Die falsche Entscheidung

    Analyse20. September 2018, 11:09
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    Juves Starstürmer vergoss Tränen nach seinem ersten Ausschluss in der Champions League. Nicht nur sein Teamkollege Leonardo Bonucci sah einen "ziemlich normalen Zweikampf"

    Passiert ist es in der 29. Minute im Duell zwischen Juventus Turin und Valencia. Cristiano Ronaldo geht ins Laufduell mit Valencias Jeison Murillo. Aus keiner Zeitlupen-Einstellung ist ein klares Foul erkennbar. Das ist schon mal ein Problem. Es folgt ein Griff von Ronaldo an den Kopf seines Gegners, weil dieser allzu leicht zu Boden gegangen ist. Dann ein Pfiff des deutschen Schiedsrichters Felix Brych. Ausschluss? Echt jetzt?

    Keine zweifelhafte Entscheidung. Sondern eine falsche. Zwar hat die Hand auf dem Kopf oder im Gesicht des Gegners nichts verloren – andererseits kann bei dieser Aktion Ronaldos (siehe Video) wohl nur schwer von einer Tätlichkeit gesprochen werden.

    Rot? Gelb? Gar nichts?

    Für seine Tränen gab es im Internet für Ronaldo reflexartig Trost, aber auch Häme. Dabei ist der Portugiese nicht gerade als unfairer Fußballer bekannt. In 762 Profispielen wurde er nur zehnmal mit Rot duschen geschickt, vier davon waren Gelb-Rot. In der Champions League hatte CR7 bis Mittwoch überhaupt eine hochweiße Bilanz ohne auch nur einen einzigen Platzverweis.

    An den Haaren (herbei)gezogen?

    Torrichter Marco Fritz wollte gesehen haben, dass "Ronaldo seinen Gegenspieler an den Haaren zieht". Schiedsrichter Brych, der so manchem Fußballfan noch vom Skandalspiel der WM und einem nicht gegebenen Elfmeter für Serbien in der Vorrunde gegen die Schweiz in Erinnerung geblieben ist, schloss Ronaldo daraufhin aus.

    "So, wie ich das gesehen habe, war es ein ziemlich normaler Zweikampf. Murillo hat seine Hände an Ronaldo angelegt, und er hat reagiert. Aber diese Dinge passieren, und wir müssen stärker als jeder und alles sein", sagte Juventus-Verteidiger Leonardo Bonucci bei Sky Sport Italia. Auch Kevin-Prince Boateng, der aktuell bei Sassuolo in der Serie A kickt, sah keinen Grund für einen Ausschluss.

    Die Theatralik gehört leider mittlerweile zum modernen Fußball wie der Ball. Sollten der Schauspielerei auf dem Rasen irgendwann engere Grenzen gesetzt werden, der Fußball würde viele Fans zurückgewinnen. Seite 108 im dicken Handbuch der Fifa-Regeln wird an dieser Stelle jetzt nicht im vollen Umfang zitiert. Nur so viel:

    "Ein Spieler, der ohne Kampf um den Ball einem Gegner oder einer anderen Person absichtlich mit der Hand oder dem Arm an den Kopf oder ins Gesicht schlägt, begeht eine Tätlichkeit, es sei denn, die eingesetzte Kraft war vernachlässigbar."

    Ronaldos "Krafteinsatz" war in diesem Fall wohl eher vernachlässigbar. Eine gelbe Karte wäre es gewesen. (Florian Vetter, 20.9.2018)

    • Tränenreich: Cristiano Ronaldos erster Champions-League-Auftritt im Juventus-Trikot war nach 29 Minuten beendet.
      foto: apa/afp/jose jordan

      Tränenreich: Cristiano Ronaldos erster Champions-League-Auftritt im Juventus-Trikot war nach 29 Minuten beendet.

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