Stress macht dumm

    14. September 2018, 06:00
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    Forscher konnten nachweisen, dass sich Umweltfaktoren wie Stress negativ auf die Intelligenz auswirken

    Berlin – Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Aktivität bestimmter Gene im Gehirn und Leistungsunterschieden bei Intelligenztests? Die Frage stellten sich Wissenschafter der Charité Berlin.

    Bekannt ist, dass Umwelteinflüsse – etwa Stress oder belastende Erfahrungen – die Aktivität von Genen beeinflussen und zu individuellen Strukturveränderungen am Erbmaterial führen können. Es kommt zu sogenannten epigenetischen Veränderungen, über die sich das Erbgut an die Anforderungen seiner Umwelt anpasst. Die Information, ob und unter welchen Umständen ein Gen aktiv ist, kann zusammen mit dem Erbmaterial an die nächste Generation von Zellen weitergegeben werden.

    Forscher von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin haben nun die Ergebnisse der Intelligenztests von fast 1.500 Jugendlichen mit den epigenetischen Veränderungen des Gehirns der Probanden verglichen. Für die Studie wurden jene Gene untersucht, die im Nervensystem für die Signalübertragung mit dem Botenstoff Dopamin von Bedeutung sind.

    Einfluss der Epigenetik

    Dopamin spielt eine wichtige Rolle im Belohnungssystem des Gehirns. Es steuert maßgeblich den Antrieb und die Motivation eines Menschen. Die Wissenschafter konnten nun nachweisen, dass die epigenetische Regulation der Signalübertragung mit Dopamin und die individuelle Leistung in Intelligenztests zusammenhängen. Durch die Modifizierung des Dopamin-Rezeptorgens wird dieses Gen von der Zelle stummgeschaltet. Die Folge: Es werden weniger Dopamin-Rezeptoren auf den Nervenzellen gebildet, wodurch sich die Signalübertragung verringert.

    Der Studie zufolge führte die Stummschaltung des Gens zu schlechteren Ergebnissen in den Intelligenztests. "Gerade was die Aktivität des Dopamin-gesteuerten Belohnungssystems angeht, konnten wir schon früher Zusammenhänge mit Stress und der Intelligenzleistung beobachten. Die Bedeutung der umweltabhängigen Steuerung der Genaktivität tritt nun neben andere bekannte Einflüsse auf die Leistung in Intelligenztests, wie Armut oder die genetische Konstitution", fasst Studienleiter Jakob Kaminski die Ergebnisse zusammen. In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun genauer untersuchen, wie stark Umwelteinflüsse zu neurobiologischen Veränderungen führen und die Leistung in Intelligenztests beeinflussen. (red, 14.9.2018)

    • Das Gehirn freut sich über Dopamin. Stress schwächt die Signalübertragung des "Glückshormons".
      foto: getty images/istockphoto

      Das Gehirn freut sich über Dopamin. Stress schwächt die Signalübertragung des "Glückshormons".

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