Wohnen auf 2,4 Quadratmetern sorgt in Barcelona für Aufregung

    Ansichtssache22. September 2018, 12:00
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    Wohnen in Barcelona ist teuer. Ein Unternehmen hat kleine Wohneinheiten entwickelt, die 200 Euro Miete kosten sollen. Auch in Wien sorgte die Wohnform schon für Aufregung

    foto: apa/afp/haibu solutions/handout

    Wohnraum ist in vielen Metropolen knapp und entsprechend teuer. So auch in Barcelona. Die Mieten dort sind zwischen 2014 und 2017 um fast 30 Prozent gestiegen, die Durchschnittsmiete für eine Wohnung lag im Vorjahr bei knapp 900 Euro.

    Ein Unternehmen will auf die steigenden Immobilienkosten in der katalanischen Hauptstadt nun eine Antwort gefunden haben. Im Rahmen des Projekts Haibu – das bedeutet auf Japanisch Bienenwabe – sollen Wohneinheiten entstehen, für die die Monatsmiete inklusive Betriebskosten bei nur 200 Euro liegt. Der Haken daran: Die Fläche je Wohneinheit ist nur extrem schlanke 2,4 Quadratmeter groß.

    Darauf sind ein Bett, ein Fernseher, ein wenig Stauraum und Steckdosen untergebracht. Diese privaten Bereiche sind zwar klein, sie sind aber abschließbar und garantieren Privatsphäre, betont der Entwickler. Außerdem gibt es einen allgemeinen Wohnbereich mit einer Küche, einem Loungebereich und Bädern.

    Die Wohneinheiten können laut Entwurf übereinandergestapelt werden, ganz so, wie es in Japan bei sogenannten Kapselhotels der Fall ist, die bei Touristen beliebt sind.

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    foto: apa/afp/haibu solutions/handout

    Die Behörden der katalanischen Metropole haben sich gegen das Vorhaben aber nun quergelegt und den Projektentwicklern die Baugenehmigung verweigert. "Gott sei Dank ist das Stapeln von Menschen verboten", wird Ada Colau, die Bürgermeisterin Barcelonas, in spanischen Medien zitiert. Die Mindestgröße von Wohnungen beträgt in Barcelona nämlich 40 Quadratmeter.

    Von all dem Widerstand zeigt sich das Unternehmen, das sich Haibu 4.0 nennt, aber unbeeindruckt. Auf Anfrage des STANDARD erklärt man dort, seine Ziele längst erreicht zu haben: Man habe wieder eine Diskussion über leistbaren Wohnraum in Metropolen wie Barcelona angestoßen. Außerdem hätten bereits mehrere Investoren aus anderen Ländern Interesse an dem Projekt bekundet.

    Dass man die Notlage von Menschen ausnutze, wird in Abrede gestellt: Man wolle auf die ökonomische Notlage vieler Menschen, die teilweise auf Balkonen, in Wohnwagen, Hostels oder auf der Straße landen, mit temporären Unterkünften reagieren.

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    foto: apa/afp/haibu solutions/handout

    Von der fehlenden Baugenehmigung unbeeindruckt, wird nun am ersten Projekt gebaut: Es wird auf einem leerstehenden Grundstück errichtet und soll Anfang Oktober fertig sein. Hier sollen Menschen zwischen 25 und 45 mit einem Mindesteinkommen von 450 Euro einziehen.

    Laut Unternehmensangaben haben bisher schon 500 Menschen Interesse an dem Wohnen auf extrem wenig Platz angemeldet. Die künftigen Bewohner sollen allerdings handverlesen werden: Touristen will man nämlich nicht. Die Investitionssumme für das erste Projekt liegt laut dem Unternehmen bei 160.000 Euro.

    Der Regelkatalog für künftige Bewohner, nachzulesen auf der Website, ist jedoch lang: Pro Einheit ist nur eine Person erlaubt. Und Sex in den Einheiten ist aus Respekt vor den Mitbewohnern dezidiert nicht gestattet.

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    foto: apa/afp/haibu solutions/handout

    Das Wohnen in solchen Kapseln hat in Wien schon vor gut einem Jahr für Diskussionen gesorgt: Damals wollte ein Unternehmer im Keller eines Altbaus in Wien-Margareten vier solche sogenannten Sleep-Boxes in einem einzigen Raum als "Arbeiterquartier" um 270 Euro pro Box und Monat vermieten.

    Die Aufregung habe sich dann aber schnell gelegt, heißt es auf Nachfrage beim Bezirk: Services wie Handtuchwechsel, wie sie dort angeboten werden sollten, sind genehmigungspflichtig – um diese Genehmigung habe der Unternehmer, der auf eine Anfrage des STANDARD nicht reagierte, aber nie angesucht.

    Auch feuerpolizeilich sei die Unterkunft überprüft worden. Auf Hotelbuchungsplattformen werden die Zimmer im fünften Bezirk aber nach wie vor angepriesen – und, das legen zumindest die Bewertungen auf Buchungsplattformen nahe, von experimentierfreudigen Touristen, die knapp bei Kasse sind, auch gebucht.

    Von Anrainern hat es diesbezüglich aber laut Bezirk keine Beschwerden gegeben. (zof, 22.9.2018)

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