Cannabis-Aktien stehen auch bei europäischen Anlegern hoch im Kurs

    14. September 2018, 13:14
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    Bisher hauptsächlich Privatanleger investiert – Entwicklung der institutionellen Investorenbasis noch am Anfang

    Toronto/London – Der boomende Markt für medizinisches Cannabis steigert das Verlangen von Investoren nach Hasch-Aktien. Auf der Suche nach neuen Anlegern strecken kanadische Cannabis-Unternehmen ihre Fühler zunehmend nach Europa aus – und treffen auf Interesse. "Das ist eine faszinierende Zeit für diese Branche, man kommt im Prinzip gerade aus dem Verbot. Solche Gelegenheiten gibt es nicht oft", zeigt sich etwa der Londoner Fondsmanager Felix Wintle von Tyndall Investment Management angetan. Er verwaltet einen 15 Millionen Pfund schweren Fonds, der rund drei Prozent seines Portfolios in Cannabis-Firmen investiert hat. Produzenten wie Canopy Growth Corporation (CGC), Aurora Cannabis und Tilray hoffen, ihre bislang dominierende Kleinanlegerschaft immer mehr durch langfristige institutionelle Investoren zu ersetzen.

    Kanada will den Cannabis-Konsum ab Oktober vollständig legalisieren – als weltweit zweites Land nach Uruguay. Die medizinische Nutzung ist bereits seit 2001 möglich. Die Entwicklung hat zu zahlreichen Übernahmen unter den Anbietern geführt, ihr Geschäft brummt. Noch werden die meisten Cannabis-Aktien von Privatanlegern gehalten, was die Volatilität der Kurse erhöht und für die Firmen Planung und Expansion erschwert. Institutionelle Investoren hielten sich bislang wegen Bedenken hinsichtlich der Zukunft und der Legitimität der Branche von den Papieren eher fern. Doch nun zeichnet sich eine Veränderung ab.

    foto: ap photo/richard drew
    Die kanadische Canopy Growth Corporation (CGC) hat ihren Aktionären in den vergangenen Jahren mit rasanten Kurssteigerungen viel Freude bereitet.

    So traf Tilray-Chef Brendan Kennedy vor dem Börsengang im Juli an der US-Börse Nasdaq mehr als 200 Institute, davon viele in Europa. "Einige der Investoren, die sich an dem IPO beteiligten, wären vor acht Jahren und selbst vor einem Jahr noch undenkbar gewesen", berichtete er. Einer davon war der Vermögensverwalter Fidelity, wenn auch nur mit einer eher symbolischen Beteiligung von rund 0,15 Prozent, die das Institut über mehrere Fonds kaufte. Zwar richtete sich der Tilray-Börsengang vor allem an nordamerikanische Investoren, doch zwölf Prozent der 153 Millionen Dollar schweren Offerte gingen an Fonds aus London, Frankfurt, Sidney und Hongkong. Konkurrent Canopy Growth begab im Juni eine Wandelanleihe über 384 Millionen Dollar, die sich ausschließlich an institutionelle Anleger richtete. Die Firma zog damit rund 60 vorwiegend neue Investoren an, wovon ein Drittel aus Europa stammte.

    Steigendes Investoreninteresse

    Noch steht die Entwicklung hin zu einer institutionellen und vielfältigen Investorenbasis am Anfang. Reuters-Daten zufolge hat Canopy nur vier in Europa ansässige aktive Investoren, die eine gemeinsame langfristige Anlagestrategie verfolgen. Zum Vergleich: Der kanadische Bergbaukonzern Goldcorp, der eine ähnliche Börsenbewertung wie Canopy hat, kommt auf 102. "Ich glaube aber, dass wir kurz vor einem Wendepunkt stehen", urteilt Michael Barnes, Vorstand bei der auf medizinisches Cannabis spezialisierten Scythian Bioscience. Im Februar fand in London die erste britische Konferenz für medizinisches Cannabis statt, die sich rein an Investoren richtete. Mehr als 100 Fondsmanager und Vertreter von vermögenden Familien oder Personen kamen. Drei Monate später kam eine ähnliche Konferenz bereits auf 450 Teilnehmer.

    "In der Cannabis-Industrie sind ein paar Monate wie zwei Jahre in anderen Branchen", sagt Tristan Gervais, der beim kanadischen Investmenthaus Canaccord das Investmentbanking in dem Bereich leitet. Wegen der Marihuana-Legalisierung in Kanada und weiterer erwarteter Freigaben für medizinisches Cannabis weltweit sind die Bewertungen der fünf größten kanadischen Cannabis-Produzenten auf rund 33 Milliarden Dollar gestiegen, obwohl die meisten von ihnen bislang keine Gewinne machen.

    foto: apa/afp/chris roussakis
    Im Oktober wird der Hanfkonsum in Kanada vollständig legalisiert.

    Derzeit sind nordamerikanische Investoren nach wie vor die wichtigste Quelle für institutionelles Kapital. Die USA, wo Cannabis in mehreren US-Bundesstaaten inzwischen legal ist, sind noch der größte Markt für die Branche. Rund 90 Prozent des weltweiten Umsatzes von 9,5 Milliarden Dollar wurden dort 2017 erzielt. Europa, das nach Schätzungen bis 2028 mit jährlichen Umsätzen von 132 Milliarden Dollar und Wachstumsraten von 40 Prozent pro Jahr zum weltgrößten Markt für medizinisches Cannabis aufsteigen wird, könnte künftig aber eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung spielen.

    Über 20 europäische Länder erlauben medizinisches Cannabis. Cannabis-Konferenzen locken inzwischen neben Fondsmanagern auch Vorstände aus der Pharma- und Gesundheitsindustrie sowie aus der Versicherungsbranche an. Eine ersten spektakulären Schritt machte der Corona-Hersteller Constellation Brands im August: Er verabreichte Canopy Growth eine Finanzspritze von vier Milliarden Dollar – die bislang größte Investition in der Branche. (Reuters, 14.9.2018)

    • Ein Mitarbeiter betreut Hanfpflanzen zur Gewinnung von medizinischem Cannabis in Ontario.
      foto: apa/afp/lars hagberg

      Ein Mitarbeiter betreut Hanfpflanzen zur Gewinnung von medizinischem Cannabis in Ontario.

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