Wissenschaft in Ungarn: Forschung in Geiselhaft

    Kommentar13. September 2018, 17:53
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    Ohne die Ungarische Akademie der Wissenschaften wird das Land rasch den wissenschaftlichen Anschluss an Europa und den Rest der Welt verlieren

    Im Schatten von Viktor Orbáns rabiatem Auftritt vor dem EU-Parlament in Straßburg werden zu Hause Gräueltaten an der freien Wissenschaft verübt. Nachdem die Fidesz-Partei monatelang alles dafür getan hat, um die vom ungarisch-amerikanischen Philanthropen George Soros gegründete Privatuniversität CEU aus dem Land zu jagen – ein neuer Standort soll im Herbst 2019 in Wien errichtet werden –, geht sie nun gegen nationale Institutionen vor: Die bis vor wenigen Monaten noch weitgehend autonome Ungarische Akademie der Wissenschaften wurde erst im Juli von der Regierung finanziell an die Kandare genommen. Nun soll sie nach Plänen des neuen Innovationsministeriums unter László Palkovics regelrecht zerschlagen werden.

    Was die Regierung damit bezweckt, liegt auf der Hand: Als paranoider Clique, die den Staat als Selbstbedienungsladen betrachtet und keinerlei Widerspruch dulden will, ist der Partei jegliche Autonomie ein Dorn im Auge und stellt eine Gefahr für den eigenen Herrschaftsanspruch dar, und diese gilt es auszuschalten.

    Ebenso klar ist, was das für die Zukunft Ungarns bedeutet: Ohne diese wichtige Forschungsinstitution mit all ihren Verästelungen und internationalen Verbindungen wird das Land rasch den wissenschaftlichen Anschluss an Europa und den Rest der Welt verlieren. Damit wird es wohl auch wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten. (Thomas Bergmayr, 13.9.2018)

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