Niederländischer Triplesieg im Zeitfahren der Damen

    25. September 2018, 16:50
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    Titelverteidigerin Van Vleuten gewann vor Van der Breggen und Van Dijk – Österreicherinnen weit zurück

    Innsbruck – Nein, das waren nicht die niederländischen Meisterschaften im Einzelzeitfahren der Damen. Aber was das Team um die alte, neue Weltmeisterin Annemiek van Vleuten da am Dienstag bei der Rad-WM in Tirol ablieferte, war eine Galavorstellung. Die Damen in Orange wiesen die Konkurrentinnen deutlich in die Schranken und reklamierten das Podium kurzerhand für sich. Silber ging an Anna van der Breggen und Bronze an Ellen van Duk.

    Es war zugleich die Retourkutsche für die empfindliche Schmach vom Sonntag. Denn beim Teamzeitfahren mussten sich die als Favoritinnen gehandelten Teams aus den Niederlanden überraschend den deutschen Damen vom Canyon-Sram-Rennstall geschlagen geben.

    Für die beiden Österreicherinnen, die beim Einzelzeitfahren am Start waren, gab es nichts zu holen. Barbara Mayer war nach einem Sturz chancenlos, und auch für Martina Ritter blieb es bei einem 25. Platz.

    Überhaupt scheint Rennradfahren die Paradedisziplin der Flachlandler zu sein. Denn bislang gingen alle Goldmedaillen an nichtalpine Nationen. Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung des jungen Belgiers Remco Evenepoel, der sich am Dienstag zum Juniorenweltmeister im Einzelzeitfahren krönte. Mit der Art und Weise, wie er das Feld deklassierte, untermauerte er seinen Ruf als junger Eddy Merckx, den er in seiner Heimat bereits genießt.

    Eine Enttäuschung

    Aus österreichischer Sicht war die WM bislang sportlich enttäuschend. Der EM-Bronzemedaillengewinner im U23-Einzelzeitfahren, Markus Wildauer, rechnete sich Chancen auf einen Platz unter den besten fünf aus, am Ende wurde es der 34. Die Heim-WM war dennoch eine positive Erfahrung für ihn: "Schneller hätte ich nicht fahren können, ich bin nicht enttäuscht."

    Positive Überraschung aus heimischer Sicht war bisher das Tirol Cycling Team. Die blutjunge Truppe schaffte beim Mannschaftszeitfahren am Sonntag den beachtlichen 17. Rang.

    Am Mittwoch steht noch das Einzelzeitfahren der Herren auf dem Programm, wobei aus österreichischer Sicht auch dabei keine Medaille greifbar scheint. Ab Donnerstag starten dann die Straßenrennen im Peloton, die für deutlich mehr Zuschauerinteresse sorgen dürften, als die Zeitfahrentscheidungen dies bisher taten.

    Kein Chaos

    Das befürchtete Verkehrschaos blieb bisher aus, wobei die ausgedehnteren Straßensperren erst kommen. Dafür scheinen die Tiroler Gefallen an der Rad-WM gefunden zu haben und säumen zu Tausenden die Strecke, auch bei den Nachwuchsrennen. Und dank des herrlichen, wenngleich frischen Herbstwetters freuen sich die Veranstalter über die werbewirksamen Bilder, die in alle Welt verschickt werden.

    Auch die internationalen Radfans trudeln langsam ein. Beflaggte Wohnmobile, die Fanzuordnungen erleichtern, säumen bereits die Rennstrecken. Für das große Straßenrennen der Herren am Sonntag werden hunderttausende Zuschauer erwartet.

    Die großen Stars wie Peter Sagan sind noch nicht in Tirol. Der slowakische Titelverteidiger bereitet sich in Monaco auf die WM vor, für die er bereits mehrere Kilo abgespeckt haben soll, um mit den 4000 Höhenmetern fertig zu werden, die ihn erwarten. Auch der Spanier Alejandro Valverde hat nach sechs WM-Podiumsplätzen, aber keinem Sieg, viel vor. (Steffen Arora, 25.9.2018)

    Einzelzeitfahren Damen (Wattens – Innsbruck/27,8 km): 1. Annemiek van Vleuten (NED) 34:25,36 Min. – 2. Anna van der Breggen (NED) +28,99 Sek. – 3. Ellen van Dijk (NED) 1:25,19 Min. – 4. Leah Kirchmann (CAN) 1:26,81 – 5. Leah Thomas (USA) 1:32,39 – 6. Lucinda Brand (NED) 1:42,59 – 7. Amber Neben (USA) 1:47,58 – 8. Karol-Ann Canuel (CAN) 2:15,86. Weiter: 25. Martina Ritter (AUT) 3:51,20 – 37. Barbara Mayer (AUT) 4:40,87

    • Annemiek van Vleuten raste in 34:25 Minuten von Wattens nach Innsbruck.
      foto: ap/ kerstin joensson

      Annemiek van Vleuten raste in 34:25 Minuten von Wattens nach Innsbruck.

    • Das Podest fest in niederländischer Hand.
      foto: apa/herbert neubauer

      Das Podest fest in niederländischer Hand.

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