Tuina: Massage, die richtig wehtut

Blog23. September 2018, 10:00
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Ich habe mich überreden lassen: Chinesische Massage ist jahrtausendealt – ich hoffe, die Masseurinnen wissen, was sie tun

Verspannungen kommen, wenn man zu viel sitzt. Das war diesen Sommer definitiv der Fall. Ich hatte einfach keine Zeit zum Sport, bin abends lieber in den Gastgarten als ins Fitnessstudio marschiert und habe mich deshalb eigentlich auch nicht gewundert, dass sich harte Stellen auf meinem Rücken breitmachten.

Sie stoisch ertragen? Das konnte ich nicht. Zum Arzt? Was hätte der denn tun sollen? Ich bin kein besonderer Fan von Massagen, aber irgendwann war ich so weit. Kangmei heißt ein unkompliziertes Massagestudio in Wien, bei dem ich ganz kurzfristig einen Termin bekommen habe, dort bekommt man die Tuina-Manualtherapie. Sie basiert auf der Meridianlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), lese ich vorher, sie hilft bei Verspannungen, ist aber auch Prophylaxe. Klingt gut, dachte ich an einem Samstag.

Am Empfang fragt mich eine freundliche Dame nach meinen Beschwerden, dann ziehe ich die Schuhe aus (ist dort Pflicht) und werde in ein kleines Zimmer geführt. Meine Masseurin kann im Gegensatz zur Rezeptionistin kaum Deutsch, aber ihre Hände verstehen meinen Körper. Das Gefühl habe ich sofort.

Schreien vor Schmerz

Denn ohne lange zu zögern, navigiert sie dorthin, wo die harten Knoten in meinen Muskeln sind. Sie beginnt sanft, arbeitet sich immer tiefer in die Schichten hinein, dabei benutzt sie nicht nur ihre Händen, sondern ihre Ellenbogen. Das tut an einem bestimmten Punkt im Nacken so weh, dass ich am liebsten aufheulen möchte. Just in dem Moment hört meine Masseurin auf, schaut mich an und sagt: "Sie atmen besser müssen."

Pfffhh, denke ich und bemühe mich halt. Sie ackert dann weiter meinen ganzen Körper durch. "Wenn unterer Rücken weh, auch hinten Bein", kündigt sie an – und hat recht. Das chinesische Durchkneten ist ein Ganzkörperereignis. Ich spüre plötzlich alle möglichen Nervenbahnen von Zehen bis in die Ohren laufen, spüre Verbindungen, die mir noch nie bewusst waren. Es tut gut, es schmerzt, irgendetwas löst sich.

Dass meine Verspannungen nach dieser einen Tuina-Stunde weg gewesen wären, kann ich nicht behaupten. Sicher ist: Ich habe danach vier Stunden wie ohnmächtig geschlafen. Und dann wurden die Verspannungen jeden Tag besser. Ob es die chinesische Massage war, ich kann es einfach nicht genau sagen.

Entspannter sein

Doch die Tuina-Idee ließ mich nicht los. Ich bin nach ein paar Wochen noch einmal zu Kangmei, diesmal um auszuprobieren, wie sie ist, wenn ich KEINE Verspannungsschmerzen habe. Das Ergebnis: Es tut wesentlich weniger weh, obwohl meine Masseurin auch diesmal mit ihren Ellenbogen arbeitete, um zu meinen unteren Muskelschichten durchzudringen. "Ich finde immer Punkt", sagte sie zwar, aber der Atem blieb mir diesmal nicht weg.

Es hat mir gutgetan. Irgendwo habe ich einmal gehört, dass die Menschen in China statt auf ein Bier nach der Arbeit auf eine Tuina-Massage gehen. Als Vorbeugung. Könnte ich mir gut vorstellen. Weil das Sitzen in meinem Leben ja sicherlich nicht aufhören wird. (Karin Pollack, 23.9.2018)

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  • Fäuste, Daumen, Ellenbogen: In der Tuina-Massage werden die Muskeln bearbeitet. Es tut weh, dafür lassen die Verspannungen nach.
    foto: istockphoto

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  • Karin Pollack beschäftigt sich von Berufs wegen mit Gesundheit. Manchmal ist sie selbst krank oder verspannt, wie in diesem Fall.
    foto: cremer/rawicka/istock

    Karin Pollack beschäftigt sich von Berufs wegen mit Gesundheit. Manchmal ist sie selbst krank oder verspannt, wie in diesem Fall.

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