Wird das "Gesamtkunstwerk" Palais Schwarzenberg filetiert und verbaut?

    15. September 2018, 14:00
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    Ja, sagen Kritiker. Nein, sagt die Eigentümerfamilie Schwarzenberg und präsentiert einen Investor. Ein Lokalaugenschein

    Die Situation: Eine alte Adelsfamilie besitzt seit Jahrhunderten ein großes historisches Gebäude samt großem Garten in 1-a-Lage in Wien. Doch das Haus steht seit zehn Jahren leer und bröckelt vor sich hin. Frühere Nutzungen mussten aufgegeben werden, frühere Pläne mit Investoren (Hotel, Kasino) zerschlugen sich. Irgendwie muss das Ding erhalten werden. Aber gegen neue Pläne läuft eine nicht unbeachtliche Gruppe von Experten und Denkmalschützern Sturm. An der Spitze die bekannte Landschaftsarchitektin Maria Auböck und Eva Berger, Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für historische Gärten.

    foto: robert newald
    Die Rückseite des Palais: Durch den soeben geschlossenen Vertrag mit dem deutschen Familienkonzern Lürssen wird im Zuge der Errichtung eines Luxushotels die dringend notwendige Sanierung ermöglicht.

    Der Vorwurf: "Das Gesamtkunstwerk Palais Schwarzenberg mit Garten wird in Einzelstücke zerteilt und verbaut." Die Besitzerfamilie kontert erbost: alles nicht wahr. "Nutzungen, die das Palais und das Areal wieder stärker in die Stadt integrieren, waren vorrangiges Entwicklungsziel."

    Was ist die echte Faktenlage? Wer hat recht? Gibt es eine Lösung, die alle halbwegs zufriedenstellen kann? Denn der Komplex ist zwar Privatbesitz, aber so prominent in der Stadt gelegen – in unmittelbarer Nachbarschaft des Belvedere – und ein so prominentes Kulturerbe, dass ein öffentliches Interesse besteht. "Wir wollen wissen, wo es hingeht", so Maria Auböck zum STANDARD.

    1.) Tiefgarage, 2.) Palais, 3.) Boutique-Hotel, 4.) Becken mit Grotte, 5.) Bierlokal, 6.) Tennisplatz; SPK = Parkschutzgebiet.

    In solchen Fällen empfiehlt sich zunächst ein Lokalaugenschein. Der findet mit dem Vorsitzenden der Fürstlich Schwarzenber’schen Familienstiftung (FSFS), Rechtsanwalt Maximilian Schaffgotsch, und mit den Architekten Peter Spitaler und Thomas Hoppe statt.

    Erster Eindruck: Im großen "Ehrenhof" vor dem Palais, ursprünglich Tummelplatz für fürstliche Wagenauffahrten und Reiterspiele, dann ein Autoparkplatz, wird jetzt aufgegraben, und es entsteht eine Tiefgarage. Am Ende wird der vom Denkmalamt verlangte Urzustand wiederhergestellt sein – eine große leere Fläche, ohne Autos, nur niveaumäßig auf das historische Niveau abgesenkt. Die Vorderfront des Palais komme dadurch wieder besser zur Geltung, so die Architekten.

    Vertrag unterzeichnet

    Nächster Schritt: Das Palais selbst, das schon deutliche Anzeichen von beschädigter Substanz zeigt. Hier wird im rechten Flügel und in den beiden Vorderflügeln, die den Ehrenhof einrahmen, ein Luxushotel entstehen. Betreiber wird die österreichische Tochterstiftung des Bremer Familienkonzerns Lürssen sein.

    Der Vertrag wurde vor kurzem unterzeichnet. Damit ist der Vorwurf der Kritiker, es gebe nur Einzelbaumaßnahmen und kein Hotelprojekt, entkräftet. Maria Auböck reagierte auf die Nachricht so: "Das freut mich, dass ich das erfahre."

    foto: robert newald
    Das sogenannte Belvederestöckl, wo ein Bierlokal entseht.

    Auf der Rückseite des Palais fällt die Terrasse auf, die gerade aufwendig saniert wird. Dann geht es in den Garten, wo bereits Barockstatuen saniert wurden (es handelt sich übrigens schon lange nicht mehr um einen Barockgarten, im 19. Jahrhundert wurde daraus ein sogenannter englischer Garten). Linker Hand wird ein niedriges, langgestrecktes Boutiquehotel (2400 Quadratmeter Nutzfläche) entstehen, das direkt an den Belvederegarten grenzt. Betreiber wird ein altösterreichisches Familienunternehmen.

    Im Weitergehen durch den Park stößt man dann auf das wirklich umstrittene Projekt: Unter Einbeziehung eines früheren Restaurantgebäudes (Belvederestöckl) an der Außenmauer des Parks plus Zubau soll ein Bierrestaurant entstehen. Systemgastronomie, wie sie auf der anderen Seite, am Rennweg, in Form des Salmbräu, bereits besteht. Es wird über 800 Sitzplätze geben, die Leute werden teils im Lokal, teils unter den Bäumen sitzen und (mit Abstand) auf das historische Wasserbecken mit Grotte und Wasserspielen herunterblicken, das von der Familie Schwarzenberg gerade aufwendig restauriert wird. Der Vorwurf der Kritiker, dass das Bierlokal die gesamte dritte Ebene des Terrassengartens umfassen soll, ist nicht richtig.

    foto: robert newald
    Das Barockbecken samt Grotte wird derzeit renoviert.

    800 Sitzplätze, das ist nicht wenig, auch wenn sie nie gleichzeitig besetzt sein werden und die vorhandenen Baulichkeiten nur um etwas mehr als 200 Quadratmeter erweitert werden; und wenn die Betreiberfamilie Welledits verspricht: "Das wird kein Ballermann." Die Einwände von Anrainern wegen Lärmbelästigung relativieren sich allerdings durch den Straßenlärm in der Prinz-Eugen-Straße. Noch eine Stufe des Terrassengartens weiter hinauf: Dort sind die Tennisplätze, wo es nicht, wie von den Kritikern befürchtet, ein Klubhaus geben wird, sondern mehr oder weniger versteckte Garderoben. Dann leuchtet schon das Schloss Belvedere herunter.

    Wird das Gesamtkunstwerk Schwarzenberg/Garten "filetiert und verbaut"? Der Lokalaugenschein ergibt, dass es im 80.000 Quadratmeter großen Park letztlich zwei "Eingriffe" gibt, das Boutiquehotel und das Bierlokal. Das Palais selbst war schon einmal ein Luxushotel und wird durch die neuen Betreiber wieder eines.

    Für Kritiker wie Maria Auböck wäre die "Ideallösung" ein Gesamtkonzept wie in Schloss Hof im Marchfeld. Dieses ehemalige Schloss von Prinz Eugen samt Barockgarten wurde prachtvoll renoviert – allerdings mit Steuergeld, denn es ist öffentlicher Besitz. Der Schwarzenberg-Komplex ist aber privat und muss sich irgendwie erhalten. Darum kommt man nicht herum. Vor Jahren gab es Pläne für ein Kasino im Palais. Die Familie hätte in diesem Fall den Park für das Publikum geöffnet. Eine Öffnung ist immer noch denkbar. "Aber zuerst bringen wir einmal die jetzigen Projekte über die Bühne", sagt Schaffgotsch. (Hans Rauscher, 15.9.2018)

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