Berliner "Tatort" am Sonntag auf ORF 2: Alles automatisch

15. September 2018, 18:00
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Viel zu lange streift der Tatort wie zwanghaft die wichtigsten ethischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen der Robotik, ohne in irgendeiner Form in die Tiefe zu gehen.

Manche Dinge funktionieren in unserer modernen Welt ganz automatisch: Den Rasen mäht ein surrender Roboter, die Lieblingsmusik fasst die Musik-App nach den bekannten Vorlieben zusammen. Und der Tatort behandelt ein aktuelles, gesellschaftlich relevantes Thema, einfach nur, damit er es tut.

Diese Woche sind Roboter und die Ermittler Rubin und Karow aus Berlin dran. Dort liegt ein Mann tot in einem Kaffeestand, der von einem Roboter betrieben wird. Ist der große Espressoautomat mit dem verdächtigen Grinsen am Display nun Mordwaffe – oder gar Hauptverdächtiger? Gefunden wurde das Opfer von Teenagern, die zuerst einmal ein Selfie (Generation Smombie!) machen und vermeintlich coole Sprüche klopfen. Man muss dem Berliner Fall (Tiere der Großstadt, Sonntag, 20.15 Uhr, ORF 2) zugutehalten, dass er die Zuschauer von Anfang an auf eine Reise in die Welt der Klischees vorbereitet.

Das Ermittlerteam trägt seinen Teil dazu bei: Rubin (Meret Becker), die quirlige Kommissarin mit der traurigen Hintergrundgeschichte. Karow (Mark Waschke), der Kühle mit der harten Schale, aber (Achtung, Spoiler!) weichem Kern. Dazu die überstrebsame, besserwisserische junge Kollegin (Carolyn Genzkow) und ihr computeraffines männliches Gegenüber (Tim Kalkhof).

Viel zu lange streift der Tatort wie zwanghaft die wichtigsten ethischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen der Robotik, ohne in irgendeiner Form in die Tiefe zu gehen. Viel zu spät finden Graustufen und Kontrast in die Geschichte, die erst ganz zum Schluss interessant wird. Das ist schade, denn da werden viele schon den Fernseher ausgeschaltet haben. Ganz automatisch. (Sebastian Fellner, 15.9.2018)

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    foto: orf/ard/conny klein
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