Diesel als E-Bike-Treibstoff

26. September 2018, 12:29
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Auf dem Flusskreuzfahrtschiff A-Rosa Viva kann man nun gegen Aufpreis E-Bikes ausborgen. Doch woher kommt der Strom zum Laden der Akkus?

Man hat es gleich in den schillerndsten Farben vor dem geistigen Auge: eine Gruppe gut gelaunter Kreuzfahrttouristen, die mit dem neuen weißen E-Bike den Fluss entlangradeln. Urlaub, Entspannung, Natur, Bewegung. Ja, das geht jetzt, weil die Rostocker Reederei A-Rosa Flussschiff GmbH mit der A-Rosa Viva das erste ihrer Schiffe mit neuen E-Bikes für die Gäste bestückt. Die anderen Schiffe werden bald folgen, kann man sich vorstellen, wenn es von A-Rosa, zur Einführung der E-Bikes, in einer mitreißenden Presseaussendung heißt: "Hierbei reagiert die Reederei auf den anhaltenden Trend und die steigende Nachfrage nach E-Bikes. Alle Fahrradtouren werden geführt angeboten und sind an Bord buchbar."

foto: a-rosa flussschiff gmbh
Im Vordergrund das blütenweiße E-Bike, im Hintergrund die A-Rosa Viva mit riesigen Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung.

Das ist ja auch eine wirklich gute Idee. Die Flusskreuzfahrt-Touristen wollen ja die Natur genießen, etwas von der Gegend sehen und dabei zwar sicher körperlich aktiv sein, ohne aber gleich ein Ausdauertrainingsprogramm zu starten. Und so radeln sie entspannt die Donau, die Seine oder den Rhein entlang. Vorneweg der Tour-Guide, der auf Blumerl, Vogerl und andere Viecherl aufmerksam macht, im Hintergrund die 135 Meter lange, 11,4 Meter breite und 2.000 Tonnen schwere A-Rosa Viva. Ihre vier Volvo-Penta-Motoren haben eine Leistung von 1.800 PS, zusätzlich arbeiten riesige Generatoren daran, das elektrische Bordnetz zur Verfügung zu stellen.

Die werden doch nicht!

Moment. Die werden doch nicht die Akkus der E-Bikes mit Strom aus den Schiffsgeneratoren aufladen? Und falls doch, womit werden diese Generatoren angetrieben? Schweröl oder Diesel? Klare Antworten auf diese Fragen gibt A-Rosa auf Nachfrage nicht, malt aber weiter schöne Bilder: "Da A-Rosa die Natur und die Umwelt sehr am Herzen liegt, ist das Thema Nachhaltigkeit fest in der Firmenphilosophie verankert. Wir möchten unsere Flüsse schonen und erhalten, daher wird die A-Rosa-Flotte sukzessive mit neuen, kraftstoffsparenden Motoren ausgestattet", antwortet Alexander Borchardt von der A-Rosa-Pressestelle. Fünf Schiffe haben schon die neuen Hauptantriebsmotoren, erklärt er weiter. Darunter auch die Viva. Zwei Schiffe sind sogar schon "mit sogenannten Rußpartikelfiltern zur Abgasnachbehandlung, welche in Verbindung mit einer nassen Abgasführung den Schadstoffausstoß minimieren", ausgerüstet. Darunter ist aber nicht die Viva.

Eine klare Antwort gibt es dann aber doch. Ja, die Akkus werden über das Bordstromnetz geladen. Aber das ist natürlich halb so wild, denn ehrlich gestanden ist es ja so, dass "in vielen Häfen die Schiffe der A-Rosa-Flotte auch auf eine Landstromversorgung zurückgreifen können, welche den Hotelbetrieb in den jeweiligen Städten aufrechterhält und zum Herunterfahren der Maschinen führt", erklärt Borchardt. Aber Moment! Ist das nicht genau dann, wenn die E-Bikes gerade an Land unterwegs sind? (Guido Gluschitsch, 26.9.2018)

Update 26.9., 14.53 Uhr: Nach Postings von "Pogled" und "WBR" – siehe unten – habe ich den Titel von "Schweröl als E-Bike-Treibstoff" auf "Diesel als E-Bike-Treibstoff" und die zweite Frage im vorletzten Absatz auf "Schweröl oder Diesel?" geändert. (glu)

Update 26.9., 15.33 Uhr: Alexander Borchardt von A-Rosa antwortet: "Unsere Flotte wird mit Marine-Gasöl betrieben." Anders als Diesel ist Marine-Gasöl ähnlich oder mitunter gleich wie Heizöl. (glu)

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