"Schnell ermittelt": Wenn dem Franitschek die Tränen kommen

    16. September 2018, 11:00
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    Am Montag startet die sechste Staffel der Krimiserie auf ORF 1. "Frani" Wolf Bachofner über Harmonie und Ehestreit am Set

    Ist die sechste Staffel von Schnell ermittelt die letzte? Der ORF will das so nicht bestätigen. "Die Bücher für eine mögliche siebente Staffel sind in Entwicklung", lautet das offizielle Statement. Somit sind die zehn neuen Folgen ab Montag auf ORF 1 nur die "vorerst" letzten. Für Wolf Bachofner fühlt sich das trotzdem "merkwürdig" an: "Eigentlich ist es vorbei", sagt der Schauspieler, der in der Krimiserie seit Beginn den Frani – Harald Franitschek – spielt, das entschleunigte Pendant zur entschlossenen Ermittlerin Angelika Schnell (Ursula Strauss). Zurück bleibt bei ihm "eine Mischung aus Sentimentalität und freudvoller Erinnerung".

    foto: orf / pedro domenigg
    Ursula Strauss und Wolf Bachofner.

    Tollste Sache

    Rund zehn Jahre unterhielt Schnell ermittelt in bisher fünf Staffeln und vier Spielfilmen nach einer Idee von Eva Spreitzhofer, fortgeführt von einem Autorenteam um Verena Kurth, Katharina Hajos, Constanze Fischer und Guntmar Lasnig und inszeniert von Michi Riebl sowie Gerald Liegel. Für Bachofner "eine der tollsten Sachen, die ich beruflich je gemacht habe". Seiner Serienkollegin Ursula Strauss streut er zum Abschied Rosen: "Das ist ein Geschenk, dass man einen Partner hat, mit dem ein so harmonisches Geben und Nehmen ohne jegliche Attitüden und Eitelkeiten herrscht."

    Entsprechend emotional soll das Drehende gewesen sein: "Es war schon sehr traurig", sagt Bachofner bei der letzten gemeinsamen Szene, die vergangenen Winter gedreht wurde. "Dann kamen auch die Tränen, und wir haben uns verabschiedet."

    foto: orf / pedro domenigg

    Den Erfolg der Serie, die bis zu eine Million Zuschauer verzeichnen konnte, in zahlreiche Länder verkauft und vom dänischen Fernsehen adaptiert wurde, erklärt Bachofner mit der besonderen Sorgfalt bei der Entstehungsarbeit. Einen Monat vor Drehbeginn seien Hauptcast und Crew zur Leseprobe regelmäßig zusammengetroffen – "eher ungewöhnlich im Fernsehen", sagt Bachofner. Dialoge, Optik, Licht – geachtet wurde auf jedes Detail.

    Als Frani war Bachofner Schnells Partner, Ruhepol, fast nie wankend. Seine besondere Herausforderung fand er in der dritten Staffel. "Es ging um einen Streit, in dem ich Angelika Schnell vorwerfe, dass sie mit dem Mörder gemeinsame Sache macht. Das war wie ein Ehestreit, und den mussten wir in alle Richtungen und Varianten drehen. Wir haben uns ungefähr zwanzigmal hintereinander aufs Heftigste befetzt, und das geht nahe. Sich immer wieder anzuschreien und hasserfüllt in die Augen zu blicken, obwohl man weiß, dass man den anderen mag."

    Neue Herausforderungen

    Vom Frani hat er "nichts gelernt". Der Prozess läuft nämlich anders, sagt Bachofner: "Man ist eine Figur und bringt mit der Zeit auch immer mehr von sich selbst rein. Ich glaube eher, dass der Frani mehr von mir gelernt hat."

    Dass mit dem vorläufigen Ende ein geregeltes Einkommen wegfällt, bedeutet für ihn einen Zwiespalt: "Ich bin 57 und in einer Situation, in der man leicht dazu neigt, sich an etwas zu gewöhnen, um auf der sicheren Seite zu sein. Man muss aber auch immer wieder neue Herausforderungen suchen und finden. So ein Ende ist natürlich auch eine Chance."

    foto: orf / pedro domenigg

    Im Fernsehkommissariat hat Bachofner Erfahrung. Fünf Jahre lang war er Kollege von Kommissar Rex, und er spielte im Tatort und in Soko Wismar. Mittlerweile lebt er in Hannover und will dort Kontakte zum Schauspielhaus reaktivieren, wo er schon spielte. Mit Schnell ermittelt -Kollegin Katharina Straßer und dem Komponisten und Pianisten Bela Korney absolviert er Wiener-Lieder-Abende.

    Was sich in zehn Jahren Schnell ermittelt geändert hat? "Die finanzielle Seite ist nicht besser geworden, sondern hat sich verschlechtert. Wir haben weniger Zeit, das, was wir tun wollen, umzusetzen." Acht Tage sind für eine Folge vorgesehen, gedreht wird inzwischen mit zwei Kameras, was die Schlagzahl zusätzlich erhöht. "Was schade ist, weil wir die Szenen gerne entwickeln, uns nicht sklavisch an Vorgaben halten und zum Teil improvisiert arbeiten." Zum Glück sei man "ein gut eingespieltes Team. Für mich ist ein harmonisches Umfeld die Grundlage, auf der ich am besten aufbauen kann."

    Wenn er selbst fernsieht, schaut Bachofner Magazine und Dokus, etwa Zapp oder die Reihe Schätze der Welt – Erbe der Menschheit.

    "Grey's Anatomy" schauen

    Bei Serien blieb er bei Grey's Anatomy hängen: "Wenn ich etwas anfange, bin ich auch konsequent bis zum Ende." Von den 14 Staffeln hat er sich alle Folgen reingezogen: "Das ist für mich Easy Watching. Es sind gute Charaktere, und die spielen das einfach gut. Ich schau dem gern zu und lasse mich auf die sentimentale Tränendrüsenseite verführen."

    foto: orf / pedro domenigg
    Mit Zoë Straub in der Folge "Elena Ruggenberger", der zweiten der sechsten Staffel.

    Im ersten Fall am Montag haben es Schnell und Frani übrigens mit den Geistern der Vergangenheit zu tun – und mit einer Leiche in Öl. Entscheidende Fortschritte machen die Ermittlungen nach der vom Frani ziemlich nüchtern konstatierten Erkenntnis: "Der Mensch is' a Sau." Letzthin ist aber doch alles komplizierter. Wie immer halt. (Doris Priesching, 16.9.2018)

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