Emmys 2018: "The Marvelous Mrs. Maisel" räumt ab

    Video18. September 2018, 06:32
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    Die Amazon-Serie "The Marvelous Mrs. Maisel" war bei den Emmy Awards 2018 die große Gewinnerin des Abends. "Game of Thrones " wurde wieder als bestes Drama ausgezeichnet

    Los Angeles – Im vergangenen Jahr ging es sehr politisch zu, bei der diesjährigen Emmy-Verleihung hingegen eher betulich und romantisch, sagen die Beobachter. Doch damit tun sie zumindest der fabelhaften Mrs. Maisel unrecht. Die Serie "The Marvelous Mrs. Maisel" ist der große Sieger der 70. Emmy Awards. Neben dem Preis als beste Comedyserie gewann Rachel Brosnahan für die Titelrolle der Miriam "Midge" Maisel den Preis als beste Schauspielerin in einer Comedyserie.

    Insgesamt kam die 1950er-Jahre-Serie auf acht Auszeichnungen. Weitere Emmys gab es für die Regie und das Drehbuch von Amy Sherman-Palladino. Die Autorin, deren größter bisheriger Erfolg die Comedy-Fernsehserie Gilmore Girls war, erzählt in The Marvelous Mrs. Maisel eine klassische Emanzipationsgeschichte mit und über Humor.

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    Für ihre Darstellung der talentierten und furchtlosen Miriam "Midge" Maisel wurde Rachel Brosnahan als beste Schauspielerin in einer Comedy-Serie ausgezeichnet.

    Anders als "The Handmaid's Tale", die Dramaserie, die 2017 ausgezeichnet wurde und deren zweite Staffel heuer leer ausging, begibt sich The Marvelous Mrs. Maisel nicht in eine dystopische Zukunft, sondern in die faktische Vergangenheit, um von der Unterdrückung der Frau zu erzählen.

    Statt über die schalen Witze ihres treulosen Ehemanns und Möchtegernkomikers zu lachen, verarbeitet "Midge" Maisel ihre private Katastrophe – und in den 1950er-Jahren ist eine Scheidung nun mal eine solche – zur erfolgreichen Stand-up-Comedy. Die zweifache Mutter aus dem gutsituierten jüdischen Bürgertum New Yorks will damit in eine erklärte Männerdomäne vordringen. Und was Mrs. Maisel will, das schafft sie auch: Trotz elterlicher Empörung und trotz mehrfacher Verhaftung, weil sie "halbnackt" – eigentlich im Nachthemd – auf der Bühne steht.


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    Die Amazon Prime-Serie über Miriam "Midge" Maisel, eine sehr untypische 1950er-Jahre Hausfrau.

    Keine Überraschungen

    In der Kategorie "Bestes Drama" gab es heuer keine richtige Überraschung: Die Fantasyserie Game of Thrones wurde zum dritten Mal ausgezeichnet und kommt auf neun Preise, viele davon aber in Nebenkategorien. Der Darsteller des "Gnoms" Tyrion Lennister, Peter Dinklage, gewann den Preis als bester Nebendarsteller in einer Dramaserie.

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    "Game of Thrones" hat wieder abgeräumt.

    Bei den Miniserien gab es sieben Preise für "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story" über den Mord an dem italienischen Modezaren vor 21 Jahren mit Penélope Cruz als dessen Schwester Donatella. Zu den weiteren Preisträgern zählten Dramadarstellerin Claire Foy als Königin Elisabeth II. in The Crown, RuPaul's Drag Race als beste Castingshow und Last Week Tonight With John Oliver als beste Talkreihe. Bei den Unterhaltungssendungen räumte Saturday Night Live wieder groß ab und kam auf acht Preise.

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    Penélope Cruz als Donatella Versace in "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story".

    Weniger Politik

    Im vergangenen Jahr war die Preisverleihung, unter anderem wegen der Trump-kritischen Haltung der Show Saturday Night Live, als sehr politisch aufgefallen. Alec Baldwin, der Trump parodiert und seine Kollegin Kate McKinnon, die in der Show die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton dargestellt hatte, nutzten ihre Auftritte für politische Kommentare.

    Bei der diesjährigen Verleihung blieben explizite politische Botschaften aus. Einzige Ausnahme: Die Late-Night-Moderatorin Samantha Bee gönnte sich einen bissigen Seitenhieb und sagte: "Ich schaue gerade immer dieses sehr schockierende dystopische Drama namens Die Nachrichten. Aber sie müssen wirklich mal die Hauptrolle neu besetzen."

    Dafür wurde es heuer romantisch, oder zumindest das, was Hollywood gemeinhin darunter versteht: Glenn Weiss – er gewann einen Preis für die Inszenierung der Oscarverleihung – nutzte seine Dankesrede für einen Heiratsantrag an seine im Publikum sitzende Freundin Jan Svendsen.

    Von der Liebe zum harten Geschäft: Beim Kampf zwischen Streamingdiensten und Fernsehsendern gab bei den diesjährigen Emmy Awards einen Gleichstand. Sowohl Netflix als auch der US-Kabelsender HBO kamen auf 23 Emmys. Der Traditionssender NBC erhielt 16 Auszeichnungen. (Olivera Stajic, 18.9.2018)

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    Emmys 2018: Die besten Looks

    Alle Gewinner im Überblick:

    Beste Dramaserie – "Game of Thrones"

    Beste Comedyserie – "The Marvelous Mrs. Maisel"

    Beste Miniserie – "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story"

    Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie – Claire Foy für "The Crown"

    Bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie – Matthew Rhys für "The Americans"

    Beste Regie in einer Dramaserie – Stephen Daldry für "The Crown"

    Beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie – Rachel Brosnahan für "The Marvelous Mrs. Maisel"

    Bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie – Bill Hader für "Barry"

    Beste Regie in einer Comedyserie – Amy Sherman-Palladino für "The Marvelous Mrs. Maisel"

    Beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie – Regina King für "Seven Seconds"

    Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie – Darren Criss für "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story"

    Beste Talkshow – "Last Week Tonight with John Oliver"

    Beste Sketchshow – "Saturday Night Live"

    Beste Castingshow – "RuPaul's Drag Race"

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