Mountainbiker wollen für Waldbesitzer nicht bremsen

27. September 2018, 13:00
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Mountainbiken ist zum gewichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Waldbesitzer sind nicht erfreut

Wandern boomt. Selbst junge Leute, die noch vor wenigen Jahren Berggehen als das Uncoolste vom Uncoolen empfunden haben, freuen sich, frühmorgens einen Sonnenaufgang in frischer Luft zu erleben. Immer öfter ist schon wer da, weil es mit dem Mountainbike, insbesondere mit elektrischer Unterstützung, schneller hinauf und noch schneller hinunter geht.

"Das E-Mountainbike ist dabei, erwachsen zu werden", sagte Claus Fleischer, Geschäftsführer von Bosch E-Bike Systems, bei einem Mountainbike-Kongress in Saalbach. Das Freizeitgerät, dessen rasant gestiegene Beliebtheit untrennbar mit dem kleinen Elektromotor verbunden ist, der das Treten unterstützt, sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

In wenigen Jahren wird jedes zweite in unseren Breiten verkaufte Rad ein E-Bike sein; bei Mountainbikes könnten gar drei Viertel der Exemplare einen Elektromotor eingebaut haben, glaubt Fleischer. Passend dazu die Ankündigung des Prämiumherstellers Rotwild aus Deutschland, ab 2020 nur noch E-Bikes zu bauen.

Gemeinden wie Leogang oder Sölden setzen gezielt auf die Mountainbike-Klientel. Dass damit die Auslastungszahlen in den schwächeren Sommermonaten signifikant gesteigert werden können, hat zumindest die Salzburger Gemeinde unter Beweis gestellt.

Gästerückgang gestoppt

In Leogang sind die Touristiker im Jahr 2000 auf das Mountainbike gestiegen – als Reaktion auf rückläufige Gästenächtigungen im Sommer. Eine Maßnahme war die Errichtung eines Bikeparks, der bald bis weit nach Norddeutschland ausstrahlte. Mittlerweile zählten die Bergbahnen etwa 300.000 Beförderungen im Sommer, nach lediglich rund 20.000 Ende der 1990er-Jahre, sagte Katharina Auer von der Saalfelden Leogang Touristik GmbH dem STANDARD. Das ist eine Verfünfzehnfachung in weniger als 20 Jahren.

Am Mountainbike hängt ein ganzer Rattenschwanz an Jobs, die es bereits gibt oder die im Entstehen begriffen sind – vom Mountainbike-Instruktor über Guides bis hin zu Mitarbeitern in Servicestellen. Mountainbiker wollen ihrem Hobby aber nicht nur in speziellen Parks frönen, sie wollen sich, Wanderern gleich, durch die Natur bewegen.

Das aber ist in Österreich, anders als in umliegenden Ländern, nur dort möglich, wo der Grundbesitzer ausdrücklich Ja dazu sagt. Rechtsgrundlage ist das Forstgesetz von 1975, wo in einem Passus steht, dass für das Befahren der Straßen eine Zustimmung des Grundbesitzers nötig ist.

Freigabe wäre "Schritt der Enteignung"

Dagegen rennen nicht nur die SPÖ-nahen Naturfreunde seit langem an, auch der Druck aus der Mountainbike-Community wird größer und größer. Martin Höbarth, Leiter der Abteilung Forstwirtschaft in der Landwirtschaftskammer, kann dem Ansinnen wenig abgewinnen. Eine generelle Freigabe der Forststraßen für Biker, wie dies etwa in Südtirol, der Schweiz oder Deutschland der Fall ist, "wäre ein weiterer Schritt der Enteignung". Höbarth plädiert für Lösungen "von Fall zu Fall".

"Wie viel Freizeitsport verträgt unsere Naturlandschaft noch?" war eine der Fragen, die bei dem noch bis Donnerstag dauernden Kongress in Saalbach diskutiert wurden. Grundtenor: sehr viel, sofern es gelingt, die zunehmende Zahl an Mountainbike-Begeisterten besser zu verteilen. (Günther Strobl, 27.9.2018)

  • Flowline bei der Hohen Wand: Mountainbiken erfreut sich bei Einheimischen wie Gästen großer Beliebtheit – und birgt Konfliktstoff.
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    Flowline bei der Hohen Wand: Mountainbiken erfreut sich bei Einheimischen wie Gästen großer Beliebtheit – und birgt Konfliktstoff.

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