Salzburg feiert "speziellen Sieg" gegen Leipzig

    21. September 2018, 11:27
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    Trainer Marco Rose jubelt über "eine sehr coole Geschichte"

    Leipzig – Salzburgs 3:2-Sieg bei RB Leipzig ist nur drei Wochen nach dem Selbstfaller gegen Belgrad Balsam auf die Champions-League-Wunden. Ein gutes halbes Jahr nach dem sensationellen 2:1 in Dortmund stellte man erneut einen deutschen Topklub auswärts kalt, selbst Trainer Marco Rose wollte seine Freude nicht verhehlen: "Eine sehr coole Geschichte, ein spezieller Sieg für uns."

    In der Bundesliga makellos, nun der prestigereiche Auftakterfolg in der Europa League – blendet man die verpatzte CL-Quali aus, kann Salzburg höchst zufrieden sein. "Die Jungs dürfen das genießen, weil es ein besonderer Sieg für uns ist", erklärte Rose nach dem als "Stallduell" oder auch "El Dosico" titulierten Match. Dass der Deutsche just in seiner Heimatstadt und gegen den als Favoriten geltenden "großen Bruder" reüssierte, tat wohl zusätzlich gut.

    "Aufmerksamer und handelsschneller"

    Zu verdanken war das vor allem einer höchst engagierten Vorstellung in der ersten Hälfte. "Wir haben hoch gepresst und Fehler erzwungen", erklärte Rose, der auf seine stärkste Elf setzte. "Wir wollten intensiver spielen als sie, und das haben die Jungs gut umgesetzt." So gut, dass nach Toren von Munas Dabbur (20.) und Amadou Haidara (22.) innerhalb dreier Minuten Leipzig regelrecht bloßgestellt war. "Wir waren das Stück aufmerksamer, das Quäntchen handlungsschneller", zeigte sich Rose zufrieden. "Es war klar, dass der gewinnen wird, der aggressiver ist. Wir haben gerade in der ersten Hälfte sehr gut gegen den Ball gearbeitet, sehr gut umgeschaltet", meinte Offensivmann Hannes Wolf.

    Leipzig-Coach Ralf Rangnick sprach bei seiner Mannschaft mit fünf Ex-Salzburgern in der Startelf von einem "Totalausfall auf zu vielen Positionen" vor der Pause. Auch er musste aber den Gegner loben. "Da kann man eigentlich nur den Hut ziehen. Man kann gar nicht glauben, dass sie nicht in der Champions League spielen und gegen Roter Stern ausgeschieden sind." Dass Salzburgs ehemaliger Mastermind wegen der zahlreichen Spielerwechsel Richtung Leipzig bei den Salzburger Fans nicht gut angeschrieben ist, war am Donnerstag deutlich zu hören. Schmährufe gegen den 60-Jährigen hallten da durch die Arena. Von den Leipzig-Fans wurde das mit "Ihr seid unser Ausbildungsverein"-Rufen noch angeheizt. Die ironische Replik: "Ohne Salzburg wär' hier gar nichts los."

    Gulbrandsen: "Gut so zurückzukommen"

    Aufseiten Leipzigs war erst nach der Wechselorgie zur Pause etwas mehr los. Und als der ansonsten starke Außenverteidiger Andreas Ulmer mit einem Schnitzer seinen ehemaligen Teamkollegen Konrad Laimer zum Anschlusstreffer einlud (70.), schöpfte Leipzig nochmals neue Hoffnung und kam durch Yussuf Poulsen (82.) noch zum 2:2. "Das müssen wir auf jeden Fall vermeiden. Das ist auch gegen Roter Stern passiert", meinte Innenverteidiger Andre Ramalho. "Wir müssen die Führung nützen, die Ruhe bewahren und clever spielen", merkte der Brasilianer an, bescheinigte seinem Team generell aber ein "überragendes Spiel". Für Rose zeigte die Schlussphase freilich auch, dass man eine Lektion gelernt habe. "Wir haben uns vorgenommen, eine andere Körpersprache zu zeigen, wenn Rückschläge kommen."

    Und so war Joker Fredrik Gulbrandsen im Finish (89.) noch der Siegestreffer vergönnt. "Ein besseres Comeback nach einer Verletzung kannst du nicht haben. Das freut mich sehr für Fredi", meinte Wolf über den 26-jährigen Norweger. Dieser hatte am vergangenen Wochenende beim 3:1 in St. Pölten sein Comeback nach über eineinhalbmonatiger Verletzungspause gegeben – und auch da seinen Kurzeinsatz mit einem Treffer gekrönt. "Es waren sieben harte Wochen für mich. Gut, so zurückzukommen", sagte Gulbrandsen.

    Der Auftakt in die EL war also – zum ersten Mal seit 2013 – wieder von einem Sieg gekrönt. Es schaut gut aus, dass man in Gruppe B, in der Celtic Glasgow sein Spiel gegen Rosenborg Trondheim mit 1:0 gewann, zum sechsten Mal den Aufstieg ins Sechzehntelfinale schafft. "Heute sind wir glücklich, aber es ist nicht viel passiert. Wenn wir jetzt keine Punkte mehr holen, wird es schwer", meinte Rose mit einem Augenzwinkern. Er weiß, dass kaum Zeit zum Durchschnaufen bleibt. "Am Sonntag wirst du schon wieder abgefragt und musst wieder deine Leistung abrufen. Nicht mit 80, sondern mit 100 Prozent gegen Rapid Wien." (APA, 21.9.2018)

    • Salzburg jubelt über den Prestigeerfolg im Stallduell.
      foto: imago/picture point le

      Salzburg jubelt über den Prestigeerfolg im Stallduell.

    • Fredrik Gulbrandsen fixierte mit seinem Treffer in der 89. Minute den Salzburger Auswärtssieg.
      foto: imago/jan huebner

      Fredrik Gulbrandsen fixierte mit seinem Treffer in der 89. Minute den Salzburger Auswärtssieg.

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