Instagram-"Wahnsinn" verdirbt immer mehr Nutzern die Laune

    18. September 2018, 12:16
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    Gesundheitsexperten warnen vor der perfekten Welt und raten zum Social-Media-Fasten

    Instagram gilt eigentlich als die nette, freundliche Soziale Plattform. Posts gehen dort normalerweise ob ihrer Positivität viral. Facebook ist hingegen bei vielen jungen Usern sowieso schon "uncool" und auf Twitter kann es schnell einmal passieren, dass einem eine Welle der Entrüstung entgegenschlägt. Twitterposts gehen meist dann viral, wenn es um eine Thematik geht, die die Nutzer erzürnt oder nervt.

    Gerade die sogenannten Instagram-Influencer gaukeln ihren Millionen von Followern aber meist das perfekte Leben auf der Plattform vor. Dass das Influencer-Leben dabei immer wieder mal äußerst bunte Blüte treibt, beweist regelmäßig die Seite "Perlen des Influencer-Marketings".

    Von Pferdebeinen die Armbanduhren tragen, Shampoo-Werbungen vor Sehenswürdigkeiten wo weit und breit kein Wasser zu sehen ist, bis hin zu den allzu oft viel zu perfekten Inszenierungen die jeder Lebensrealität entbehren.

    Experten schlagen Alarm

    Zahlreiche Experten, welche sich mit geistiger beziehungsweise mentaler Gesundheit beschäftigen, schlagen nun abermals Alarm. Die auf Instagram dargestellte Positivität ist das eigentliche Problem für viele Nutzer der Plattform. Von Wahnsinn ist da schon mal die Rede. Instagram lasst dich befürchten, dass alle außer dir das perfekte Leben leben. Gerade für junge Teenager, die oftmals vielleicht nicht durchschauen, dass es sich bei den Inhalten um inszenierte Szenen handelt – meist gepaart mit irgend einer Form von Werbung – kann dies zum Problem werden.

    In einer landesweiten Umfrage in Großbritannien der "Royal Society for Public Healt (RSPH) wurden 14 – 24-Jährige über die beliebtesten Sozialen Netzwerke befragt. Instagram landete dabei unter anderem deshalb auf dem letzten Platz hinter Youtube, Snapchat, Facebook und Twitter weil es besonders schlecht in drei Kategorien abschnitt: Zum einen wirkt sich die Nutzung durch das Endlos-Scrollen durch die Timeline extrem negativ auf den Schlafrhythmus aus. Außerdem transportiert es oftmals unrealistische Körperbilder für junge Menschen. Und nicht zuletzt befeuert Instagram massiv das sogenannte FOMO-Problem. Die Angst etwas zu verpassen ("Fear Of Missing Out") beeinträchtigt viele Nutzer erheblich negativ.

    Algorithmus

    Studienautor Niamh McDade kritisiert dabei vor allem, dass einem zusehends der Einfluss darüber genommen wird, welche Inhalte man sieht. Nach der Übernahme von Instagram durch Facebook im Jahre 2012, kam Mitte des Jahres 2016 eine der größten Veränderungen für die Plattform. Der neue, facebookähnliche Algorithmus erlaubte es nicht mehr die abonnierten Inhalte in chronologischer Reihenfolge zu sehen und so eventuell ein etwas realistischeres Bild zu kommen. Anstelle dessen rückten immer mehr beliebte Inhalte an die oberste Stelle im Newsfeed. Oftmals also solche Inhalte, welche wiederum von Positivität schäumten und eventuell das FOMO-Gefühl erneut verstärken.

    foto: screenshot / scarlett london
    Aktueller Stein des Anstoßes der Debatte in Großbritannien war ein wütender Tweet eines Users, der einen Screenshot der "morgentlichen Routine" einer Influencerin teilte und schrieb: "Verdammt nochmal, so sieht von niemandem der Morgen aus. Instagram ist eine Lügenfabrik, die will, dass wir uns schlecht fühlen." Der Tweet erhielt 22 mal mehr Likes als das ursprüngliche Posting.

    Zahlreiche Influencer sahen sich dadurch auch dazu hingerissen Follower und Likes zu erkaufen, um nicht in den neuen Algorithmen "unterzugehen". Instagram konnte darüber hinaus durch den Verkauf von besonders guten Positionen im Newsfeed (weit oben) zusätzlich viel Geld lukrieren. "Der neue Algorithmus kreiert einen wahren Popularitätscontest zwischen den Nutzern und Influencern, sodass diese oft auf unorthodoxe Methoden und Businessentscheidungen zurückgreifen, um an der Spitze der Nahrungskette zu bleiben", schildert eine britische Influencerin den Wettkampf in der Szene gegenüber dem "Guardian".

    Social-Media-Fasten

    Um all den negativen Auswirkungen entgegenzuwirken, schlagen Experten und Betroffene verschiedene Möglichkeiten vor. Manche raten dazu die abonnierten Kanäle bewusster auszuwählen, indem man sicher stellt, dass man sich nicht nach dem Betrachten der Bilder und Videos schlechter fühlt. Andere wiederum raten dazu Instagram und ähnliche Plattformen nur in einem bestimmten zeitlichen Ausmaß zu nutzen oder die App ganz zu löschen – einen Entzug zu machen sozusagen. Eine Möglichkeit dafür bietet – immerhin noch ein paar Tage lang – die "Scroll-Free-September"-Aktion des RSPH, wobei nichts dagegen spricht, dass man den Selbstentzug auch etwa im Oktober wagt. (red, 18.9.2018)

    • Macht Instagram traurig?
      foto: reuters

      Macht Instagram traurig?

    • Viele raten auch dazu nur jenen Accounts auf Instagram zu folgen, die Inhalte von Tieren posten. Dies könne schließlich gar nicht traurig machen.
      foto: apa

      Viele raten auch dazu nur jenen Accounts auf Instagram zu folgen, die Inhalte von Tieren posten. Dies könne schließlich gar nicht traurig machen.

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