Alzheimer: Es ist möglich, Ablagerungen im Gehirn zu zerstören

    Video21. September 2018, 08:00
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    Monoklonale Antikörper können die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn auflösen. Nun wird untersucht, ob Alzheimer-Patienten davon profitieren

    Wien – Alzheimer und Demenz machen den Österreichern Angst. Das zeigt eine repräsentative Untersuchung anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages am 21. September, für die 1.044 Personen ab 15 Jahren befragt wurden. 40 Prozent geben Krebs als die am meisten gefürchtete Erkrankung an, danach folgt mit 16 Prozent die Alzheimer-Demenz.

    Während der medizinischen Krebsforschung zum Teil deutliche Fortschritte gelangen, gibt es noch immer keine ursächliche Therapie gegen das große Vergessen. .Jahrelang galt das Amyloid-β-Protein als vielversprechendes therapeutisches Mittel, doch die Studienergebnisse waren bislang enttäuschend.

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    Im Zuge des Welt-Alzheimer-Tages am 21. September hat die Alzheimervereinigung Südtirol eine Pressekonferenz gegeben, um auf Projekte und Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Krankheit hinzuweisen.

    Nun könnte das Protein, das gemeinsam mit dem Tau-Protein als wesentlicher Biomarker für die Alzheimer-Demenz gilt, ein Comeback erleben. Zudem wird in einer aktuellen Phase III-Studie an der Med-Uni Wien unter der Leitung von Neurologin Elisabeth Stögmann ein monoklonaler Amyloid-β-Antikörper getestet.

    Ablagerung angreifen und beseitigen

    In Vorstudien konnte gezeigt werden, dass monoklonale Antikörper, die auf Amyloid-β-Ablagerungen im Gehirn gerichtet sind, diese auflösen können. Nun untersuchen Forscher der Med-Uni Wien, ob die Zerstörung der Plaques auch dazu führt, dass sich die Verschlechterung der Gedächtnisleistung bei diesen Patienten zumindest bremsen lässt.

    "Nach jahrelangen Misserfolgen mit auf Anti-Amyloid gerichteten Therapien gibt es Hoffnung, dass diese nun zumindest ihr Ziel effektiv angreifen und aus dem Gehirn abräumen können. Die nun verbesserten Ergebnisse mit Anti-Amyloid-Antikörpern sind großteils darauf zurückzuführen, dass höhere Dosen dieser Therapien zum Einsatz kommen", erklärt Expertin Stögmann.

    In einer Phase-III-Studie wird derzeit der Wirkstoff Aducanumab getestet, der einmal monatlich intravenös injiziert wird. Er greift direkt die für die Alzheimer-Krankheit charakteristischen Eiweißablagerungen an und hilft, sie im Gehirn aufzulösen. Dadurch können die für die Erkrankung so typischen Plaques deutlich reduziert werden. "Nachdem diese positive Wirkung nachgewiesen ist, untersuchen wir, ob das Verschwinden der Plaques auch dazu beiträgt, dass die Verschlechterung der Gedächtnisleistung der Betroffenen gestoppt oder zumindest verlangsamt werden kann", so Stögmann. Erste Resultate wird es voraussichtlich in etwa zwei bis drei Jahren geben.

    Höhere Dosis, mehr Nebenwirkungen

    Die bisherigen Tests haben gezeigt: Die höhere Dosierung des Antikörpers bringt zwar eine bessere Wirkung, die unerwünschten Nebenwirkungen nehmen allerdings auch zu. So verursacht der Wirkstoff bei einem Drittel der behandelten Alzheimer-Patienten Ödeme im Hirn. Diese Nebenwirkung könne aber gut unter Kontrolle gebracht werden, betont Stögmann.

    Die Ödeme treten vor allem in der Startphase der Antikörper-Behandlung auf. Wird die Dosis wieder verringert, lösen sich die Ödeme von selbst wieder auf – und die Therapie kann meist ohne Rezidiv wie geplant fortgesetzt werden. "Die Patienten merken klinisch in vielen Fällen davon nichts, aber ich kann die Ödeme in der regelmäßig durchgeführten Magnetresonanztomografie erkennen und richtig darauf reagieren", erläutert die Expertin.

    Bluttest zur Früherkennung

    Die Antikörper gegen das Amyloid-β-Protein wirken vermutlich umso besser, je früher sie dem Alzheimer-Patienten gegeben werden. Derzeit ist man bei der Früherkennung der Krankheit, an der in Österreich derzeit rund 100.000 Menschen leiden, noch auf erste offensichtliche kognitive Beschwerden angewiesen – also auf Symptome, die der Betroffene selbst oder dessen Angehörige wahrnehmen. Die Amyloid-β-Plaques lagern sich allerdings schon 20 Jahre vorher im menschlichen Gehirn ab, ohne dass Betroffene davon etwas merken.

    Doch auch bei der Früherkennung könnte es in wenigen Jahren eine deutliche Verbesserung geben. Auf dem weltweit größten Kongress zum Thema Alzheimer, dem AAIC in Chicago, wurde ein noch in Entwicklung befindlicher Bluttest präsentiert, der mit bisher nicht gezeigter Genauigkeit schon bei 50- und 60-Jährigen Amyloid-β Ablagerungen im Gehirn und damit das erhöhte Risiko für die spätere Entwicklung einer Alzheimer-Demenz anzeigen kann. "Dieser Test könnte schon in wenigen Jahren die Alzheimerforschung und -Behandlung verändern", ist Stögmann überzeugt. (red, 21.9.2018)

    • Es gibt Hoffnung: In den nächsten Jahren könnte es deutliche Fortschritte in der Früherkennung und Behandlung von Alzheimer geben.
      foto: getty images/istockphoto

      Es gibt Hoffnung: In den nächsten Jahren könnte es deutliche Fortschritte in der Früherkennung und Behandlung von Alzheimer geben.

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