Versorger Innogy will deutsches Telekom-Geschäft aufmischen

    14. September 2018, 17:08
    posten

    Konzern will jährliche Breitband-Investionen verdoppeln – Leitungen vom Verteilerkasten auch in die Häuser

    Die RWE-Tochter Innogy will ungeachtet der geplanten Übernahme durch E.ON neue Geschäfte wie den Ausbau des schnellen Internets vorantreiben. "Wir wollen den Breitbandausbau weiter forcieren und werden unsere jährlichen Investitionen von bislang 100 Millionen Euro mehr als verdoppeln", sagte Innogy-Netzvorständin Hildegard Müller in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. "Bislang haben wir die Glasfaserkabel in der Regel nur bis in die Verteilerkästen gelegt – jetzt wollen wir verstärkt auch bis in die Häuser gehen und dort Produkte anbieten."

    Versorger wie Innogy sind vor allem für den Strom- und Gasvertrieb und Ökostromanlagen bekannt. Doch die Energiekonzerne stoßen immer häufiger auch in das Breitbandgeschäft vor. Der Oldenburger Versorger EWE investiert seit Jahren in das Geschäft und versorgt 855.000Telekommunikationskunden. Beim Ausbau in vor allem ländlichen Regionen hat er sich mit der Deutschen Telekom zusammengetan. Auch E.ON will den Breitbandausbau vorantreiben. Durch die geplante Übernahme von Innogy können die Konzerne ihre Kräfte bündeln. Damit könnten sie auch Branchenriesen wie die Deutsche Telekom, Vodafone oder Unitymedia unter Druck setzen.

    Auch Zukäufe möglich

    "Durch unseren Netzausbau haben bereits jetzt eine Million Menschen die Möglichkeit, sich an das Breitband anzuschließen", betont Müller, die seit Mai 2016 im Konzern ist und zuvor über sieben Jahre lang den Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mitgeführt hat. Vor allem in ländlichen Räumen gebe es Nachholbedarf. Gerade dort, wo Telekom und andere nicht vor Ort seien, könne viel getan werden. "Politisch hat man sehr lange darauf gesetzt, dass die Telekom und andere große Mobilfunkanbieter den Breitbandausbau übernehmen. Die haben sich aber nicht auf die ländlichen Räume konzentriert, sondern oft nur auf die Ballungszentren und das auch nur unzureichend", fügt die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin bei Bundeskanzlerin Angela Merkel hinzu. Bisher hinkt Deutschland beim Glasfaserausbau im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) aus dem vergangenen Jahr können in Deutschland nur 6,6 Prozent der Haushalte auf Glasfaserkabel zurückgreifen. Im ländlichen Bereich beträgt die Abdeckung gerade einmal 1,4 Prozent.

    Mit Blick auf die bevorstehende Übernahme durch E.ON zeigt sich Müller selbstbewusst. "Wir können erhobenen Hauptes in die Diskussionen mit E.ON gehen. Es gibt zweifellos Geschäftsfelder, bei denen E.ON im Vorteil ist, aber zweifellos gibt es auch eine Menge Themen, bei denen wir sehr erfolgreich sind, gerade aus Netz- und Infrastruktursicht." Bis zum Abschluss der Transaktion bleibe ohnehin alles beim Alten. "Wir sind weiterhin zwei eigenständige Unternehmen und begegnen uns als Wettbewerber."

    Intelligente Stromnetze

    Neben dem Breitband will Innogy auch das Geschäft mit Strom- und Gasnetzen weiter ausbauen. "Wir wollen in Deutschland pro Jahr 600 bis 800 Millionen Euro in intelligente Stromnetze investieren, damit die Energiewende gelingen kann." Investitionen seien auch nötig, um das Netz vor Cyberangriffen zu schützen. "Wir merken, dass Aktivitäten zunehmen. Bisher können wir sagen, dass wir bisher alle Attacken erfolgreich abwehren konnten." Prinzipiell seien auch Zukäufe möglich. "Wir bewerten daher Optionen, ob sie für uns attraktiv sind oder nicht." So habe man etwa Gasnetze in Kroatien erworben. "Wir gucken uns Netze an, bei denen wir uns fragen, ob wir mit unserer technischen Expertise eine verbesserte rausholen können." Das ganze M&A-Geschäft drehe sich um die Frage, ob man gegenüber anderen Wettbewerbern einen Synergievorteil habe. "Nur das meiste Geld hinzulegen, das kann es ja nicht sein." (Reuters, 14.9.2018)

    Link

    Innogy

    Share if you care.