Steve Bannon gegen den Papst

21. September 2018, 08:00
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Der ehemalige Berater von Donald Trump wird künftig katholische Führungskräfte auf den rechten Glauben einschwören

Die neue Kaderschmiede der katholischen Rechten und Papstgegner befindet sich in einem wunderschönen mittelalterlichen Kartäuser-Kloster hundert Kilometer südöstlich von Rom. In der Kartause Trisulti in der Provinz Frosinone hat das Institut Dignitatis Humanae ein Kurszentrum für bis zu 300 Teilnehmer eingerichtet.

Das Institut Dignitatis Humanae ist ein katholischer Thinktank und wird vom ultrakonservativen US-Kardinal Raymond Leo Burke präsidiert. Burke ist innerhalb der katholischen Kirche seit Jahren weltweit der prominenteste und aktivste Gegner von Papst Franziskus – er hat ihm wegen dessen Toleranz gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen auch schon "Häresie" vorgeworfen.

Prominent ist aber vor allem auch der Organisator der Kurse: Steve Bannon, der frühere Wahlkampf- und Kommunikations berater von US-Präsident Donald Trump. Der ehemalige Chef der ultrarechten Breitbart News hat vor wenigen Wochen die Sammelbewegung "The Movement" gegründet, die zur Dachorganisation aller rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien Europas werden soll. Während sich "The Movement" an weltliche Führungskräfte richtet, sind die Kurse im Kartäuser-Kloster für katholische Politiker und Geistliche gedacht. Mit ihnen soll das reaktionäre Gedankengut Burkes und Bannons auch innerhalb der Kirche, wo es bisher einen eher schweren Stand hatte, besser verankert werden.

"Marxist auf Papstthron"

Für Burke und Bannon ist Franziskus nichts anderes als ein Marxist auf dem Papstthron. Mit seinem Einsatz für Flüchtlinge und gegen den Klimawandel und seiner Toleranz gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen sowie seinen Bemühungen um den interreligiösen Dialog insbesondere mit dem Islam weicht der Papst aus Sicht der homophoben und islamfeindlichen Traditionalisten die Doktrin der Kirche auf. Burke und Bannon haben Franziskus auch nie verziehen, dass er den geplanten Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko durch Donald Trump als unchristlich bezeichnet hatte.

Zum Netzwerk von Burke zählt auch der 77-jährige ehemalige Botschafter des Vatikans in den USA, der italienische Erzbischof Carlo Maria Vigano. Der ehemalige Spitzendiplomat hatte Ende August in einem mehrseitigen Schreiben behauptet, Papst Franziskus habe von den Missbrauchsvorwürfen gegen den US-Kardinal Theodore McCarrick gewusst und diesen gedeckt.

Vigano berichtete in seinem Pamphlet auch von einem homosexuellen Netzwerk innerhalb des Kirchenstaats, von dem sich der Papst angeblich beeinflussen lasse. Am Ende seines Schreibens fordert der Ex-Nuntius den Rücktritt des Pontifex: "Franziskus soll mit gutem Beispiel voranschreiten und mit all jenen Kardinälen und Bischöfen zurücktreten, die McCarricks Übergriffe gedeckt haben."

Machtkampf zwischen Traditionalisten und Papst

Franziskus hat die Vorwürfe Viganos bis heute nicht kommentiert: "Ich werde dazu kein Wort sagen", sagte der Papst gegenüber Journalisten. Fest steht jedoch, dass der Machtkampf zwischen den Traditionalisten und dem Papst mit der Rücktrittsforderung Viganos eine neue Eskalations stufe erreicht hat.

Die Konservativen innerhalb und außerhalb der Kirche verfolgten das Ziel, "die Amtsdauer dieses Papstes zu verkürzen und, falls dies nicht gelingt, seine Stimme zu neutralisieren oder Zweifel um ihn zu verbreiten", erklärte der als liberal geltende US-Kardinal Joseph Tobin. Aus dem Vatikan verlautet derweil inoffiziell, dass der Papst ein Schriftstück vorbereite, in welchem die Vorwürfe Viganos Punkt für Punkt widerlegt würden. (Dominik Straub aus Rom, 21.9.2018)

  • Die ultrakonservativen Papstgegner haben mit Steve Bannon, der sogar Donald Trump zu extrem war, einen neuen Chefideologen.
    foto: ap/scott applewhite

    Die ultrakonservativen Papstgegner haben mit Steve Bannon, der sogar Donald Trump zu extrem war, einen neuen Chefideologen.

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