Fed provoziert mit weiterer Zinserhöhung Ärger mit Trump

    27. September 2018, 07:51
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    Die US-Notenbank bleibt trotz Gegenwehr des Präsidenten auf Kurs. Der Leitzins steigt um 0,25 Prozentpunkte

    Washington – Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins erneut angehoben und will bis Ende 2019 noch viermal nachlegen. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld ("Fed Funds Rate") steigt um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent, wie die US-Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch mitteilten.

    Es war bereits der dritte Schritt nach oben in diesem Jahr – nach entsprechenden Entscheidungen im März und Juni. Wahrscheinlich wird noch eine weitere Erhöhung gegen Jahresende hinzukommen, wie aus dem aktualisierten Zinsausblick hervorgeht. 2019 sollen drei Schritte nach oben folgen, wie es die Notenbank bereits im Sommer signalisiert hatte.

    Überhitzung vorbeugen

    Die Fed reagiert damit auf die boomende US-Wirtschaft mit Vollbeschäftigung auf dem Arbeitsmarkt. In ihrer neuesten Wirtschaftsprognose geht sie von einem stärkeren Wirtschaftswachstum 2018 aus als angenommen. Auch 2019 dürfte die Wirtschaft etwas stärker zulegen als vorhergesagt. Mit den Zinserhöhungen kann die Fed einer Überhitzung der Konjunktur vorbeugen, die von Präsident Donald Trumps radikaler Steuerreform zusätzlich befeuert wird. Trump hatte sich im Sommer kritisch zu den Zinserhöhungen geäußert, wovon sich die Fed aber offenbar nicht beirren ließ.

    Im Weißen Haus wird das Gegensteuern der Notenbank nicht zuletzt wegen der Verteuerung des Schuldendiensts kritisch gesehen. Das Defizit der USA wird heuer und 2019 über der Marke von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet. Zudem stärken höhere Zinsen tendenziell die Währung. Ein stärkerer Dollar würde die Exporte verteuern und das riesige US-Handelsbilanzdefizit weiter erhöhen. Tatsächlich stieg der Dollar nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung, der Euro fiel auf 1,173 Dollar.

    Protektionismus schadet

    Doch nicht nur in der Frage der Zinsen richtet sich Fed-Chef Jerome Powell gegen Trump, der ihn nominiert hatte. Den immer weiter um sich greifenden Protektionismus bezeichnete er als schlecht für die USA und die Weltwirtschaft. Die Geschäftsleute in den USA seien zunehmend besorgt wegen Trumps Handelspolitik, so Powell. Er räumte freilich ein, dass die Auswirkungen des Handelsstreits derzeit noch immer relativ gering seien.

    Die Entscheidung der Fed hat an den Märkten vorerst keine allzu großen Reaktionen hervorgerufen, war der Schritt doch erwartet worden. An der Wall Street rutschte der Dow-Jones-Index leicht ins Minus. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen notierte etwas über drei Prozent. (red, 27.9.2018)

    Kommentar von Andreas Schnauder: Trumps Schuldenpolitik: Reaganomics

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