Chefwechsel bei der RAI: Journalist Foa neuer Präsident

    27. September 2018, 10:11
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    55-jähriger Mailänder arbeitete bei Berlusconi-Zeitung – Kritiker werfen ihm Putin-Sympathien und Verschwörungstheorien vor

    Rom – Italiens öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI hat einen neuen Präsidenten. Der Mailänder Journalist Marcello Foa übernimmt die Führung des Staatsfernsehens, nachdem er am Mittwochabend Grünes Licht der parlamentarischen Aufsichtskommission für die RAI erhalten hat.

    "Ich war noch nie Mitglied einer Partei. Ich habe nie Verbindungen zu politischen Kräften gehabt, um Karriere zu machen. In der RAI werde ich Garant für Pluralismus sein", sagte der 55-jährige Foa. Er war bereits im Juli von der Regierung als Lega und Fünf Sterne-Bewegung zum RAI-Präsidenten designiert worden. Wegen des Widerstands der Opposition hatte er jedoch nicht die Zustimmung der parlamentarischen Aufsichtskommission erhalten. Erst nach mehrwöchigem Tauziehen entschloss sich die oppositionelle Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi, für den Kandidaten Foa zu stimmen.

    Konkurrenten überall

    Der RAI stehe keine leichte Aufgabe bevor, sagte der neue Präsident. "Konkurrenten sind nicht mehr nur private TV-Sender, sondern Kolosse wie Netflix, Amazon und Apple, die ihr Angebot diversifizieren und mit einer riesigen Kundschaft rechnen können. Die Konkurrenz des Internets wird immer stärker. Wir müssen ihr standhalten, damit die RAI weiterhin zu einem kulturellen und journalistischen Anhaltspunkt für die Italiener bleibt", sagte Foa.

    Der Journalist und außenpolitische Experte war viele Jahre bei der Tageszeitung "Il Giornale" im Besitz Berlusconis tätig, bevor er Chefredakteur der Tessiner Tageszeitung "Corriere del Ticino" wurde. Er war zuletzt wegen eines Tweets ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, in dem er Staatspräsident Sergio Mattarella attackiert hatte, weil er im Mai die Ernennung des europakritischen Experten Paolo Savona zum Wirtschaftsminister gestoppt hatte. Foa trat in der Vergangenheit als Verteidiger von Russlands Staatschef Wladimir Putin in Erscheinung. Seine Gegner werfen ihm vor, wiederholt Verschwörungstheorien verbreitet und öffentlich Impfgegner unterstützt zu haben. Foa wies die Beschuldigungen zurück. (APA, 27.9.2018)

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