Kinder haben Rechte: Warum es wichtig ist, diese zu wahren

    Blog21. September 2018, 06:00
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    Der Welttag des Kindes macht auf große und kleine Rechtsverletzungen gegenüber Kindern aufmerksam. Die Bedürfnisse der Kinder für eine optimale Entwicklung sollen damit in Erinnerung gerufen werden

    Alina ist mit ihren beiden Kleinen beim Spielefest im Park. Die Kinder vergnügen sich in der Hüpfburg und bei vielen anderen Attraktionen. Es ist der Weltkindertag. Über diesen Anlass und die Rechte von Kindern gibt es hier allerdings nur wenige Informationen.

    Mehmet (8), Bastian (8), Mia (9) und alle anderen Mädchen und Buben ihrer Klasse haben sich diese Woche in der Schule mit dem Thema Weltkindertag beschäftigt. Sie haben Berichte über das Leben von Kindern in anderen Ländern gelesen, deren und ihre eigene Lebenssituation verglichen und sich überlegt, was sie zum Leben brauchen, was sie essen, spielen und vieles mehr.

    Josef (15), Maria (13), Johannes (10) und Helena (6) leben gemeinsam mit ihren beiden Müttern in einem kleinen Dorf. Das Zusammenleben von zwei Frauen mit ihren Kindern ist hier immer noch nicht alltäglich und wird manchmal sehr kritisch beäugt. Für die Kinder ist dies in vielen Situationen und Begebenheiten immer wieder Thema, etwa wenn sie mit anderen über sich und ihr Familienleben sprechen.

    Erst vor 29 Jahren wurde in Österreich Gewalt gegen Kinder gesetzlich verboten.

    Kinder haben Rechte

    Das sind Beispiele aus dem Alltag, wie man mit dem internationalen Kindertag umgehen kann. 145 Nationen beteiligen sich daran. In Österreich und auch bei unseren Nachbarn in Deutschland findet er am 20. September statt. Aktionen und Feste sollen die Kinder in den Mittelpunkt stellen und so auf ihre Lebenssituationen, Schwierigkeiten, Rechte und Pflichten aufmerksam machen.

    Laut Unicef heißt es seit 1989 in der UN-Kinderrechtskonvention, dass jedes Kindes ein Recht auf Überleben, persönliche Entwicklung und Schutz vor Ausbeutung und Gewalt hat. Die Kinderrechtskonvention formuliert weltweit gültige Grundwerte im Umgang mit Kindern, über alle sozialen, kulturellen, ethnischen oder religiösen Unterschiede hinweg. Und sie fordert eine neue Sicht auf Kinder als eigenständige Persönlichkeiten.

    Die Situation in Österreich

    Erst vor 29 Jahren wurde in Österreich Gewalt gegen Kinder gesetzlich verboten. Somit war Österreich eines der ersten Länder, die zum Schutz der Kinder ein solches Gesetz erließen. Die vier Grundprinzipien der Kinderrechtskonvention sind:

    • Das Recht auf Gleichbehandlung
    • Das Wohl des Kindes hat Vorrang
    • Das Recht auf Leben und Entwicklung
    • Achtung vor der Meinung des Kindes

    Was aber heißt das im Alltag für Kinder hier in Österreich?

    Das Recht auf Gleichbehandlung

    Aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Sprache, Religion oder Hautfarbe oder einer Behinderung darf kein Kind benachteiligt werden.

    Zum Beispiel Martin. Er hat eine Rechenschwäche. Er plagt sich sehr damit, die gestellten Aufgaben zu lösen, den Inhalt der Textrechnungen zu verstehen, um ein Beispiel zu lösen. Er braucht für solche Aufgaben fast immer länger als seine Mitschülerinnen und Mitschüler. Es passiert nicht selten, dass die anderen Kinder ihn deswegen aufziehen oder die Lehrerin auch schon mal die Geduld verliert, eine genervte und abwertende Bemerkung macht.

