Funke-Digitalchef Thurm: Robotertexte sind "Einheitsbrei"

    27. September 2018, 09:52
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    In einzelnen Bereichen funktioniert Roboterjournalismus, in anderen nicht – beim STANDARD gibt es bisher keine automatisch generierten Texte

    Wien – Wird es in zehn Jahren dank Robotern einen besseren Journalismus geben? Die Besucher der 25. Östereichischen Medientage eint der Pessimismus: Nur eine einzige Person im Publikum hebt die Hand. Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie einfache Telefongespräche führen kann, etwa um einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren. Auch im Journalismus fasst die KI langsam Fuß.

    Im Sport habe man mit automatisierter Texterstellung gute Erfahrungen gemacht, sagt Stephan Thurm, Digitalchef der Funke Mediengruppe. Es gebe sogar einige Produkte, bei denen 50 Prozent der Texte von Robotern stammen.

    Bei der "Berliner Morgenpost" experimentierte man mit automatisch generierten Feinstaubberichten – das funktionierte allerdings weniger gut. "Auch Roboter kosten etwas", sagt Thurm. "Man braucht eine sehr gute Datenbasis und man muss den Bot trainieren." Die Texte seien außerdem hauptsächlich "Einheitsbrei", die Tonalität sei sehr ähnlich – und das könnte Medienmarken schaden.

    STANDARD setzt auf menschliche Arbeit

    DER STANDARD arbeitet zwar nicht mit Textrobotern, hat aber auch Algorithmen im Einsatz, etwa auf derStandard.de, das vor einem Jahr startete. "Wir haben in diesem Jahr einiges gelernt", sagte STANDARD-Verlagsleiterin Gerline Hinterleitner. In einer neuen Version soll es Redakteuren möglich sein, den Artikeln "mehr Eigenschaften mitzugeben", etwa Aktualität oder Relevanz. Es mache keinen Sinn, einen gut recherchieren Artikel zu veröffentlichen, wenn der Fokus der Leser gerade woanders liegt.

    Auch die vorgeschlagenen Postings vor dem eigentlichen Kommentarfeld auf derStandard.at wurden algorithmisch befüllt, jetzt entscheiden allerdings Communitymanager – die Qualität sei nun wesentlich höher. Hinterleitner sieht Software als Hilfsmittel, letztlich sollen Menschen entscheiden, wie weit sie gehen darf. Deshalb kann die Redaktion seit Beginn in die Algorithmen eingreifen. An Personalisierung arbeite man beim STANDARD kaum. "Ich stelle mir das im General-Interest- Bereich schwierig vor", sagt sie.

    Wilfinger: KI entmystifizieren

    Christina Wilfinger von Microsoft Österreich sieht die Entwicklung naturgemäß positiv. "Es heißt immer wieder 'KI bedroht Arbeitsplätze', ich möchte das zu 'KI reduziert Arbeitsprozesse' revidieren". Mithilfe künstlicher Intelligenz könnten Journalisten wieder zu ihren Kernwertschöpfungstätigkeiten zurückkehren und kreativ sein. Mit der Associated Press (AP) arbeite man etwa zusammen, um standardisierte Börsenberichte zu erstellen. Das seien nicht "die aufregensten Beiträge, mit denen man sich als Journalist befasst."

    Wilfinger will Künstliche Intelligenz entmystifizieren. So neu sei die Technologie gar nicht, wenn man bedenkt, dass es "nur Mathematik" ist. Nur die Rechenpower habe eben bis jetzt gefehlt. Das alleine reicht allerdings nicht. "Künstliche Intelligenz ohne Mensch dahinter ist dumm", sagt Wilfinger. (pp, 26.9.2018)

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