Österreich gewinnt Firmenzentralen trotz höherer Steuerlast

25. September 2018, 07:42
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WU-Studie nennt zusätzliche Wertschöpfung als Motivation und Nähe zu Osteuropa als wichtigen Faktor

Wien – Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl internationaler Firmenzentralen in Österreich gestiegen. 20 Headquarters wanderten aus Österreich ab, aber 45 kamen dazu, ergab eine Studie an der Wirtschaftsuniversität Wien. Auch wenn die Studie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, zeigt sie deutlich, dass Wertschöpfung das Hauptmotiv für die Verlegung von Firmenzentralen ist. Nur ein Viertel der Verlegungen von Firmenzentralen war dadurch motiviert, Kosten einzusparen, ergab die Studie von WU-Professor Phillip Nell und Wissenschafter Jan Schmitt vom WU-Institut für International Business mit Unterstützung der Erste Bank Stiftung.

Hohe Steuern schrecken nicht ab

Von den hohen Steuern in Österreich lassen sich die Unternehmen offenbar nicht abschrecken. Denn Firmen, die ihren Sitz nach Österreich verlegten, hatten dadurch im Schnitt eine um 11,3 Prozentpunkte höhere Belastung der Einkommen mit Steuer und Sozialabgaben (48,4 Prozent statt 37,1 Prozent) und eine um 3,2 Prozentpunkte höhere Körperschaftssteuer (25,8 statt 22,6 Prozent) zu tragen.

Im Gegenzug waren Firmen, die ihre Zentrale aus Österreich abzogen, im Schnitt mit 9,1 Prozentpunkten weniger Abgaben auf Einkommen (39,3 statt 48,5 Prozent) und 4,1 Prozentpunkten weniger Körperschaftssteuer (22,3 statt 26,4 Prozent) belastet. Dafür bekamen die Unternehmen einen deutlich besseren institutionellen Rahmen in Österreich.

Die Studie stellt auch fest, dass es von 2009 bis 2017, also nach Ausbruch der Finanzkrise, rund doppelt so viele Verlegungen von Firmenzentralen gegeben hat wie zwischen 2000 und 2008. Das gilt sowohl für nach Österreich kommende als auch aus Österreich abgezogene Unternehmenssitze. Die Bedeutung der Wertschöpfung als Motiv für eine Verlegung nahm dabei zu. Die Nähe zu Osteuropa war ein wichtiger Faktor, der für eine Verlegung nach Österreich sprach – 20 Osteuropazentralen kamen nach Österreich, nur 5 wurden abgezogen.

Zusätzliche Beschäftigung

Die Intensität der Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland spiegelt sich auch in Bezug auf die Verlegung von Firmenzentralen: In neun Fällen übersiedelte eine Zentrale von Deutschland nach Österreich, in sechs Fällen ging es in die Gegenrichtung – 15 von 65 bedeutet knapp ein Viertel aller Verlegungen in beide Richtungen hatten mit Deutschland zu tun. Zweitwichtigstes Land war die Schweiz in beiden Richtungen. Aber immerhin ein Viertel aller nach Österreich verlegten Firmenzentralen kamen aus Übersee. Grundsätzlich sind Firmenzentralen für jedes Land wertvoll. Sie führen zu hochwertigen Jobs und schaffen zusätzliche Beschäftigung – pro Arbeitsplatz in einer Firmenzentrale entstehen weitere 2,5 Arbeitsplätze im Umfeld. (APA, 25.9.2018)

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