Wie Österreichs Firmen China fürs Skifahren erwärmen

24. September 2018, 07:00
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Vier Jahre vor den Winterspielen fremdelt China nicht mehr mit Eis und Schnee. Österreich will sich in dem wachsenden Markt positionieren

Das Jahr 2022 ist weit weg und doch sehr nah. Wer bei den Olympischen Winterspiele in vier Jahren in Peking wirtschaftlich punkten will, muss sich in Position bringen. Gelegenheit dazu gab es bei der dritten Pekinger Wintersportmesse, die unter dem Motto "Die Macht von Eis und Schnee" stattfand.

500 Aussteller zeigten bis zum Wochenende, wie sie am Boom partizipieren wollen. China fremdelt nicht mehr mit dem neuen Sport, für den es keine Tradition kennt. Pekings Sufag GmbH schreibt selbstsicher: "We know snow." Sie meint damit nur, dass sie die Generalvertretung für viele europäische Unternehmen hat, die auf Schneekanonen aller Art spezialisiert sind. Das wasserarme Peking verlangt nach Kunstschnee in immensen Mengen.

Ein "unbeschriebenes Blatt"

Das tut der Begeisterung über seine Wahl als olympisches Mekka des Wintersports keinen Abbruch. Zwar sei der frostige Markt noch ein "unbeschriebenes Blatt", wie in einem 130-seitigen Branchenreport zu lesen ist. Weil noch alles fehlt, rechnen die Autoren die Jahresumsätze in der Eis- und Schneebranche gigantisch hoch.

2017 waren es umgerechnet rund 55 Milliarden Euro. Bis 2020 würden es rund 85 Milliarden werden. Treibende Kräfte dafür seien die Winterspiele und das dem IOC gegebene politische Versprechen von Chinas Präsident Xi Jinping. Bis 2022 werde er rund 300 Millionen Chinesen auch als Verbraucher für Wintersport begeistern können.

Die Autoren relativieren den Propaganda-Hype der magischen 300 Millionen – sie rechnen die Zahl auf 50 Millionen bis 2022 erwartete Hobbysportler herunter. Drei Prozent der Bevölkerung, so schätzen sie, würden regelmäßig Wintersport betreiben.

Fast 800 teils neue Skigebiete

Überall schießen Skipisten aus dem Boden. Bis Juni zählten die Autoren 738 Skigebiete (nach 646 Ende 2016). Im vorigen Winter blieben auch mehr als 200 Skiressorts mangels Besucher und Schnee geschlossen. 90 Prozent der Skiressortbesucher haben nach einem einmaligen Besuch die Nase voll wegen schlechter Lehrer, falscher Ausrüstung und exorbitant hoher Preise.

China sei aber weltweit das einzige Land, in dem neue Skiressorts entstünden, sagt Österreichs Handelsbeauftragter in Peking, Martin Glatz. Wien lasse daher die neue Marktnische seit Jahren intensiv wie keine andere Nation bearbeiten. Glatz: "Wir haben uns hier positioniert, als sich Peking für 2022 noch nicht beworben hatte."

Seilbahnen und Ticket-Systeme

Das zahle sich nun aus. Eine Reihe österreichischer Unternehmen, die sich auf dem Gemeinschaftsstand der Pekinger Messe präsentierten, sind Marktführer in China, allen voran der Liftgigant Doppelmayr. Chefrepräsentant Li Yanqiu weiß von 120 Anlagen, die in den letzten 25 Jahren von seinem Konzern in China installiert wurden, darunter 20 Seilbahnen allein in den vergangenen zwei Jahren. Neun weitere sind für die Spiele 2022 gerade in Bau. 2017 habe der Konzern mit 100 Millionen Euro Umsatz erstmals zehn Prozent seines weltweiten Geschäfts in China gemacht.

Bei Axess, Spezialist für Ticketing und digitale Zutrittspässe aus Salzburg, sind es zwei bis drei Prozent des Umsatzes, die in China erwirtschaftet werden. Der Marktanteil liege aber schon bei 35 bis 40 Prozent, sagt Verkaufsleiter Oliver Suter. Fünf der Top-Ten-Skiressorts in China seien mit Systemen von Axess ausgerüstet.

Bis 2022 hoffen sie, den Marktanteil auf 50 Prozent zu schrauben. Mit ausgefeilten Software-und Hardwarelösungen für Zugangspässe, die bei Temperaturen von minus 35 Grad funktionieren, fühlt sich das Unternehmen sogar vor Chinas notorischen Raubkopierern sicher.

Skilehrertrainer für den Nordosten

Österreich hat sich mit Wintersportspezialisten und Start-ups breit aufgestellt: Sie reichen von wassersparenden Eistechnologien bis zu den internationalen Produktdesignern von Kiska, deren Dienste auch chinesische Hersteller in Anspruch nehmen. Die Wiener Snowsports-Akademie offeriert Ausbildung, schickte Skilehrertrainer für 80 Tage ins Skigelände Yabuli tief ins nordostchinesische Heilongjiang. Auch wie sich Wintersportgebiete im Sommer nachhaltig nutzen lassen, ist Teil des Angebots. "Peking entdeckt den ganzjährigen Naherholungswert von Skigebieten für seine Städte und schaut auf Österreich", sagt Glatz. "Wir machen uns als Skination auch in China einen Namen." (Johnny Erling aus Peking, 24.9.2018)

  • Skikurs in Peking: Bis 2022 will Chinas Staatsführung 300 Millionen Skifahrer auf den Pisten sehen.
    foto: apa/afp/wang zhao

    Skikurs in Peking: Bis 2022 will Chinas Staatsführung 300 Millionen Skifahrer auf den Pisten sehen.

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