Nach Derby-Niederlage: Rapid bleibt nur der Fluch

    16. September 2018, 19:16
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    Die Austria gewann am Sonntag ein gutes Derby mit 1:0, das Tor erzielte Kapitän Alexander Grünwald. Nach Spielende gab es Fanausschreitungen

    Wien – Erwartungen vor einem Wiener Fußballderby sind immer hoch, da ist die aktuelle Tabellensituation wurscht. An das traditionelle Solo von Red Bull Salzburg werden keinerlei Gedanken verschwendet, es geht darum, wer für ein paar Wochen die Nummer eins in der lebenswerten Hauptstadt ist.

    Am Sonntag stand die 327. Auflage an, das Allianz Stadion war ausverkauft. Rapid ist in diesem Haus gegen die Austria sieglos, zwei Niederlagen, zwei Remis. Man könnte von einem Heimfluch sprechen, muss aber nicht. Wie sagte Kapitän Stefan Schwab: "Das kann man ändern." Alexander Grünwald, Schleifenträger bei der Austria, rechnete jedenfalls mit "einem großen Spiel", sein Trainer Thomas Letsch ging von "offenen Visieren" aus.

    Hütteldorf unter Druck

    Den Druck hatten die Hütteldorfer, der Verein befindet sich in einer Phase der Selbstzerfleischung, die Ultras lehnen Trainer Goran Djuricin ab. Die Qualifikation für die Europa League steigerte seine Sympathiewerte nicht. Der im Stadion anwesende Sky-Experte Lothar Matthäus tippte übrigens auf ein "2:0 für Rapid", davon konnte er in seiner kurzen, von Erfolglosigkeit geprägten Ära (2001/02) als Chefcoach maximal träumen.

    Beide Teams entschieden sich für ein 4-2-3-1-System, und das mit dem Visier stimmte wirklich. Vor allem Rapid hatte es offen, die Grünweißen starteten nahezu furios. 2. Minute. Andrei Ivan spielt Deni Alar frei, Christoph Knasmüllner schafft es tatsächlich, aus rund neun Metern nicht ins leere Tor zu treffen. Das gelingt ihm vermutlich kein zweites Mal. 4. Minute. Ivan scheitert an Goalie Patrick Pentz. Infolge spielte die Austria mit, Kevin Friesenbichler war gar nicht sehr weit weg von der Führung (6.). Jedenfalls hat es schon unspektakulärere Derbys gegeben, es ging hin und her und wieder hin, Tempo, Intensität passten. Technische Fehler passieren auch in anderen Ligen, in anderen Hauptstädten.

    Chancenplus Muster ohne Wert

    Phasenweise, aber wirklich nur phasenweise, wurden die Visiere teilweise geschlossen. 31. Minute: Ivan verpasst das 1:0, Pentz rettet per Fußabwehr. Unmittelbar darauf reißt Mert Müldür an der Strafraumgrenze Grünwald nieder, Michael Madl sollte Freistöße noch üben. 36. Minute: Pentz entschärft einen platzierten Kopfball von Marvin Potzmann. Fazit der ersten Halbzeit: Rapid hatte ein Chancenplus, wovon man sich nichts kaufen kann.

    Nach der Pause blieb es aufregend. Und die Austria legte zu. Rapids Keeper Richard Strebinger wurde zunächst von Lucas Venuto und Grünwald intensiv beschäftigt. 58. Minute: Nach einem Eckball erzielt Grünwald aus 18 Metern das 0:1, Strebinger konnte bei diesem perfekten Schuss nur Zweiter sein. Die Austria brachte den knappen Vorsprung recht souverän über die Runden, daran änderte auch der Ansatz einer Massenrauferei in letzter Minute nichts. Sie ist nun Vierter. Rapid hat als Siebenter den Scherben auf. Die Sympathiewerte von Djuricin sind nicht gestiegen.

    Ausschreitungen nach Spielende

    Die Rapid-Hardcorefans skandierten: "Wir haben die Schnauze voll." Mehrere Anhänger stürmten 15 Minuten nach Spielende aufs Spielfeld Richtung Auswärtssektor, Scharmützel mit Austria-Anhängern konnten von der Polizei verhindert werden.

    Insgesamt gab es in Zusammenhang mit dem Spiel zwei schwerverletzte Beamte, sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Wie es zu den Verletzungen der beiden Beamten kam, war zunächst unklar. Zwei Personen wurden festgenommen. In einem Fall ging es um strafrechtlich Relevantes, im anderen um Verwaltungsrechtliches.

