Heinz Strunk und seine galligen Kurzgeschichten in "Das Teemännchen"

    13. September 2018, 16:37
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    Der Hamburger Autor ein meisterhafter Chronist der Vergeblichkeit

    Die Welt ist traurig. Keiner kommt hier lebend raus. Die einzige Hoffnung, die bleibt: Vor dem Ende sollte man nicht noch mehr leiden, als es ohnehin schon superfett und mit Nachschlag daherkommt. Hoffnung, Würde, bis zum bitteren Ende gerade noch mal halbwegs gutgegangen? Fehlanzeige.

    Spätestens seit seinem Debüt Fleisch ist mein Gemüse ist der Hamburger Autor Heinz Strunk ein meisterhafter Chronist der Vergeblichkeit. Er arbeitet in Romanen wie zuletzt Der goldene Handschuh oder Jürgen oder dem entschieden autobiografisch eingefärbten Spielsuchtdrama Heinz Strunk in Afrika an einer durchaus galgenhumorigen Form von Literatur, die man am ehesten mit autogen betriebener Teufelsaustreibung beschreiben könnte.

    Der goldene Handschuh, die Tragödie um einen realen Hamburger Serienkiller, war zuletzt der überaus gelungene Versuch, diesem Ringen um Erlösung mit so etwas Ähnlichem wie dem Begriff der Gnade beizukommen. Den Versuch ist das wert, das Ergebnis sprach Bände. Gut ausgegangen ist auch das nicht.

    Guter Einstieg

    Das Mitglied der Hamburger Telefonterroristen und Alltagsaktionisten von Studio Braun, dem auch Rocko Schamoni und Jaques Palminger angehören, hat sich nun zum Schrecken seines Verlags dazu entschlossen, eine im Betrieb aus Vermarktungsgründen nicht gerade gern gesehene Kurz- und Kürzestgeschichtensammlung zu veröffentlichen. Der 200-seitige Band nennt sich Das Teemännchen (Rowohlt). Und trotz aller Befürchtungen wegen langen Anlaufs zur Kürzeststrecke sind die manchmal nur eine halbe Buchseite ausfüllenden Storys ein guter Einstieg für Leser, die sich mit Heinz Strunks Weltsicht bisher so gar nicht anfreunden wollten.

    "Wer morgens zerknittert aufsteht, hat am Tag die besten Entfaltungsmöglichkeiten": Unter diesem lebensmüden Motto geht es um nach Currywurst und Bratenfett stinkende, alle Hoffnung aufgegeben habende Frauen am Imbissstand, besoffene Studentinnen, notgeile Barkeeper, den mentalitätsmäßigen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland, für die älteren Leser um einen Politiker namens Lothar Späth, Pornofilme, Bordellbesuche – und überhaupt um Protagonisten, die man trotz aller Verzweiflung als arme Schweine bezeichnen könnte.

    Zynismus allerdings, das ist die Lehre auch aus diesem aktuellen Schaffensabschnitt Heinz Strunks, ist dem Autor fremd. Am Ende siegt, wie schon gesagt, der Galgenhumor. (Christian Schachinger, 13.9.2018)

    Am 17.10. liest der Autor im Wiener Rabenhof.

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