Brösel im Steinbruch: Karl Prantls Sohn im Clinch mit der Esterházy-Stiftung

    26. September 2018, 17:07
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    Um die Skulpturen von St. Margarethen ist ein Rechtsstreit entbrannt

    St. Margarethen – Der Steinbruch im burgenländischen St. Margarethen ist nicht nur Schauplatz spektakulärer Operninszenierungen, das Areal ist auch ein Hotspot der modernen Skulptur. Ab 1959 lud der Künstler Karl Prantl internationale Bildhauer ein, aus dem dortigen Sandkalkstein Skulpturen zu schaffen, die teilweise bis heute auf dem Kogelberg zu sehen sind. Nun ist um dieses "Symposion europäischer Bildhauer" (SEB) ein Rechtsstreit entbrannt.

    Anfang August wurde dem Verein SEB der Pachtvertrag für das Gelände und das darauf gebaute "Bildhauerhaus" aufgekündigt. Genau genommen war die Pacht bereits 2011 ausgelaufen. Der Eigentümer, eine Esterházy-Stiftung, gestattete dem SEB jedoch, die Liegenschaft weiterhin unentgeltlich für Veranstaltungen zu nutzen. Allein: Nach Ansicht Esterházys hat der Verein das zwölf Hektar große Areal nicht hinreichend instand gehalten.

    Sorge um Sicherheit

    Nicht nur seien manche Skulpturen "überwuchert von Sträuchern", wie eine Unternehmenssprecherin sagt. Man sorge sich vor allem um die Sicherheit auf dem öffentlich zugänglichen Gelände: 2016 sei durch eine desolate Brücke ein Reh zu Tode gestürzt – "das hätte auch ein Kind sein können". Da in einem solchen Fall Eigentümer Esterházy haften müsste, bemühte man sich um Klärung der Zuständigkeiten. Ein Verfahren strengte man an, weil das SEB bereits seit 2011 jedes Gespräch verweigere.

    Das stimme so nicht, sagt Sebastian Prantl. Der 58-jährige Choreograf und Sohn Karl Prantls führt den Verein seit dem Tod seines Vaters 2010. Man sei bis heute gesprächsbereit, bloß müssten die Gespräche auf einer "positiven" Basis stattfinden. "Wir waren immer nur in Sitzungen mit Juristen", sagt Prantl, "nie mit Menschen, die sich inhaltlich beschäftigen wollten."

    Seiner Ansicht nach mangelt es Esterházy an Respekt für die Kunstgeschichte. Es gehe dem Unternehmen, das auch die Opernspiele betreibt, um Kontrolle und Immobilien. Prantl befürchtet, dass das Unternehmen ein Non-Profit- in ein Profit-Modell verwandeln will, sprich: für die Besichtigung der Skulpturen künftig Eintritt verlangen könnte. Eine bloße "Fantasie" nennt das die Esterházy-Sprecherin. Ganz im Sinne Karl Prantls wolle man das Areal, das seit 2015 zudem unter Denkmalschutz steht, frei zugänglich halten.

    Wem gehören die Skulpturen?

    Streitpunkt ist auch, wem die Skulpturen gehören. 150 waren es, einige wurden aber über die Jahre von Künstlern abgeholt oder ins zwanzig Kilometer entfernte Pöttsching gebracht, wo der Verein juristisch seinen Sitz hat. Gehören die restlichen 46 dem SEB – oder Esterházy als Eigentümer jener Liegenschaft, aus deren Landmasse sie geschaffen sind? "Rein rechtlich" könne man das so sehen, sagt die Sprecherin, betont aber, dass man keinerlei Eigentumsanspruch erhebe.

    Als jüngst eine der Skulpturen "gestohlen" wurde, war es jedenfalls die Esterházy-Stiftung, die Anzeige erstattete. Es stellte sich allerdings heraus, dass Prantl selbst sie nach Pöttsching geholt hatte, um das von ihm verfochtene Recht des Vereins an den Skulpturen zu bekräftigen. (Roman Gerold, 26.9.2018)

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