Schachingers "Daneben gehen": Schmerz lass nach. Wir wollen Drogen!

    Kolumne19. September 2018, 12:00
    58 Postings

    Warum sollte uns etwas wehtun, wenn uns etwas wehtut?

    Das Knochensägen bei örtlicher Betäubung war noch nicht einmal so schlimm. Immerhin wissen Anästhesisten, was sie machen. Hallo, Leute, sie entfernen gerade wesentliche Körperteile von mir, aber: Wow! Stunden nach der Operation kann man noch herumhüpfen, als ob einem nichts fehlen würde. Es fühlt sich gut an. Wirklich guuut. Tolle Sache, gibt es das auch rezeptfrei?!

    Einige weitere Stunden danach fängt es zu pochen an. Es brennt wie die Hölle. Um Himmels willen, der Fuß steht in Flammen! Bei jeder weiteren Bewegung glaubt man, dass man jetzt gleich im Purgatorium eine vorzeitige Extrarunde dreht.

    Nach einer ersten Nacht ohne Schlaf und vollgepumpt mit Kinderdrogen, die so etwas von überhaupt nicht helfen, sagt der Arzt, dass das so sein muss. Völlig normal. Sie haben ein Stück des Knochens am Dings weggesägt. Klar tut das weh. Das muss so sein. Da wäre man nicht der Erste hier.

    Ich glaube an Hilfsmittel

    Der Arzt ist noch jung. Er weiß nichts von mir und Keith Richards. Uns beide kriegt man nicht so leicht weggehakt. Der Doktor arbeitet in einem christlichen Ordensspital. Die Leute dort hackeln wahrscheinlich schon auch vielleicht deshalb, weil sie den Menschen ursprünglich einmal helfen wollten. Der Berufsalltag hat sie aber hartherzig gemacht.

    Keine Zeit, zu viele jammernde Patienten, Streit mit dem Lebenspartner, das Wetter. Wer weiß? Wir aber, Brüder und Schwestern, wollen Drogen. Wir sind nicht katholisch! Das ist Chemie. Sie wurde erfunden, um den Planeten zu einem ertragbaren Ort zu machen. Der liebe Herr Jesus und die Tatsache, dass er sich freiwillig auf das Kreuz begeben hat, das bin nicht ich! Er blieb oben, ich steige herunter.

    Der Arzt sagt: "Kein Wunder, dass Sie Schmerzen haben, wir haben an Ihnen herumgesägt." Ich sage: "Ich bin nicht im Team Kerzerlschlecker – und ich glaube an Hilfsmittel!" Der Arzt verschreibt dann Sachen, die einen die erste Nacht nach der Operation vergessen machen. Beim Lesen des Rezepts verdreht die Frau in der Apotheke die Augen. Viel zu stark. Man könnte deshalb weniger Schmerzen haben. Und erst die Magenwände! Das ist ein guter Anfang. Es wirkt. Amen. (Christian Schachinger, 19.9.2018)

    • Beim Lesen des Rezepts verdreht die Frau in der Apotheke die Augen. Viel zu stark.
      foto: getty images/istockphoto

      Beim Lesen des Rezepts verdreht die Frau in der Apotheke die Augen. Viel zu stark.

    Share if you care.