Kritik an geplanter Gesetzesnovelle zum Umgang mit Wölfen

    14. September 2018, 17:42
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    Änderung des niederösterreichischen Jagdgesetzes, die demnächst beschlossen werden soll, sieht Abschüsse "als letztes Mittel" vor

    St. Pölten – Der WWF Österreich hat die geplante Novelle des niederösterreichischen Jagdgesetzes als "populistische Schnellschuss-Aktion ohne naturschutzfachliche Grundlage und ohne ausreichende öffentliche Begutachtung" kritisiert. "Damit will die Landesregierung von ihren eigenen Versäumnissen im Wolfsmanagement ablenken", hieß es am Freitag in einer Aussendung.

    Der niederösterreichische Landtag soll kommende Woche zum Thema Wolf eine Änderung des Jagdgesetzes beschließen. Nach Angaben von LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) vom Donnerstag handle es sich um eine Präzisierung zum Schutz der Bevölkerung, die dem Wolfsmanagementplan entspreche und "rechtlich sauber" sei. Die Maßnahmen reichen von Vergrämung bis zum Abschuss "als letztes Mittel".

    "Keine sachliche Information"

    Jahrelang sei wenig bis nichts getan worden, um die Bevölkerung sachlich zu informieren, Weidetierhalter zu unterstützen und fachgerechten Herdenschutz zu ermöglichen. Daher werde jetzt eine Sicherheitsgefährdung herbeigeredet, um Abschüsse von Wölfen zu rechtfertigen. "Gleichzeitig wird der EU-rechtlich gesicherte Artenschutz konsequent schlechtgeredet", betonte WWF-Experte Christian Pichler.

    Der Hintergrund: In den vergangenen Wochen haben die Sichtungen von Wölfen in der Nähe von Siedlungen angeblich zugenommen. Wie Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) am Donnerstag sagte, seien zuletzt im Waldviertel Schafe in umzäunten Weiden gerissen worden, es herrsche deswegen "massive Unsicherheit" vor Ort. "Wenn eine Gefahr für Menschen besteht, wird in Zukunft eine rasche Entnahme möglich sein", kündigte Pernkopf an.

    "Übertriebenes Bedrohungsszenario"

    "Die Sorgen der Bevölkerung müssen absolut ernst genommen werden, aber das in der Novelle dargestellte Bedrohungsszenario ist völlig übertrieben. Anstatt ein seriöses Wolfsmanagement aufzubauen, wird sofort nach der Flinte gerufen", so Pichler.

    Der international renommierte Wolf-Experte Kurt Kotrschal weist auf Anfrage des STANDARD darauf hin, dass beim geplanten Gesetz der Teufel im Detail stecke: "Die Möglichkeit, einen 'Problemwolf' rasch abzuschießen ist ja im Rahmen der EU FFH-Richtlinie gedeckt. Doch es müsse klar definiert werden, was ein "Problemwolf" ist. "Wenn er sich durch übermäßiges Töten von Weidetieren als solcher qualifiziert", so Kotrschal, "kann nur geschossen werden, wenn in diesem Gebiet ordentlicher Herdenschutz betrieben wird und es trotzdem Verluste durch diesen Wolf gibt."

    Abschuss statt Herdenschutz

    Genau darin liege die berechtigte Kritik an Pernkopf, so der Verhaltensbiologe: "Anstatt energisch auf Herdenschutz zu setzen, will Pernkiopf davon nichts wissen und schafft zuerst die Abschussmöglichkeit, ein verkehrter Ansatz also. Sollte geschossen werden, werden die NGOs sicher klagen. Der Skandal der Abschussbewilligung für Fischotter ohne hinreichenden Grund ist übrigens auch noch nicht ausgestanden."

    Kotrschal, der nebenbei gezielte Falschinformationen über Wölfe für Schüler in Oberösterreich kritisiert, hat auch eine recht konkrete Erklärung für die Eile Pernkopfs: "Heute wurde bekannt, dass er Bauernbundobmann wird,. Das Wort 'Unvereinbarkeit' kennt man in Niederösterreich offenbar nicht." (red/APA, 14.9.2018)

    • In Niederösterreich herrscht – jedenfalls in der Politik – Angst vor dem Wolf.
      imago

      In Niederösterreich herrscht – jedenfalls in der Politik – Angst vor dem Wolf.

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