Oppositionskandidat siegt überraschend auf Malediven

    24. September 2018, 06:22
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    Ibrahim Mohamed Solih gewann die Präsidentenwahl gegen Amtsinhaber Yameen

    Male – Überraschung bei der Präsidentschaftswahl auf den Malediven: Oppositionskandidat Ibrahim Mohamed Solih hat sich gegen den autoritär regierenden Amtsinhaber Abdulla Yameen durchgesetzt. Die in der Nacht auf Montag veröffentlichten Ergebnisse zeigten Solih bei 58,3 Prozent der Stimmen, Oppositionsanhänger feierten seinen Sieg auf den Straßen. Solih forderte Yameen auf, einen friedlichen Machtwechsel zuzulassen und politische Gefangene freizulassen.

    "Sanften Machtwechsel ermöglichen"

    Von Yameen, der das Urlaubsparadies mit harter Hand regiert, gab es zunächst keine Reaktion auf das Ergebnis. "Ich rufe Yameen auf, den Willen des Volkes zu respektieren und einen friedlichen, sanften Machtwechsel zu ermöglichen", sagte Oppositionsführer Solih von der Maledivischen Demokratischen Partei (MDP).

    Ein Sieg des Oppositionsführers hatte als äußerst unwahrscheinlich gegolten, weil Yameen mit aller Härte gegen seine Kritiker vorgeht. Alle aussichtsreichen Konkurrenten des Staatschefs sitzen im Gefängnis oder mussten das Land verlassen. Am Samstag hatte die Polizei das Hauptquartier der MDP von Ex-Staatschef Mohamed Nasheed in der Hauptstadt Male gestürmt und das Gebäude stundenlang durchsucht.

    "Zurück auf den Weg der Demokratie"

    Nasheed hatte vor der Wahl angekündigt, das Votum könne "das Land zurück auf den Weg der Demokratie bringen". Der ehemalige Präsident, der zur Zeit im Exil lebt, ging davon aus, dass Yameen seine Niederlage eingestehen werde. "Er wird keine Leute um sich haben, die ihn dabei unterstützen weiterzukämpfen und zu bleiben", sagte er der AFP.

    Solih, ein erfahrener Politiker der Maldivian Democratic Party, war als Kandidat eines Bündnisses von Oppositionsparteien angetreten. Im Wahlkampf hatte er versprochen, die Korruption zu bekämpfen. Der 54-jährige Solih gilt als enger Vertrauter Nasheeds, des ersten frei gewählten Präsidenten des überwiegend muslimischen Inselstaates, der heute auf Sri Lanka lebt. In dessen Amtszeit von 2008 bis 2012 hatten die Malediven noch enge Beziehungen zum traditionellen Partner Indien gepflegt. Yameen hingegen steht China nahe.

    Zweifel an freier Wahl

    Angesichts der Verfolgung von Oppositionellen unter Yameen hatten Beobachter Zweifel geäußert, dass es eine freie und faire Wahl werde. Am Samstag hatte es eine Razzia in Solihs Wahlkampfbüro gegeben. Größere Vorkommnisse oder ernste Beschwerden wurden bei der Wahl aber zunächst nicht bekannt. Weil es zu langen Wartezeiten an den Wahllokalen kam, wurden diese drei Stunden später geschlossen als ursprünglich vorgesehen. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 88 Prozent der gut 262.000 Wahlberechtigten.

    Gewählt wurde ein halbes Jahr nach dem Ende eines 45-tägigen Ausnahmezustands, den Yameen im Februar ausgerufen hatte. Die Regierung hatte sich geweigert, eine Anordnung des Obersten Gerichts umzusetzen, inhaftierte Oppositionspolitiker freizulassen. Sie warf der Opposition einen Putschversuch vor und nahm zahlreiche Menschen fest – darunter zwei Richter des Obersten Gerichtshofs und den früheren, jahrzehntelang autokratisch regierenden Präsident Maumoon Abdul Gayoom, einen Halbbruder von Yameen. Alle drei wurden im Juni wegen Behinderung der Justiz zu 19 Monaten Haft verurteilt. (APA, 24.9.2018)

    • Ibrahim Mohamed Solih (Mitte) sorgte für einen überraschenden Wahlausgang.
      foto: ap/eranga jayawardena

      Ibrahim Mohamed Solih (Mitte) sorgte für einen überraschenden Wahlausgang.

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