KI-Experte Toby Walsh: "Terminator ist noch 100 Jahre entfernt"

21. September 2018, 13:51
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Sieht Gesellschaft vor großen Veränderungen, aber noch nicht über notwendige Anpassungen nachdenken

In nicht allzu ferner Zukunft werden uns voraussichtlich autonome Autos durch die Gegend kutschieren. Für den australischen Experten für Künstliche Intelligenz (KI) Toby Walsh ist das eine der ersten spürbaren sinnvollen Anwendungen aus dem Bereich. Sorgen bereiten ihm jedoch autonome Waffensysteme, ein Terminator sei aber noch "100 Jahre entfernt", sagte er in Wien.

Die teils rasante Weiterentwicklung intelligenter, weil selbstlernender Computersysteme hat für den Professor für KI an der University of New South Wales in Sydney das Potenzial, die Gesellschaft tief greifend zu verändern. Das war auch bereits im Zuge der industriellen Revolution im Laufe des 19. Jahrhunderts so. In der Folge wurden aber "kluge Anpassungen" gemacht, die auf Ausgleich abzielten, wie Gewerkschaften, die Entwicklung des Arbeitsrechts, des Sozialstaats oder die Etablierung allgemeine Gesundheitsversorgung, sagte Walsh im Rahmen eines Vortrages an der Technischen Universität (TU) Wien.

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Ein älterer Vortrag von Toby Walsh über die Sorgen und Gefahren im Hinblick auf Künstliche Intelligenz.

Frage der Arbeitsverteilung

Zu diesen "vielen Veränderungen in der Gesellschaft" gehörten auch Neuerungen im Bildungswesen, von denen weite Teile der Bevölkerung profitierten. "Es beunruhigt mich aber, dass wir jetzt in eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt eintreten und bisher nicht über die wichtigen Anpassungen nachdenken bzw. sie auf den Weg bringen", so Walsh. Dabei gehe es um Fragen wie Arbeit zukünftig verteilt werden sollte oder wie bisher unbezahlte Arbeit wie Kindererziehung entlohnt wird. Nicht zuletzt brauche es Änderungen im Bildungsbereich, um auf die Herausforderungen dieser "interessanten Zukunft" vorbereitet zu sein.

Obwohl KI-Systeme mittlerweile besser Schach oder Go spielen können als Menschen, ist für Walsh noch lange nicht der Punkt erreicht, an dem Computersysteme sozusagen gleichauf mit dem menschlichen Gehirn sind, zeigte sich der Wissenschafter überzeugt. In den kommenden 50 bis 100 Jahren könnte es aber so weit sein. Walsh: "Es wird sicher keine 1.000 Jahre mehr dauern."

KI soll nicht über Leben oder Tod entscheiden

Der Mensch drohe aber nicht obsolet zu werden: "Schach zu spielen macht ja immer noch Spaß", selbst wenn die App im Smartphone es besser kann. Außerdem würden heute mehr Menschen ihren Lebensunterhalt mit Schachspielen verdienen, als in der Zeit bevor Schachcomputer die ersten menschlichen Großmeister überflügelten.

Im Gegensatz dazu halte ihn die Frage des Einsatzes solcher Systeme im militärischen Bereich "nachts wach", wie Walsh erklärte. Man könne KI-Systemen zwar verschiedenste Arbeitstätigkeiten erledigen lassen, dürfe aber nicht zulassen, dass sie darüber entscheiden, wer leben darf und wer stirbt. Die Science Fiction-Dystopie des Terminators, der als humanoide Maschine auf die Jagd nach Menschen geht, sieht der Experte allerdings nicht hinter der Ecke lauern: "Der Terminator ist 100 Jahre und möglicherweise noch weiter entfernt."

Er hoffe, dass die Menschheit klug genug ist, so etwas überhaupt nie Realität werden zu lassen. Es brauche in diesem Zusammenhang verbindliche Regulation solcher Anwendungen neuer KI-Technologien. Dass solche Einschränkungen weitgehend funktionieren, zeige sich anhand der Regulationen chemischer Waffen, auf die sich die Staatengemeinschaft geeinigt hat, "weil es eine furchtbare Art ist Krieg zu führen". Auch kleinere Staaten wie Österreich könnten in diesem Zusammenhang durchaus etwas bewegen, sagte Walsh. (APA, 21.09.2018)

  • Vorerst droht uns noch keine "Terminator"-Dystopie, meint Walsh.
    foto: 20th century fox

    Vorerst droht uns noch keine "Terminator"-Dystopie, meint Walsh.

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