Was Computer-Bugs wirklich mit Käfern zu tun haben

    23. September 2018, 15:40
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    Die Legende von der Motte im Navy-Computer hält sich beständig als Geburtsort des Begriffs, entspricht aber nur der halben Wahrheit

    Dass "Bug" die englische Übersetzung des Wortes "Käfers" ist, bringen die allermeisten wohl noch hin. Warum wir allgemein Programm- und Softwareprobleme hinlänglich als "Bugs" bezeichnen, ist jedoch weit weniger Menschen bekannt. Softwareprobleme sind unangenehm, für die meisten sind das Käfer auch – liegt es daran? So einfach ist die Korrelation nun doch wieder nicht.

    Navy-Legende

    Die gängigste Legende dreht sich rund um die bemerkenswerte Grace Hopper. Sie war nicht nur die erste Frau die ein Mathematik-Studium in Yale mit dem Doktortitel abschloss, sondern erhielt auch als erste Frau die Nationale Technologie-Medaille und wirkte beim kleinen Team rund um den ersten programmierbaren Computer mit. Inmitten des tobenden zweiten Weltkrieges, werkelten Hopper und ihr Team am Computer "Mark I" herum, weil bei diesem ein Funktionsfehler auftrat. Den Fehler zu finden war damals allein schon ob der Größe des Computers – er hatte circa die Größe eines Raumes – eine Herausforderung.

    Hopper gelang es aber schließlich eine Motte zu entdecken, welche für die Störung verantwortlich war. Sie erschlug diese mit ihrem Notizbuch und schrieb am nächsten Tag: "Erster tatsächlicher Fund eines 'Bugs'". Laut Auffassung der Navy prägte sie damit den Begriff "Bug" für Software-Probleme in Computern.

    Die Motte, die als "Bug" berühmt wurde.

    An der Geschichte stimmt vieles. Zweifel gibt es ob es sich um den "Mark I" oder "Mark II"- Computer gehandelt hat und ob es sich tatsächlich um das Jahr 1947 handelt ist ebenfalls unklar. Viel umstrittener ist jedoch die Frage, ob sie damit tatsächlich den Begriff "Bug" prägte.

    Wie so oft: Edison

    Tatsächlich verwendete sowohl Hopper, als auch zahlreiche andere in früheren Notizen bereits den Begriff. Laut dem "Oxford English Dictionary" ist der Begriff sogar älter als Hopper selbst, als er 1889 in einem Zeitungsartikel über den Erfinder Thomas Edison erschien. Dort heißt es: "Herr Edison war bereits zwei Nächte lang wach, um einen "Bug" in seinem Phonographen zu reparieren – ein Ausdruck für das Lösen eines Problems, der impliziert das ein imaginäres Insekt sich eingespeist hat und all die Probleme verursacht."

    Grace Hopper.

    Bereits 1876 jedoch verwendete Edison selbst den Begriff in privaten Notizen und Briefen. Er gab den Begriff scheinbar an den Autor des Artikels weiter. Angeblich ist der Begriff "Bug" auch dem altenglischen Begriff für Monster sehr nahe. Edison war überzeugt, dass "Bugs" Produkte oft noch besser machten, forderten sie einen doch heraus minutiös zu beobachten, zu studieren und an Dingen zu arbeiten.

    Hoppers Legende hingegen gelangte wohl nur deshalb zu soviel Berühmtheit weil sie die Geschichte später bei jeder Gelegenheit erzählte. Irgendwann sagten wir zu allem das einen Fehler hatte es hätte einen Bug, sagte sie später. Hopper hat also wesentlich zur Berühmtheit des Begriffes beigetragen, erfunden beziehungsweise geprägt hat ihn aber wohl Thomas Edison. (faso, 23.9.2018)

    • Motten nerven, Bugs auch.
      foto: reuters / stringer

      Motten nerven, Bugs auch.

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