Basketball droht TV-Blackout: "Jetzt wachen alle Vereine auf"

    26. September 2018, 12:26
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    Das schwere Match der Basketball-Liga um Zuschauer, TV-Vertrag und Hauptsponsor

    Wien – Die Analyse des Ist-Zustandes ist Karl Schweitzer gelungen. "Fakt ist, dass sich Basketball nicht weiterentwickelt", sagt der Präsident der österreichischen Basketball-Bundesliga (ABL). Die Zuschauerzahlen sind rückläufig, das sportliche Niveau stagniert, im Nationalteam gibt es keinen Nachschub an Talenten.

    "Jetzt wachen alle Vereine auf, wir nehmen die Signal zur Kenntnis. Ansonsten wird unsere Position als Mannschaftssport Nummer drei in diesem Land gefährdet sein." Es sind nicht die besten Voraussetzungen für eine Saison, nach der sowohl der Vertrag mit Hauptsponsor Admiral als auch jener mit TV-Partner Sky ausläuft. Die ABL könnte auch mit anderen Fernsehpartnern Bilder produzieren, die Konditionen wären aber sicher ungünstiger für Liga und Vereine. Als Bedingung für eine Vertragsverlängerung verlangt der Pay-TV-Sender, basierend auf einem Maßnahmenplan, auf praktisch allen Ebenen Professionalisierung und mehr Dynamik bei den Klubs hinsichtlich Marketing und PR.

    Liga von TV-Vertrag abhängig?

    Fix ist: Ohne Fernsehvertrag steigt der Liga-Hauptsponsor aus. Dass ein Liga ohne Fernsehbilder die Werbe-Etats der Klubs kannibalisiert, glaubt Liga-Präsidiumsmitglied Christoph Kaufmann nicht. "Kaum ein Sponsor steckt sein Geld in Vereine wegen der Medienpräsenz, weil die ist ohnehin überschaubar."

    Ein viel drängenderes Problem sieht Kaufmann in der Finanzierung des Spielbetriebs. "Würde man die Saison um zwei Monate verkürzen, würde das den Vereinen Geld ersparen, das sie in Qualität investieren könnten." Ein Fragezeichen bleibt auch diesmal, ob "alle Vereine diese Saison finanziell derheben".

    Sportlich spannender wird die neue Saison auf jeden Fall, es gibt wieder eine Zehnerliga mit einem echten Viertelfinale im Playoff und mit den Vienna D.C. Timberwolves einen sehnlichst erwarteten zweiten Haupstadtklub in der ABL. Dazu soll mit einem TV-Live-Spiel am Samstag um 20 Uhr mehr Interesse generiert werden. Basketball läuft also ab dieser Saison direkt nach der Samstags-Konferenz der Fußballer. Ein Lichtblick ist Graz: Mit dem Sportpark-Graz wurde eine schmucke, moderne Ballsporthalle realisiert, die 3000 Zuschauern Platz bietet.

    Alles ok, oder nicht?

    Der ewige Konflikt zwischen Liga und Verband dürfte vorerst beigelegt sein. Nachdem der ÖBV den Vertrag mit der Liga gekündigt hatte, dürfte Verbands-Generalsekretär Michael Schrittwieser mangels Unterstützung der Vereine zurückgerudert sein. "Es wird ein Sportboard mit zwei ÖBV-Vertretern und zwei von den Bundesligen geben", sagt Karl Schweitzer.

    Sonst dürfte sich kaum etwas ändern. Auch nicht Schrittwiesers pikante Rolle. Kapfenberg-Spieler Marck Coffin gab sich bei der Pressekonferenz vor dem Liga-Auftakt zufrieden mit der Kaderpolitik des regierenden Meisters aus der Steiermark. Und meinte auf Moderator-Nachfrage, ob er das nicht sowieso sein müsste: "Muss ich nicht – oder, Herr Schrittwieser?" Es scheint, als ob der nur kurz anwesende ÖBV-Generalsekretär doch auch noch in Kapfenberg das Sagen hat. (Florian Vetter, 26.9.2018)

    • Ab Samstag wird in Österreich wieder Basketball gespielt, eröffnen Meister Kapfenberg und Gmunden mit dem Supercup die Saison.
      foto: apa/expa/roland hackl

      Ab Samstag wird in Österreich wieder Basketball gespielt, eröffnen Meister Kapfenberg und Gmunden mit dem Supercup die Saison.

    • Das Ambiente bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz: vorne das Podium, im Hintergrund die Spielautomaten.
      foto: florian vetter

      Das Ambiente bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz: vorne das Podium, im Hintergrund die Spielautomaten.

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