Nestlé will Hautpflegesparte loswerden

20. September 2018, 13:42
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Analysten schätzen den Wert auf bis zu acht Milliarden Franken

Zürich – Der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller Nestlé will sich von einem weiteren Sorgenkind trennen. Der Schweizer Konzern kündigte am Donnerstag an, die strategischen Optionen für das Hautgesundheitsgeschäft Nestlé Skin Health zu prüfen. Der für Marken wie Maggi, Kitkat und Nescafé bekannte Konzern will bis Mitte 2019 entscheiden, was mit der Sparte passieren soll. Analysten gehen von einem Verkauf aus und schätzen den Wert des Geschäfts auf sieben bis acht Milliarden Franken.

Der Bereich, der neben Hauptpflegeprodukten auch Mittel gegen Akne und Hautkrebs herstellt, kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Franken. Nestlé erwirtschaftete insgesamt einen Umsatz von knapp 90 Milliarden Franken.

Seit seinem Amtsantritt Anfang 2017 ist Konzernchef Mark Schneider dabei, das Unternehmen auf Wachstum zu trimmen. Im ersten Halbjahr trug der Umbau erste Früchte: Das organische Wachstum lag bei 2,8 Prozent und damit über dem Niveau des Jahres 2017. Doch damit ist der Deutsch-Amerikaner noch nicht zufrieden. Druck kommt auch vom aktivistischen Investor Third Point, der schnellere und schärfere Schritte fordert. Nestlé will nun verstärkt auf das Geschäft mit Nahrungsmitteln, Getränken und medizinischer Ernährung setzen.

Außerhalb der strategischen Stoßrichtung

Das Hautgesundheitsgeschäft passt nicht in dieses Raster. Das zukünftige Wachstumspotenzial des Bereichs mit mehr als 5.000 Mitarbeitern liege zunehmend außerhalb der strategischen Stoßrichtung von Nestlé. "Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zu prüfen, welche die beste Eigentümerstruktur für Nestlé Skin Health ist, unter der das Unternehmen weiterhin florieren kann", sagte Schneider, der den Bereich zuletzt einem Sanierungsprogramm unterzogen hatte.

Nestlé investierte in den vergangenen Jahren kräftig in Hautgesundheit, unter anderem mit einem milliardenschweren Zukauf von L'Oréal. Doch die neugeschaffene Sparte entwickelte sich schlechter als erhofft, Nestle musste einen Teil der Übernahmepreise und auch der Lagerbestände abschreiben. "Nestle wurde mit diesem Bereich in den vergangenen Jahren nie glücklich", urteilte ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Nun verabschiede sich der Konzern voraussichtlich vom "Hautpflegeabenteuer". Die Analysten von Jefferies beurteilten die Ankündigung als "Symbol der Bereitschaft, heilige Kühe zu schlachten, um den Aktionärswert zu steigern". Experten zufolge kommen vor allem L'Oréal und Finanzinvestoren als Käufer infrage.

Die Analysten rechnen mit weiteren Bereichsverkäufen. Bisher hatte sich der Konzern etwa vom US-Süßigkeitengeschäft und dem Gerber-Life-Insurance-Geschäft getrennt. Parallel dazu hat Schneider aber auch eine ganze Reihe zugekauft, darunter etwa das Einzelhandelsgeschäft des US-Kaffeespezialisten Starbucks. Zudem gehört Nestlé zu den Interessenten für die indische Malzgetränkesparte von Glaxo Smith Kline. (APA, 20.9.2018)

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