Wasser waren, kritisch. Auf Wunsch der Familie werden keine Details preisgegeben. Bezüglich des Unfallhergangs und vor allem der Rettungsaktion sind drei Wochen nach dem Unfall weiterhin Fragen zu klären – etwa warum die Frauen so lange unter Wasser waren. Wie der ORF Niederösterreich am Mittwoch berichtete, gibt es Hinweise, dass das Bundesheer die Lage zunächst falsch eingeschätzt haben könnte.

Fraglich ist zunächst, wie es zu dem hohen Wellengang auf der Donau kam. Ein Güterschiff oder Schubschiff, das einen hohen Wellengang verursacht haben könnte, war zu diesem Zeitpunkt nicht unterwegs. Ermittelt wird deshalb, ob die Wellen durch die Fahrweise der Bundesheerboote verursacht wurden.

Insgesamt waren vier Heeresboote auf der Donau unterwegs. Weil zur selben Zeit eine Katastrophenübung der Feuerwehr stattgefunden habe, seien Helfer rasch zur Stelle gewesen.

Wie Recherchen des ORF zeigen, konnte das verunglückte Bundesheerboot spätestens um 10.03 Uhr, also 14 Minuten nach dem Unfall, an eine Sandbank am linken Ufer der Donau gebracht werden. Die Sandbank ist mehr als einen Kilometer von der Unfallstelle entfernt. Um 10.04 Uhr setzte ein Feuerwehrmann aus dem Bezirk Neunkirchen, der an der Übung teilgenommen hatte, schließlich einen Notruf ab.

Um 10.07 Uhr erreichte die Schifffahrtsaufsicht, die gemeinsam mit der Feuerwehr geübt hatte, die Sandbank. 18 Minuten nach dem Unfall war noch immer unklar, ob jemand vermisst wird. Das bestätigten mehrere Einsatzkräfte. Außerdem liegt ein Foto von 10.11 Uhr vor, auf dem zu sehen ist, dass nicht alle Soldaten an einer aktiven Suche beteiligt waren.

Frauen nicht vermisst

Auch ein anderes Foto, das um 10.17 Uhr in der Nähe der Sandbank aufgenommen wurde, zeigt, dass die beiden Frauen offenbar nicht vermisst wurden. Stattdessen wurde das gekenterte Boot für die Bergung vorbereitet. Gegen 10.28 Uhr wurde das Boot schließlich angehoben und die erste Frau ans Ufer gebracht. Dort wurde sie 39 Minuten nach dem Unfall reanimiert. Sechs Minuten später konnte die zweite Teilnehmerin geborgen werden.

Der Sprecher des Bundesheers, Michael Bauer, auf Twitter zu den aktuellen Recherchen.

Auf die neuen Vorwürfe angesprochen, hieß es seitens des Bundesheers, dass "noch auf der Donau eine Standeskontrolle durchgeführt worden ist". Bundesheerintern wurde eine Untersuchungskommission eingerichtet.

Der Abschlussbericht soll Anfang Oktober veröffentlicht werden. Bis dahin wolle man nicht spekulieren", hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage. (red, 27.9.2018)

  • Nach dem Unfall auf der Donau sind weiterhin viele Fragen offen.
    foto: apa/harald schneider

    Nach dem Unfall auf der Donau sind weiterhin viele Fragen offen.

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