Türkische Notenbank erhöht Leitzins gegen Erdoğan-Wunsch deutlich

    13. September 2018, 13:41
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    Die Notenbank hat auf den Kursrutsch der Lira reagiert. Der Präsident bestellt sich indes selbst an die Spitze des Staatsfonds

    Istanbul – Die türkische Notenbank hat die Zinsen deutlich erhöht und dem Land damit Luft in der Währungskrise verschafft. Sie hob den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld am Donnerstag von 17,75 auf 24 Prozent an. Ökonomen hatten lediglich mit 22,00 Prozent gerechnet.

    Die Entscheidung verschaffte der Landeswährung Lira am Donnerstag Rückenwind. Sie wertete deutlich auf, der US-Dollar fiel um mehr als fünf Prozent auf 5,98 Lira. Der Istanbuler Aktienindex legte 1,6 Prozent zu. "Die türkische Notenbank schafft klare Fakten und gewinnt Vertrauen zurück", sagte der Ökonom Thomas Gitzel von der VP-Bank.

    Die Sitzung galt als Nagelprobe für die Unabhängigkeit der Währungshüter, die mit einer ausufernden Inflation im Land kämpfen. Denn der mit großer Machtfülle ausgestattete Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan ist ein Gegner von hohen Zinsen – und hatte vor der Sitzung niedrigere Zinsen gefordert. Sorgen von Investoren, er könnte der Zentralbank in ihre Entscheidungen hineinreden, hatten die Krise der Lira mitausgelöst.

    Immobiliengeschäfte nur noch in Lira

    Immobiliengeschäfte dürfen angesichts der Währungskrise in der Türkei künftig nur noch in Lira abgeschlossen werden. Das gelte nicht nur für neue Kauf- und Mietverträge, hieß es am Donnerstag, auch alle bereits in einer ausländischen Währung abgeschlossenen Verträge müssen innerhalb von 30 Tagen auf Lira umgeschrieben werden.

    Immobilienverträge, die in einer ausländischen Währung wie Euro oder Dollar abgeschlossen werden, sind in der Türkei weit verbreitet. Mit der Maßnahme reagiert Erdoğan auf den massiven Kursverfall der Lira, die seit Jahresbeginn etwa 40 Prozent ihres Werts eingebüßt hat.

    Präsident an Spitze des Staatsfonds

    Unterdessen hat Erdoğan beim türkischen Staatsfonds kräftig am Personalkarussell gedreht und kurzerhand den gesamten Vorstand gefeuert. Ersatz war schnell gefunden: Der Staatpräsident übernimmt höchstpersönlich den Vorsitz. Auch sein Schwiegersohn, Finanzminister Merat Albayrak, kam laut Medienberichten bei der Neubesetzung zum Zug. Erdoğan kündigte nach der Entlassung des bisherigen Vorsitzenden an, den Türk Verlik Fonu neu zu organisieren, da dieser seine Ziele nicht erreicht habe.

    Eingerichtet wurde der rund 50 Milliarden Dollar schwere Staatsfonds nach dem Putschversuch im Jahr 2016 mit dem Ziel, die Staatsfinanzen zu sanieren. Dazu wurden etliche Staatsbeteiligungen, darunter 49 Prozent an der Fluggesellschaft Turkish Airlines, eingebracht. Über das Vehikel wollte die Regierung umfangreiche und kostspielige Projekte ermöglichen, ohne auf die internationalen Finanzmärkte angewiesen zu sein. Im vergangenen Jahr soll der Fonds Milliardenkredite für Infrastrukturprojekte vergeben haben, ohne dafür Zinsen zu verlangen. (APA, Reuters, red, 13.9.2018)

    • Geht es nach Präsident Erdoğan, sollten die Zinsen sinken. Die türkische Notenbank hat sich anders entschieden.
      foto: reuters

      Geht es nach Präsident Erdoğan, sollten die Zinsen sinken. Die türkische Notenbank hat sich anders entschieden.

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