Innenministerium wirbt auf rechten Verschwörungsseiten

    21. September 2018, 11:28
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    Auf Webseiten mit teilweise rechtsextremen Inhalten schaltet Herbert Kickls Ministerium Anzeigen "zur Bewerbung des Polizeiberufs"

    Die SPÖ-Abgeordnete Sabine Schatz hat am 18. Juli eine ausführliche Anfrage an Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) gerichtet und wollte wissen, wie hoch die Ausgaben für Werbeanzeigen über Google Adsense sind und welche Seiten auf eine Blacklist gesetzt wurden, damit die Werbung auf dem Portal nicht mehr gezeigt wird. Schatz fragte konkret nach 28 Onlineportalen.

    Adsense ist ein Google-Dienst, der bei der Auswahl von Werbung die Inhalte der Zielwebseite berücksichtigt. Die Auftraggeber von Anzeigen können auch vorab auswählen, welche Webseite am ehesten zu ihrer Anzeige passt.

    Laut der Anfragebeantwortung durch Kickl wurden seit Beginn seiner Amtsführung für die Schaltung der Inserate zur Polizeirekrutierung 40.071 Euro über Google Adsense ausgegeben. Gestoppt wurde im Juli die Werbung für mobile Anwendungen, als herauskam, dass ein Inserat zur Polizeirekrutierung auf dem umstrittenen Portal 4chan.org aufgetaucht ist.

    Rechtsextreme Webseiten

    Weiterhin geschaltet wird allerdings laut Antwort des Innenministers auf sechs teilweise rechtsextremen Portalen und Seiten, die krude Verschwörungstheorien betreiben. Auf der Liste sind bereits bekannte Portale wie wochenblick.at, unzensuriert.at und info-direkt.eu. Das Magazin "Info Direkt" wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft.

    Geschaltet wird laut Kickl auch auf tagesstimme.com, einer relativ neuen Seite, die eng mit den sogenannten Identitären verbunden ist. Um neue Polizisten wirbt das Ministerium auch auf der deutschen Version von "Sputnik" sowie bei compact-online.com. Das "Compact"-Magazin positionierte sich in den letzten Jahren als Sprachrohr der AfD und der Pegida-Bewegung.

    "8. Kontinent entdeckt"

    Eine große Überraschung ist der Umstand, dass das Innenministerium auch auf der Seite des Verschwörungsmagazins "Der Wächter" wirbt. Dort fand man in der Vergangenheit "Enthüllungen" wie "Hitlers Todestag, ein großer Fake der Weltgeschichte?" oder aktuell "8. Kontinent der Erde vor der Küste Australiens entdeckt, gut sichtbar versteckt". "Der Wächter" wurde kürzlich von Facebook verbannt und informiert seine Leser: "Aufgrund der Facebook-Zensur von derwaechter.net sind wir jetzt auf derwaechter.org umgezogen."

    All diese Portale könnte das Ministerium, so wie bei "4chan" passiert, auf eine Blacklist setzen. Sie sind jedoch laut Ministerium nicht von den Ausschlusskriterien betroffen, weder von Google-eigenen noch von jenen des Ministeriums. Zu den Kosten der Onlinewerbung sagt Kickl: Kosten entstünden nur dann, wenn ein Werbebanner angeklickt werde. Bis 24. August wurden demnach 31,90 Euro für die Werbung auf den sechs genannten Seiten ausgegeben. (Olivera Stajić, 21.9.2018)

    • Eine Auswahl aktueller Nachrichten auf derwaechter.net, wo Herbert Kickls Innenministerium um Polizeianwärter warb.
      foto: screenshot

      Eine Auswahl aktueller Nachrichten auf derwaechter.net, wo Herbert Kickls Innenministerium um Polizeianwärter warb.

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