    Das Wohl des Kindes hat Vorrang

    Bei Entscheidungen muss das Wohl des Kindes berücksichtigt werden, wenn sich diese primär auf das Leben der Kinder auswirken. Dies gilt gleichermaßen für Staat und Familie.

    Nach der Trennung mussten Emma (10) und Fabio (6) zur Mutter ziehen und sehen ihren Vater nur zu den ausgemachten Besuchszeiten. Beide Kinder sind darüber sehr unglücklich, da sie viel lieber beim Papa leben würden. Das wäre prinzipiell auch möglich gewesen, aber weder die Mutter noch das zuständige Familiengericht haben die beiden angehört beziehungsweise ernst genommen.

    Das Recht auf Leben und Entwicklung

    Aufgrund der Kinderrechtskonvention sind alle Länder verpflichtet, die Entwicklung der Kinder bestmöglich zu gewährleisten. Dies gilt für das Ermöglichen von Bildung, die Bereitstellung medizinischer Leistungen und den Schutz vor physischer und psychischer Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch.

    Lena (12) geht nach der Schule allein nach Hause. Nachdem sie ihre Hausaufgaben gemacht hat, unterstützt sie ihre pflegebedürftige Mama bei der Bewältigung des Alltags, des Haushalts und der Betreuung der kleinen Geschwister, da der Papa sehr viel arbeitet. Dabei bleibt ihr oft nur sehr wenig Zeit, um sich mit ihren Freundinnen zu treffen, zu spielen und Spaß zu haben.

    Achtung der Meinung des Kindes

    Abhängig von Alter und Reife sollen Kinder in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden und als Personen ernst genommen und respektiert werden.

    Die Zwillinge Rosa und Emil (9) müssen sich in diesem Schuljahr für eine andere Schule entscheiden. Sie haben mit ihren Eltern schon einige infrage kommende Schule angeschaut. Während Emil schon weiß, wohin er will, versuchen die Eltern seine Schwester, die noch unentschieden ist, welche Schule ihr am besten gefallen hat, dazu zu überzeugen, doch mit Emil gemeinsam zu wechseln.

    Kinder haben Rechte, aber auch Pflichten

    Braucht es wirklich einen Weltkindertag, der die Aufmerksamkeit auf Kinder, ihre Bedürfnisse und Rechte lenkt? Einerseits fallen den meisten Menschen große Rechtsverletzungen im Leben von Kindern – wie man sie im Fernsehen sehen kann – deutlich auf. Nämlich dann, wenn diese keine Möglichkeit haben,, zur Schule zu gehen, es keine ausreichende medizinische Versorgung gibt, das Leben sich in Kriegsgebieten abspielt. Andererseits sind die scheinbar kleinen Verletzungen der Rechte eines Kindes oftmals viel undeutlicher, weil sie vielmehr im Verborgenen stattfinden. Hier ist das Aufmerksammachen mithilfe des Weltkindertages immens wichtig. Hierbei geht es um Mobbing, Abwertung, Vernachlässigung und Gewalt, darum, dass Bedürfnisse von Kindern nicht zur Kenntnis genommen werden.

    Es ist notwendig, der Öffentlichkeit, den Erwachsenen und allen Bezugspersonen immer wieder deutlich zu machen, welche Bedürfnisse Kinder und Jugendliche haben und was sie brauchen, um zu überleben beziehungsweise um sich gut entwickeln zu können.

    Klar ist, dass Kinder nicht immer nur Rechte haben, auch wenn die Rechte der Kinder ganz klar und deutlich gemacht und eingehalten werden müssen. Vor allem im Familienleben sollten sie durchaus auch manchmal kleinere und größere Pflichten übernehmen. Diesem Thema werden wir uns in einem der nächsten Blogbeiträge widmen.

    Wie sehen Sie die Notwendigkeit eines Weltkindertages?

    Ist es für Sie immer möglich, die Rechte Ihrer Kinder im Alltag mit zu bedenken? In welchen Situationen erleben Sie, dass Ihre Rechte und die Rechte Ihrer Kinder auseinandergehen? Posten Sie Ihre Erfahrungen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 21.9.2018)

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