    Am Donnerstag begrüßt Rapid in der Europa League Spartak Moskau. (Christian Hackl, APA, 16.9.2018)

    jungsausfavoriten

    Bundesliga, 7. Runde, Sonntag

    Rapid Wien – Austria Wien 0:1 (0:0)
    Allianz-Stadion, 26.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Weinberger

    Tor: 0:1 (57.) Grünwald

    Rapid: Strebinger – Müldür (58. Auer), Sonnleitner, Barac, Potzmann – D. Ljubicic, Schwab – Murg, Knasmüllner (68. Pavlovic), Ivan (73. Berisha) – Alar

    Austria: Pentz – Klein, Madl, Schoissengeyr, Igor – Ebner, Matic – Friesenbichler (77. Demaku), Grünwald, Venuto (81. Ewandro) – Edomwonyi (87. Monschein)

    Gelbe Karten: Barac, Müldür, Knoflach (auf Ersatzbank), Schwab, Berisha bzw. Friesenbichler, Schoissengeyr, Igor, Ewandro, Monschein, Madl

    Bilanz nach dem 327. Wiener Derby:

    327 Spiele, 135 Rapid-Siege, 74 Remis, 118 Austria-Siege, Torverhältnis 610:518

    Stimmen:

    Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Wir waren in der ersten Hälfte klar überlegen und sieben Mal gefährlich vor dem Tor, da kann man zwei Ligaspiele gewinnen. Die zweite Hälfte war nicht mehr gut von uns, wir hatten viele Fehler im Spielaufbau. Nach dem Tor war es gegen eine tiefstehende Mannschaft schwierig. Im Fußball kommt es vor, dass der unterlegene Gegner gewinnt, und das war heute so. Der Fußball ist resultatsbezogen, deswegen schaut jetzt alles schlecht aus. Der Glücklichere hat gewonnen."

    Thomas Letsch (Austria-Trainer): "Es war ein Derby, wie man es sich vorstellt, es ist hin- und hergegangen. Rapid hatte in der ersten Hälfte nicht mehr Chancen, aber die klareren. Das Spiel war rassig und am Ende war es glaube ich ein verdienter Sieg. Es war nicht unsere beste Leistung in meiner Amtszeit, aber eine sehr gute, vor allem was Willen, Leidenschaft und Kampf anbelangt. Glück hin oder her, da kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber wir haben das Tor gemacht."

    Stefan Schwab (Rapid-Kapitän): "In der ersten Hälfte haben wir einige Sitzer vergeben, in der zweiten Hälfte waren wir durchschnittlich. Wir waren so dumm, dass wir uns nach dem Tor auf die Nicklichkeiten der Austria eingelassen haben. Wir haben es sicher nicht verdient, als Verlierer vom Platz zu gehen. Es zieht sich durch, dass wir nur 45 Minuten eine gute Leistung bieten. Wir müssen das ausdehnen."

    Alexander Grünwald (Austria-Torschütze): "Rapid hatte am Anfang super Chancen, dann waren wir besser im Spiel. Bei meinem Tor hatte der Tormann alle Spieler vor der Brust und den Ball spät gesehen. Es war ein schönes und wichtiges Tor. Was Emotionen und Rudelbildungen betrifft, war es für mich ein Derby im Rahmen."

    Anmerkung: Knapp 50 Rapid-Fans vom "Block West" liefen etwa 15 Minuten nach dem Schlusspfiff auf den Rasen und standen rund fünf Minuten vor dem Austria-Sektor, wobei es zu einigen Scharmützeln kam. Danach wurden sie von der Polizei zurückgedrängt.

    Ticker-Nachlese

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    • Der Jubel ist violett.
      foto: apa/herbert p. oczeret

      Der Jubel ist violett.

    • Hier wird ein Tänzchen gewagt.
      foto: apa/herbert p. oczeret

      Hier wird ein Tänzchen gewagt.

    • Das 327. Derby verlief lange Zeit auf Augenhöhe, auch zwischen Friesenbichler (links) und Potzmann.
      foto: apa/oczeret

      Das 327. Derby verlief lange Zeit auf Augenhöhe, auch zwischen Friesenbichler (links) und Potzmann.

    • Auch die Polizei kam in Hütteldorf zu ihrem Einsatz.
      foto: apa/herbert p. oczeret

      Auch die Polizei kam in Hütteldorf zu ihrem Einsatz.

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